1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Nachrodt-Wiblingwerde

„Wenn das ein Güterzug gewesen wäre...“: Polizei zur Notbremsung des RE16

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Thomas Krumm

Kommentare

Die Personalien des Lkw-Fahrers wurden aufgenommen und ein Bußgeldverfahren eingeleitet.
Die Personalien des Lkw-Fahrers wurden aufgenommen und ein Bußgeldverfahren eingeleitet. © Thomas Krumm

Das hätte böse ausgehen können: Kurz vor dem Bahnübergang Helbecke musste ein Lokführer am Mittwochmorgen um 9.28 Uhr eine Vollbremsung einleiten, weil eine Zugmaschine mit Sattelauflieger auf dem Bahnübergang liegen geblieben war. Jetzt äußert sich die Polizei.

Nachrodt-Wiblingwerde – Erst 90 Minuten nach dem Vorfall konnte der Zug am Mittwoch seine Fahrt fortsetzen. In der Folge kam es auf der gesamten Ruhr-Sieg-Strecke zu erheblichen Verspätungen.

Jörg Bielefeld, der Polizei-Bezirksdienstbeamte für Nachrodt, war kurz nach der Vollbremsung vor Ort. Zwei Beamte von der Bundespolizei unterstützten ihn. Bielefeld berichtete kurz nach dem Fast-Zusammenstoß, was geschehen war: Der rumänische Fahrer des Sattelaufliegers hatte sich angeblich auf sein Navigationsgerät verlassen und war trotz des Durchfahrtsverbots für Lastwagen von der B 236 in den Kreinberger Weg abgebogen.

Zwischen dem Führerhaus und dem Container auf dem Sattelzug ist eine Lücke. Während der Lastwagen die Schienen langsam überquerte, senkte sich eine der Schranken genau in diese Lücke. Der Lastwagen war damit festgesetzt. Angesichts der hochgefährlichen Situation wäre es möglicherweise besser gewesen, Schäden an Schranke und Lkw in Kauf zu nehmen und weiterzufahren.

Stattdessen blieb das Fahrzeug auf den Schienen stehen und zwang den Zug zum Anhalten. Dabei war es offenbar ein Glücksfall, dass gerade ein agiler Triebwagen vom Typ „Flirt“ angerauscht kam, der sich noch rechtzeitig bremsen ließ. „Wenn das ein Güterzug gewesen wäre, hätte das ganz anders aussehen können“, befürchtete Polizist Bielefeld. Auch der Bremsweg eines erheblich schwereren Doppelstock-Intercitys wäre vermutlich zu lang gewesen, um eine Kollision noch zu vermeiden.

Gegen den Fahrer des Sattelzugs mit niederländischem Kennzeichen wird nun wegen des Verdachts eines gefährlichen Eingriffs in den Schienenverkehr ermittelt. Eine solche Straftat würde allerdings ein vorsätzliches Handeln voraussetzen. Da er das Durchfahrtsverbot für Lastwagen missachtete, droht ihm auf jeden Fall ein Bußgeldverfahren wegen einer Ordnungswidrigkeit. Nach Aufnahme seiner Personalien konnte er seine Fahrt um 11.30 Uhr fortsetzen – zurück über die Schienen auf die B 236.

Auch interessant

Kommentare