Nur wenig Züchter haben ein Herz für seltene Vögel

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Schön bunt: Häherlinge. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ „Was ist das denn für ein komischer Vogel? Der sieht aber merkwürdig aus.“ Diese oder auch ähnliche Fragen ließ sich Thorsten Würpel am Wochenende gern stellen. Denn Würpel war Ausstellungsleiter einer Veranstaltung des Ziergeflügelvereins Sauerland, die im Saalbau in Letmathe stattfand.

Und dort gab es allerhand zu sehen. Insbesondere Vögel, von denen man zwar schon einmal gehört, aber noch nie etwas gesehen hatte. Dazu gehört zum Beispiel auch der Kranich, der ein Kind an Größe locker übertrifft. Zwei dieser Spezies standen in einer großen Volière und beäugten interessiert die zahlreichen Gäste, die wiederum sie beäugten. Die stolzen Kraniche mit ihrer respektablen Größe, dem ruhigen Verhalten und der Haube auf dem Kopf sieht man heutzutage nur noch sehr selten. Ihre Bestände gelten mittlerweile als gefährdet.

„Das ist leider bei den meisten Vögeln, die hier ausgestellt werden, so“, erklärte Würpel. Sie alle seien, im Gegensatz zu Haustieren wie Hühnern, reine Wildtiere. Es gäbe nur, so Würpel weiter, wenige Züchter, die den Bestand der Tiere retten wollen. Dies sei insbesondere damit verbunden, dass die Haltung der meisten ausgestellten Vögel immensen Platz in Anspruch nehmen würde. Er selber verfüge über eine Volière, die ein Ausmaß von 15 mal 30 Metern habe und damit von der Grundfläche her größer als der Saalbau in Letmathe sei. „Man kann diese Tiere nicht einfach einsperren. Sie müssen auch fliegen können“, so Würpel weiter.

Zu den seltenen Vogelarten, die er vorstellte, zählte auch der Blaufasan. „In der freien Natur sieht man dieses Tier leider nur noch sehr selten“, so der Ausstellungsleiter. Zu einer ebenfalls gefährdeten Rasse gehört eine weitere Fasanenart, der Zwerg-Yokohama aus Japan. Dieser „Zwerg“ weist jedoch eine stattliche Größe auf, vergleichbar etwa mit einem Ara, der größten Papageienart der Welt. Auch die mittlerweile selten gewordenen Goldfasane gab es zu sehen. Daneben eine Tierart, die als Sinnbild für den Frieden und den christlichen Glauben steht: die weiße Taube. Die beiden ausgestellten Exemplare entsprachen dieser Vorstellung bis ins Detail. Sie waren rein weiß. Nicht der kleinste Tupfer einer anderen Farbgebung prägte ihr Gefieder.

Insbesondere die Kinder standen mit strahlenden Augen vor den Volièren. Man sah ihnen deutlich an, dass sie die Tiere gerne einmal gestreichelt hätten.

Die Exoten ihrerseits wirkten völlig stressfrei. Sie schienen locker und in keinster Weise nervös. „Wir selber waren ganz erstaunt“, so Würpel. Denn die Zierhühner, die über einen wesentlich kleineren und zarteren Körperbau verfügen, als Haushühner, hätten sogar Eier gelegt.

Die Ausstellung insgesamt wurde sehr ansprechend und ausgesprochen aufwändig gestaltet. Der gesamte Bereich des Saalbaus, der den Vögeln vorbehalten war, war mit Rindenmulch ausgelegt. Die einzelnen Volièren waren geschmackvoll gestaltet. Sie standen im Kreis. In dessen Mitte wurden frei fliegende, verschiedene Wellensitticharten vorgestellt. Man konnte diesen Bereich nur durch einen mit Lamellen geschützten Eingang betreten. Damit sollte sicher gestellt werden, dass die Vögel nicht entweichen konnten. Die Kinder waren fasziniert, wenn ihnen diese kleinen Tiere „um die Ohren“ flogen.

„Für den Aufbau haben wir fast drei Tage gebraucht“, sagte Würpel. Doch der Aufwand habe sich gelohnt. Denn es seien „unheimlich viele Besucher“ erschienen. Und der Vorstand des Vereins legt Wert auf die Feststellung, dass die ausgestellten Tiere lediglich einmal im Jahr in kleineren Volièren gehalten werden. „Und das auch nur, damit sie möglichst viele Besucher einmal sehen und auch kennenlernen können“, verdeutlichte Würpel. Das gesamte Jahr über würden die Vögel in großen Käfigen artgerecht gehalten. ▪ Von Hartwig Bröer

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