Wetter drückt die Ernte der Landwirte

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Regina Weustermann auf dem Mähdrescher. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Regina Weustermann hat keine Zeit zu verlieren. Unablässig drehte sie Donnerstag Mittag auf ihrem Feld bei Herlsen mit dem Mähdrescher Runde um Runde über die zwei Hektar große Fläche. Das Wetter hat die Landwirte seit dem Frühjahr immer wieder gebeutelt.

„Erst war es zu beständig“, beschreibt Hans-Jürgen Hohage die Situation, „und dann zu unbeständig“. Auf eine Phase langer Trockenheit sei eine lange Zeit gefolgt, in der es zu viele Niederschläge gab. Die Folge: Eine bisher nur sehr magere Ernte. Futtermittel sind knapp, Heu und Stroh sind knapp – die Preise erreichen Spitzenniveau. „Aber ernten können wir nicht mehr als sonst“, macht Walter Weustermann mit trockenem Humor auf die Lage aufmerksam. Seine Tochter versucht derweil, so viel Sommergerste wie möglich unter das Mähwerk zu bekommen, bevor der nächste Regen aufzieht. Mit ein bisschen Glück werden es 80 Doppelzentner.

Aber die Ähren tragen schlecht. Die Ernteeinbußsen liegen bei etwa 30 Prozent bei der Sommergerste. Das mag noch glimpflich erscheinen, aber bei anderen Getreidesorten sieht es finster aus: Bei Weizen gibt es ein Minus von bis zu 50 Prozent und beim Hafer sogar bis zu 70 Prozent. Die Sommergeste, die Regina Weustermann mit ihrem Vater einfährt, benötigt sie als Futter für ihre rund 120 Sauen. Auf dem Hof stehen aber auch auch 20 Mutterkühe mit einem Kalb.

Das Grünland macht den Bauern Sorgen: „Es steht noch viel  – wir bekommen es nicht geerntet“, bestätigt auch Ernst-Jörg Pühl. Bestenfalls mal „zwei oder drei Tage“ habe man in den Ernteeinsatz gehen können. So gebe es Milchviehbetriebe, die schon den „frischen Schnitt“ verfüttern, weil die Reserven aufgebraucht seien. Hans-Jürgen Hohage ergänzt: „Stroh gibt es in der Region im Moment so gut wie gar nicht.“ Und er weiß gut: „Wer etwas hat, der schmeißt damit nicht um sich.“ Auch deshalb seien die Preise hoch. Hohage ist auf das Münsterland ausgewichen und erledigt seine Zukäufe dort. Sind nach Auskunft der Landwirte sonst 30 bis 35 Euro für einen Rundballen Heu zu zahlen, so werden jetzt etwa 70 fällig. „Utopische Preise“, findet Hohage.

Auch Pferdehöfe stöhnen unter den Ernteausfällen. Die Vereinigung der Freizeitreiter spricht sogar von „Notrufen.“ ▪ tk

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