Nur wenig Interesse an lebensrettenden Maßnahmen

+
Schulungsleiter Nico Raab demonstrierte, wie Menschen mit Herzrtythmusstörungen mit Hilfe eines Defibrillators auch von medizinischen Laien vor dem fast sicheren Tod bewahrt werden können.

Nachrodt-Wiblingwerde - Seit rund acht Wochen hängt im ehemaligen Wiblingwerder Bürgerhaus ein Defibrillator. Angeschafft hat ihn Gastwirt Manfred Winkhaus. Wie das lebensrettende Gerät bedient wird, weiß jedoch kaum jemand. Das sollte sich jetzt durch eine Schulung ändern.

Manfred Winkhaus hatte den Defibrillator Anfang Oktober von Geldgeschenken anlässlich seines 60. Geburtstags und einer eigenen Spende angeschafft. Nun wollte er auch noch möglichst viele Wiblingwerder in die Bedienung des Gerätes einweise, das durch gezielte Stromstöße Herzrhythmusstörungen beenden kann. Allerdings erschienen nur sechs Interessenten zu der Veranstaltung.

„Die Bedienung des Gerätes ist kinderleicht“, erklärte Nico Raab, Schulungsleiter bei der Firma Heartcom. Das Einzige, was ein Anwender tun müsse, sei, den optischen und akustischen Befehlen des Gerätes zu folgen, versuchte Raab, den Interessierten die Angst vor der Bedienung des Defibrillators zu nehmen.

„Der plötzliche Herztod ist weltweit die Todesursache Nummer eins“, wusste Raab. Allein in Deutschland würden jährlich etwa 150 000 Menschen an plötzlichem Herzversagen versterben. „Betroffene haben in der Regel nur eine minimale Überlebenschance, wenn nicht innerhalb von zehn Minuten die ärztliche Notversorgung erfolgt“, erklärte Raab weiter. In ländlichen Gegenden benötige ein Rettungsfahrzeug in der Regel mehr als zwölf Minuten, um zum Einsatzort zu gelangen. Dann sei es für den Betroffenen jedoch meist schon zu spät.

„Gerade hier in Wiblingwerde müssen wir mit einem solchen Notfall rechnen. Dann können wir nicht mehr auf den Notarzt warten“, gibt Manfred Winkhaus zu bedenken. Er hätte sich daher gefreut, wenn mehr Interessenten an der Einweisung teilgenommen hätten. Die Bedienung des Rettungsgerätes ist in der Tat sehr einfach. Nach dem Öffnen und dem Einschalten des Defibrillators steuert eine Computerstimme die Maßnahmen des Ersthelfers. Unterstützt werden diese Anweisungen durch optische Signale. So blinkt beispielsweise eine zu bedienende Taste, wenn durch deren Drücken ein Impuls ausgelöst werden soll.

„In die Situation, helfen zu müssen oder auch Hilfe zu erhalten, kann jeder einmal kommen“, sagte Nico Raab. „Um den Defibrillator anzuwenden, sei das Einzige, was man können müsse, die Hemmschwelle zu nehmen. „Man kann nichts falsch machen“, betonte Raab eindringlich. Vielmehr müsse man sich immer wieder vor Augen halten, dass bei Untätigkeit ein Menschenleben auf dem Spiel stehe.

Der von Manfrerd Winkhaus angeschaffte Defibrillator wird am Bürgerhaus für jedermann zugänglich sein. Er ist sogar beheizt und wird – bei entsprechenden Temperaturen – im Sommer belüftet. In Kürze wird die Funktionsweise des Rettungsgerätes nochmals vorgestellt. Winkhaus hofft, dass sich dann mehr Interessierte einfinden, um sich darüber zu informieren, wie sie mit Hilfe eines Defibrillators ein Menschenleben retten können. - Hartwig Bröer

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare