Ein Tütchen, das zum Fest viel Freude macht

In Wiblingwerde ist das Türwichteln in derNachbarschaft ein fester Bestandteil der Weihnachtszeit. Inzwischen hat die nette Geste sogar schon Nachahmer gefunden.  Foto: Hornemann

Nachrodt-Wiblingwerde - Einen Zettel und ein kleines Glöckchen fanden die Nachbarn von Ricarda Rosendahl an Weihnachten vor 20 Jahren an ihrer Haustür. Es war ein Gruß an die Nachbarn, die sie damals noch nicht alle kannte. Die freuten sich so sehr über diese kleine Aufmerksamkeit, dass das Türwichteln bis heute ein fester Bestandteil geblieben ist.

Auch in diesem Jahr packt Ricarda Rosendahl wieder ein Tütchen für die Nachbarn in der Straße Auf der Höh. Darin befindet sich immer ein kleines Geschenk. Eingebettet in Watte, so dass es aussieht wie ein Präsent, das im Schnee liegt. „Es ist nie etwas Teures“, erklärt Rosendahl. „Aber es ist eine Geste, die die Nachbarschaft verbindet.“

Neue Nachbarn waren zuerst irritiert, als sie den kleinen Gruß vorfanden. „Aber auf diese Weise hat man sich kennen gelernt“, sagt die Wichtel-Frau. Das schätzen die Anwohner auf der Höh sehr, denn „Wir alle haben nur diese eine Nachbarschaft und wir sind auf uns angewiesen“, erklärt Ricarda Rosendahl. Mittlerweile gehört das Wichteln einfach dazu – und es hat bereits Nachahmer gefunden: Diesmal will auch Gisela Gundermann in Rennerde Tütchen für die Dorfbewohner packen und hat bei Ricarda Rosendahl nachgefragt, wie sie beim Türwichteln vorgeht.

Eine mittlerweile verstorbene Nachbarin von Ricarda Rosendahl hatte einmal sämtliche Gaben, die einst an ihrer Tür gehangen hatten, an einen Tannenzweig gehängt. „Das war dann für mich eine schöne Überraschung“, schildert die Initiatorin.

Die Urform des Wichtelns ist in Skandinavien einzuordnen. Dort wird das Wichteln Julklapp genannt. Dabei setzt sich das Wort aus dem Begriff, „Jul“, dem Fest der Wintersonnenwende, und „klapp“, für klopfen, zusammen. Beim Julklapp werden stabil verpackte Geschenke nach lautem Klopfen in ein Zimmer geworfen. Am Geschenk können Sprüche oder Gedichte hängen, die den Beschenkten umschreiben.

Der Name Wichteln kommt von dem kleinen Phantasiegeschöpf, dem Wichtel, der vor allem in vielen nordischen Sagen auftaucht. Speziell dem Weihnachtswichtel kommt die Aufgabe zu, den Weihnachtsmann beim Geschenkeverteilen zu unterstützen. In anderen Ländern, beispielsweise in Großbritannien, ist der Brauch unter dem Namen „Secret Santa“ bekannt, in Portugal unter „amigo secreto“ oder „amigo oculto“. In Spanien und Argentinien nennt man ihn „amigo invisible“ (der unsichtbare Freund). Gemein ist allen Bräuchen das geheime oder verdeckte Schenken, was auch im ursprünglichen Julklapp, die zentrale Rolle spielt. - Ina Hornemann

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