Happy End: Hahn gerettet - er wurde ein Jahr lang schmerzlich vermisst

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Zimmermann Mathias Böhß, Zimmermeister Jürgen Heinrichs, Ulrich König ,Architekt Markus Campen, Statiker Gerhard Langfeld und Presbyter Rainer Nowak freuen sich über den geretteten Hahn.

Nachrodt-Wiblingwerde – Ganz großer Bahnhof für einen goldenen Vogel, einen Hahn. Schmerzlich wurde er etwa ein Jahr lang vermisst. Immer wieder fragten die Wiblingwerder besorgt nach dem Wohlergehen des kleinen Tiers. Jetzt das Happy End.

Die Rede ist vom Hahn auf dem Wiblingwerder Kirchturm. Der Wetterhahn war nach einem Sturm etwas arg wetterfühlig geworden. Von da an nahmen die Altersbeschwerden zu. Die Kirchengemeinde musste eingreifen und das schwere Federvieh retten. In einer aufwendigen Aktion wurde das Tier vom Dach gehoben. Schnell stand fest: Hier kann nur ein Team aus Kirchturmwetterhahn-Spezialisten helfen. Bau- und Kunstschlosser, Architekten, Statiker, Dachdecker, Klempner und ein Hubwagen waren erforderlich.

 Allen voran Kunstschlosser Ulrich König aus Lüdenscheid. „Ein wunderschönes Tier – wirklich. Und mindestens 120 Jahre alt, eher älter“, schwärmt König. Er beobachtet das Treiben rund um die Wiblingwerder Kirche ganz genau. Drei Tage dauerte es, bis der Hahn wieder da war, wo er hingehört. „Vor gut einem Jahr gab es einen Sturm. Dabei ging an der Verankerung etwas kaputt. Wir wollten den Hahn allerdings retten und daraus ist diese Aktion entstanden“, erklärt Rainer Nowak, Vorsitzender des Presbyteriums. Während etliche Wiblingwerder glücklich das Treiben auf dem Dach verfolgen, in dem Wissen, dass ihnen bald der Hahn wieder die Windrichtung zeigt, kommt bei König schon ein wenig Wehmut auf.

"Das Besondere ist die dicke Brust"

 „Es war ein außergewöhnliches Tier. Viele, viele Stunden habe ich daran gesessen – Minimum zehn Wochen“, erzählt der Kunstschlosser. Ein solches Projekt ist auch für den erfahrenen Metallbauer einzigartig. „Das Besondere ist die dicke Brust“, erklärt er weiter. Ein Bleigewicht in Kupfer eingepackt gleiche den schweren Schwanz des Tieres aus. „Da hat der Künstler damals richtig gute Arbeit geleistet“, schwärmt König. Die Gewichtsverteilung auf der Fläche des Tieres sei wichtig. Ein Drittel des Gewichtes liege im hinteren Bereich, zwei Drittel vorne. Dadurch könne sich das Tier im Wind drehen. Außerdem wurde der Hahn in vielen kleinen Schritten mit neuem Blattgold verziert. „In der Kugel unten drunter wurde eine Urkundenhülse eingebaut. Auf der haben sich die aktuellen Presbyter verewigt. Wenn in vielen Jahren wieder einmal etwas repariert werden muss, wird man sie finden. Hoffentlich dauert es wieder so viele Jahre“, freut sich König. 

Etwa 40 bis 50 Schaulustige haben sich zwischenzeitlich vor dem Gemeindehaus versammelt. „Der spannendste Moment ist, wenn der Hahn aufgesetzt wird, denn dann muss alles passen, dann wird sich zeigen, ob wir alle gut zusammengearbeitet haben“, sagt König. Zimmermann Jürgen Heinrichs und sein Team waren für den Kaiserstiel verantwortlich, quasi das Fundament des Hahns. Darauf kommt nun die neue Befestigung aus Stahl.

 „Das Schwierige ist, das Lot wieder herzustellen und alles muss so sein, dass der Hahn einfach oben drauf gesetzt wird und bombenfest ist“, erklärt Statiker Gerhard Langfeld, der die Aktion begleitet. Etwa 30 Meter hoch ist der Turm der Kirche – kein einfacher Arbeitsplatz. „Zum Abschluss kommen noch die Dachdecker und die Klempner, um alles wieder abzudichten und den Blitzableiter wieder einsatzbereit zu machen“, erzählt Markus Campen, Architekt des Kreiskirchenamts. Stolz thront der goldene Hahn nun wieder auf dem Kirchturm und lässt seinen Blick über das Dorf schweifen.

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