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Gegen aggressive Wespen: Papiertüte bringt nichts

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Gibt es eine Wespen-Plage? Unaufhörlich klingelt deshalb gerade das Telefon bei Schädlingsbekämpfer Marco Zydek aus Nachrodt.


Nachrodt-Wiblingwerde – Angeblich sind sie kurzsichtig und kommen uns deshalb so nah. Eigentlich wollen sie nur den Kuchen, das Steak vom Grill oder am liebsten beides. Wespen allerorts sind in diesen Tagen der Kummer vieler Menschen. Gibt es vielleicht sogar eine Plage? Unaufhörlich klingelt deshalb gerade das Telefon bei Schädlingsbekämpfer Marco Zydek aus Nachrodt.

InsektWespe
Wissenschaftlicher NameVespinae
FamilieFaltenwespen (Vespidae)

„Auf keinen Fall selbst bekämpfen“, appelliert Marco Zydek. Zu 90 Prozent dreht sich seine Arbeit im Moment um die gelb-schwarzen Flieger. „Die Leute sind oft besorgt. Wir haben zum Beispiel viele Fälle, wo die Tiere im Rollokasten sitzen. Und irgendwann fressen sie sich durch.

Wespe ist nicht gleich Wespe

Wenn man ein mechanisches Rollo hat, das man mit der Hand betätigen muss, dann nagen sie auch den Gurt kaputt und kommen durch den kleinsten Spalt“, erzählt Marco Zydek, der gerade so einen Notfall hatte. In einem Kinderzimmer.

Prinzipiell schaut der 21-Jährige erst einmal vor Ort, um welche Art von Wespen es sich handelt. „Viele denken: ,Wespe ist Wespe und automatisch aggressiv.’ Das ist aber nicht der Fall. Wir haben auch Arten, die absolut ungefährlich sind, zum Beispiel die Feldwespe“, erklärt der Schädlingsbekämpfer. Das Nest hat keine Hülle. „Die Feldwespe hat orangene bis rötliche Fühler. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie sticht, ist sehr, sehr gering.“ Gegen so ein Nest wird auf keinen Fall vorgegangen – „das stellt keine Gefahr dar“. Alle anderen Wespenarten haben übrigens schwarze Fühler.

Ein Wespennest unter der Dachrinne. Schädlingsbekämpfer Marco Zydek arbeitet nur mit Vollschutz
Ein Wespennest unter der Dachrinne. Schädlingsbekämpfer Marco Zydek arbeitet nur mit Vollschutz © Fischer-Bolz, Susanne

Bekämpft wird ein Wespennest, wenn Gefahr in Verzug ist und die Menschen stark beeinträchtigt sind. „Ich gucke, ob eine Umsiedlung möglich ist“, sagt Marco Zydek. Wenn ein Wespennest verschwinden muss, gibt es zwei Vorgehensweisen. Bei einem Hohlraum, wie einem Rollokasten, arbeitet Marco Zydek mit einem puderförmigen Präparat, das mit Druck ins Nest befördert wird. Bei einem freihängenden Nest wird ein Aerosol gesprüht. Die Tiere sterben. Der Vorteil beim Aerosol: Es ist ein Kurzzeitmittel.

Bei freihängenden Nestern kann der meist leidgeplagte Kunde nach Tagen das Nest selbst entfernen. Wenn das Nest im besagten Rollokasten noch klein ist und mit dem Puder-Präparat behandelt wurde, dann kann es an Ort und Stelle verbleiben, „weil man es dadurch unwahrscheinlicher macht, dass sich die Tiere dort noch mal einnisten“, erklärt Marco Zydek.

Hohe Strafen

Selbst Hand an zu legen, im Internet Sprays oder andere Mittel zu kaufen, um die Wespen zu töten, ist verboten. Die Tiere sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz und Artenschutzgesetz streng geschützt. „Als Privatperson darf man keine Maßnahmen ergreifen. Das wird hier in NRW mit bis zu 50 000 Euro bestraft“, sagt Marco Zydek. Er hatte vor einigen Tagen einen Fall, bei dem jemand in Eigenregie ein Bienenvolk getötet hat.

Marco Zydek geht nicht grundsätzlich gegen Wespen vor. Nur dann, wenn es gefährlich wird.
Marco Zydek geht nicht grundsätzlich gegen Wespen vor. Nur dann, wenn es gefährlich wird. © Fischer-Bolz, Susanne

„Hornissen sind geradezu lieb“

Marco Zydek ist sich sicher, dass viele Bürger die Arten gar nicht unterscheiden können. „Da werden Wespen gemeldet, aber vor Ort sind Bienen oder Hornissen.“ Letztere lösen noch mehr Angst aus als Wespen – sie sind gefühlt riesig und haben einen lauten Flügelschlag. „Aber Hornissen sind geradezu lieb“, findet Marco Zydek, der in der vergangenen Woche zwei Umsiedlungen von Hornissennestern übernommen hat. „Keine hat versucht, mich zu stechen.“

Und sowieso setzt sich Marco Zydek im Fall von Hornissennestern erst mit der Unteren Naturschutzbehörde in Verbindung. Gibt es wirklich eine Gefahr? „Für einen Privatmann ist es immer so, aber als Experte vor Ort hat man eine andere Sicht darauf. Wenn wir nicht handeln, klären wir den Kunden gut auf. Es liegt nicht in unserem Interesse, alles kaputtzumachen. Das sind Lebewesen, die ihre Aufgabe haben.“

Ohne Anzug viele Stiche

Einer der aktuellen Wespeneinsätze fand in Lüdenscheid statt. Wespen direkt unter den Dachpfannen an der Dachrinne. Zwei Meter zur Terrasse. „Es flogen etwa 20 Tiere rein und raus. Sie waren relativ aggressiv. Wir arbeiten immer mit Wespenschutzanzug, niemals ohne. Die Kundin stand in der Nähe. Ich habe sie dann weggeschickt. Gott sei dank ist sie reingegangen, denn nach meiner Behandlungen schwirrten mit Sicherheit 200 Tiere auf der Terrasse.

Ohne Anzug hätte ich mindestens fünf bis zehn Stiche bekommen“, erzählt Marco Zydek. Auch deshalb, weil das Bekämpfen gefährlich ist, sollte man als Privatperson nach dem Motto „Ich mach das mal weg“ auf keinen Fall selbst irgendein Mittel sprühen. Im schlimmsten Fall landet man im Krankenhaus.

„Sie sind da oder nicht“

Marco Zydek hat Respekt, aber keine Angst vor den Wespen. Und von den Hausmitteln, die gerade in aller Munde sind, hält er nicht viel. Auch nicht von einer zusammengeknüllten Papiertüte, die ein Wespennest imitieren und andere Wespenschwärme fernhalten soll. „So ein Quatsch. Das bringt nichts“, sagt der 21-Jährige. Ätherische Öle könnten die Tiere vielleicht stören. Aber selbst das dürfe man eigentlich nicht. Wespen, die sich einmal eingenistet hätten, würden ihr Nest bis zum Tod verteidigen. Verscheuchen sei also nicht möglich. „Sie sind da oder nicht.“

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