Gelassener Schönheitschampion

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Gestatten: Dark Angels Fair Lady Franka

Nachrodt-Wiblingwerde - Sie ist eine internationale Schönheitskönigin. Preisgekrönt. Mit Ehrenurkunden ausgestattet. Doch sie scheint sich nichts darauf einzubilden. „Dark Angels Fair Lady Franka“ liegt entspannt im Körbchen und schaut gelassen aus dem Fenster. Auch, dass heute (10.10.) Welthundetag ist, interessiert sie nicht wirklich.

Auf dem Sofa räkelt sich Xina in einer Kuscheldecke, die erfolgreichste Hündin 2017 in der Veteranenklasse. Frauchen Bettina Bleiweiß ist zurecht stolz auf ihre Vierbeiner. Auch auf Indira. Sie ist unter anderem Deutscher Jugend-Champion. Die drei Hündinnen, Deutsche Pinscher und zwei Zwergpinscher, haben nicht nur bei Wettbewerben die „Schnauzen vorn“, sie haben zusammen bereits für jede Menge Nachwuchs gesorgt. Bettina Bleiweiß ist nämlich auch Züchterin – Zwingername „von der Grafschaft Mark“ – und konnte bisher 38 Vierbeiner aufziehen und vermitteln. 

Ein Leben ohne Hund ist möglich, aber sinnlos

Ein Leben ohne Hund ist möglich, aber sinnlos. Das wusste Bettina Bleiweiß schon als kleines Kind, als sie immer einen Hund haben wollte. „Aber nicht alle Wünsche werden erfüllt“, erzählt die Nachrodterin, die beim Märkischen Kreis arbeitet. Erst 2003 kam der erste Vierbeiner ins Haus: ein Collie. „Ein Hund ist ein Seelsorger, ein Freund, ein treuer Begleiter“, schwärmt Bettina Bleiweiß. 

Das ist Xina mit einem ihrer eroberten Pokale.

Jetzt hat sie ein Trio: Franka ist ein Deutscher Pinscher und vier Jahre alt, Indira und Xina sind Zwergpinscher, acht und zwölf Jahre alt. Vom großen Collie auf einen kleinen Pinscher. Der Weg dahin war durchaus amüsant. „Wir hatten den Collie und damals auch zwei Pferde. Bei uns kommen im Urlaub die Haustiere alle mit. Wir sind also mit drei Kindern und zwei Pferden an die Ostsee gefahren. Da kam der Wunsch nach einem zweiten Hund auf. Und aufgrund der Platzverhältnisse im Auto musste es ein Kleiner sein“, erzählt Bettina Bleiweiß lachend. Ein Pinscher schien nicht nur perfekt, er war es auch. „Er ist zwar klein, aber er kann mit großen Hunden mithalten.“ Sein großer Vorteil: Er haart nicht so, hat keine Unterwolle.

 Die Rasse war für Bettina Bleiweiß Liebe auf den ersten Blick. „Mein Mann hat zuerst gesagt: ‘Nein, ich gehe nicht mit dem Hund, das ist doch peinlich, ein Mann mit so einem kleinen Hund.’ Aber das hat sich schnell erledigt“, erzählt die 50-Jährige lachend. Pfiffig, schlau, gehorsam hat Xenia die Herzen erobert. 2010 machte sie die Familie mit ihrem ersten Wurf glücklich. Vier Welpen. Über den Pinscher-Schnauzer-Club hatte Bettina Bleiweiß, die sich mit Fortbildungen auf die Zucht vorbereitet hatte und auch eine Prüfung ablegen musste, einen Deckhund gefunden.

 Mittlerweile ist Xenia im Ruhestand, hat 13 Hundebabys zur Welt gebracht. Der Pinscher-Schnauzer-Club veröffentlicht die Welpenlisten und „man bekommt Anfragen ohne Ende“, sagt Bettina Bleiweiß über die Nachfrage nach den Vierbeinern aus ganz Deutschland. „Ich habe schon Vorbestellungen fürs nächste Jahr.“ Doch im Moment ist es nur noch Franka, die Hundebabys zur Welt bringen kann. 

Bettina Bleiweiß mit ihren drei Lieblingen.

Für die Welpen wird der komplette Garten von Bettina Bleiweiß umgebaut. „Wir haben eine Hängebrücke, Schaukeln, Swimmingpool, Bällebad, Wackelbrett und einen Sandkasten“, erzählt die Züchterin von der Vorbereitung aufs Hunde-Leben. Neun Wochen bleiben die Kleinen in Nachrodt. „Es ist ein weinendes und ein lachendes Auge, wenn sie gehen. Sie sind unheimlich knuffig. Wenn man acht Welpen hat, kann man sie keine Sekunde aus den Augen lassen. Die haben nur noch Blödsinn im Kopf. Sie zerlegen alles.“ Aber nicht jeder bekommt einfach einen Hund von Bettina Bleiweiß, die Hunde auch schon in die Schweiz und nach Holland verkauft hat. 

"Ich möchte, dass meine Welpen Familienmitglieder sind“

„Es muss passen. Die Hunde brauchen regelmäßigen Auslauf, nicht nur Stadtspaziergänge, viel Kopfarbeit. Ein kleiner Hund hat genauso Bedürfnisse wie ein großer“, sagt die Züchterin, die auch schon Interessenten abgesagt hat, die ganz kleine Kinder haben. „Gerade ein Welpe braucht das erste halbe Jahr ganz viel Aufmerksamkeit und Training.“ Die quirligen Zwergpinscher sind auch für Kinder gut geeignet, ein Deutscher Pinscher eher weniger: „Die Hunde sind sehr selbstständig, haben einen eigenen Kopf. Sie fragen nicht, sie machen.“ 

Und wer dreimal im Jahr in den Urlaub fliegt, den Hund in einer Pension unterbringen will, ist auch nicht der Lieblingskandidat für Bettina Bleiweiß. „Ich möchte, dass meine Welpen Familienmitglieder sind.“ Franka, das anmutige Tier, soll nächstes Jahr wieder gedeckt werden – wieder von einem anderen Rüden. „Man möchte später weiter züchten und einen großen Genpool haben“, erklärt Bettina Bleiweiß die Wichtigkeit der Genvielfalt. Als Züchterin hat Bettina Bleiweiß eine große Verantwortung. „Ich tue mich immer schwer damit, die richtigen Leute zu finden. Man hat die Welpen neun Wochen, man hat sie gehegt und gepflegt, ihnen etwas beigebracht. Und dann hofft man natürlich, dass sie ein liebevolles Zuhause bekommen. Bis jetzt hatte sie Glück. Noch nie ist ein Welpe zurückgekommen. Ein Welpe kostet zwischen 1800 und mehr als 2000 Euro.

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