Erster Wein aus Veserde: Zu Besuch auf einem besonderen Weinberg

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Hobby Winzer Dirk Preising bei der Lese.

Nachrodt-Wiblingwerde – Ein herrlicher Duft, fruchtig auf der Zunge, am Gaumen warm, beinahe süßlich mit einem überraschenden „Abgang“ mit der Note von Muskat. Es ist eine Kostprobe des Weins aus Veserde. 

Dirk Preising ist Hobby-Winzer mit dem ersten und einzigen Weinberg in der Gemeinde. Schon die alten Griechen maischten ihre Trauben mit den bloßen Füßen ein. Das macht Dirk Preising nicht. Er zieht Gummistiefel an. „Man tritt die ganze Zeit auf der Stelle. Danach ist man ganz schön fertig“, sagt der Veserder lachend. 

Gemaischt wird mit Gummistiefeln.

500 Quadratmeter ist der Weinberg groß. Wunderbar gelegen in der Einsamkeit von Veserde, mit ausreichend Sonne und Wind „um die Nase. Einfach etwas anderes machen als Metall“, erklärt der 63-Jährige seine Motivation, etwas Ungewöhnliches auf die Beine zu stellen. Nachdem er seine Firma MPU im Jahr 2013 verkauft hatte, konnte und wollte er nicht einfach nichts mehr tun. 

340 Rebstöcke voll Osella und Solaris

Realisiert wurde die Wein-Idee, die wahrlich keine Schnaps-Idee war, 2017. Von morgens bis abends Sonne. Das ist eine Grundvoraussetzung für guten Wein. In Veserde erklärte man Dirk Preising schmunzelnd als verrückt. „Mir gefällt im Frühjahr das saftige Grün von dem Blatt, und wenn man dann hier sitzt, ist es einfach herrlich.“ 

340 Rebstöcke stehen in Veserde.

340 Rebstöcke gibt es in Veserde, ein Drittel mit der roten Traube Osella, zwei Drittel mit der weißen Solaris. Beide sind frühreifend und mehltau-resistent. „Ich habe aber aufgrund der Trockenheit dennoch Mehltau. Es hat hier einfach nicht geregnet. Alle Gewitter sind vorbeigezogen. Im vergangenen Jahr war es umgekehrt.“ 

300 Liter Wein von 600 Kilo Trauben

Mehltau bedeutet Verluste. „Das habe ich alles herausgeschnitten“, sagt Dirk Preising. Das Ergebnis: Im ersten Jahr, also 2018, gab es 30 Kilo Trauben, aus denen der Hobby-Winzer 15 Liter Wein herstellte. 

In diesem Jahr dann der Knaller: „Wir können etwa 300 Liter Wein machen.“ Von 600 Kilo Trauben. Und diese kann man nicht mehr mit einem Kartoffelstampfer zerdrücken, wie es Dirk Preising im vergangenen Jahr praktizierte. Bei den jetzigen Mengen kann man die Kraft gar nicht mehr aufbringen. Nun kommen also die Gummistiefel zum Zug. „Ich habe das nötige Gewicht, das dauert vielleicht zehn Minuten“, schmunzelt der Veserder. „Es ist aber anstrengend.“ 

Wenn die Trauben gestampft, also gemaischt sind, bleiben sie etwa eine Stunde stehen. Dann wird gepresst. Dafür gibt es eine Hydropresse. Es wird also mit Wasserdruck gearbeitet. Die Flüssigkeit findet ihren Weg in einen Behälter. Zurück bleibt der Trester: Schalen und Kerne. „Die kommen später dann wieder in den Weinberg als Dünger.“ 

Oxidation verhindern

Der Wein, der dann noch keiner ist, wird in ein Maischefass gefüllt. Das ist nicht aus Holz, sondern aus Kunststoff. Dann kommt die Hefe dazu, die für den direkten Gärvorgang zuständig ist, der ungefähr zehn Tage dauert. Im Anschluss muss der Wein geschwefelt werden, damit keine Oxidation stattfindet. „Durch den Sauerstoff könnten Pilze entstehen, und das muss unterbunden werden“, erklärt Dirk Preising. 

Er guckt direkt bei der Lese, dass alles Schlechte an der Traube entfernt wird. Jede einzelne Traube wird unter die Lupe genommen. Das dauert. Der Wein bleibt im Fass, bis er sich klärt, also hell wird. Nach sechs Wochen ist es ein Jungwein. 

Heierbirke im Namen

Und weil die Wiese, auf dem der Weinberg steht, Heierbirke genannt wird, gibt es den ersten Heierbirken-Wein. Eigene Etiketten hat Dirk Preising aber noch nicht. Auch wird der Wein nicht in viele Flaschen abgefüllt, sondern bleibt in Lagerfässern und wird im Gewölbekeller gelagert. „Dann wird aber sicher irgendwann eine Flasche abgefüllt“, sagt Dirk Preising. Die Verköstigung mit Freunden kommt also bestimmt. 

Aktuell muss man noch mit dem Wein vom vergangenen Jahr vorlieb neben. Dieser wurde mit einem Kaffeefilter gefiltert und schmeckt fruchtig. „Ich versuche immer, süßen Wein zu machen. Ich mag nicht so gern die Trockenen“, schmunzelt Dirk Preising. 

Der Rote ist 2018 missglückt

Der Rote ist 2018 nicht geglückt. Er wurde nämlich zu Hause in zwei Kochtöpfen offen vergoren. Dadurch erhielt er seine tiefe, rote Farbe. „Ich habe den Wein zum Winzer mitgenommen. Den Weißen fand er ganz gut, aber den Roten nicht. Riechen würde er gut, aber schmecken nicht. Er habe den Metallgeruch von den Töpfen angenommen. Das hätte ich nie gedacht“, erzählt der Hobby-Winzer. „Die Arbeit war in den Sand gesetzt.“ Die sieben Flaschen liegen jetzt im Keller. 

Der Heierbirken-Wein in Weiß und Rot.

Verkaufen will und darf der engagierte Veserder seinen Wein nicht. Sich in der Natur aufhalten, das gefällt ihm. „Für mich wäre es Stress, morgens um 9 Uhr nach Dortmund zu fahren und durch die Einkaufszone zu laufen“, sagt der Freizeit-Winzer, der seit elf Jahren im Höhendorf lebt. Der Weinberg erfordert viel Arbeit. Und viel Bewegung. 

"Erziehung" am Weinberg

Am Weinberg wird der Boden im Winter noch mal bearbeitet. Im Februar werden die Triebe gekürzt. Dann kommt „die Erziehung“. Dass man jedes Jahr mit einer größeren Ernte rechnen kann, ist nicht so. „Dieses Jahr haben sie zu viel getrieben.“ Hilfe hat Dirk Preising von Ali, seinem Schwiegersohn in spe. Es ist immer etwas zu tun. 

Und immer wieder liest der Werkzeugmacher-Meister auch im Buch „Der Hobby-Winzer“. „Aber was im Buch steht, ist noch lange nicht die Praxis. Im Frühjahr vergangenen Jahres waren wir ab Mitte April in Italien. Als wir wiederkamen, war aufgrund der Hitze an der Rebe alles passiert, was laut Buch etwa sechs bis acht Wochen dauert. Da kann im Buch stehen, was will, die Natur bestimmt die Vorgänge.“ 

In diesem Jahr ging im kalten Mai drei Wochen gar nichts im Weinberg. So wird kein Wein jedes Jahr gleich schmecken. Dirk Preising ist gespannt, wie das „neue Tröpfchen“ munden wird. Vielleicht klappt es dieses Jahr auch mit dem Roten.

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