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Weihnachten in Quarantäne:  Bauamtsleiter hat‘s erwischt 

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Bauamtsleiter Dirk Röding verbringt Weihnachten in Quarantäne
Bauamtsleiter Dirk Röding verbringt Weihnachten in Quarantäne. © Susanne Fischer-Bolz

Ihm platzt der Kopf. Husten, Schnupfen, Halsschmerzen. „Aber sonst ist alles super“, sagt Dirk Röding und kann tatsächlich noch herzlich lachen. Den Bauamtsleiter hat es erwischt: Er ist an Corona erkrankt und muss über Weihnachten in Quarantäne sein.

Nachrodt-Wiblingwerde – Kein Raclette mit den Kindern und Enkelkindern an Heiligabend. Während unten im Haus Weihnachten gefeiert wird, harrt Dirk Röding in seiner Wohnung oben aus. „Pfännchen rauf, Pfännchen runter, wie soll das gehen? Da mache ich mir lieber Nudeln“, erzählt er schmunzelnd von eineinhalb Kilo Pasta im Schrank, die er noch zubereiten kann, wenn er denn will.

Das Elend nahm seinen Lauf

Angesteckt hat sich Dirk Röding während einer Fachbereichsleiter-Sitzung im Amtshaus. Ein Kollege wusste nichts von der eigenen Erkrankung, die erst einen Tag später per Selbsttest entdeckt wurde. Zum Glück nicht die Omikron-Variante. Das Elend nahm allerdings seinen Lauf. Zwei weitere Verwaltungsangestellte erwischte es prompt.

„Mir ging es immer schlechter“

„Ich bin ihm nicht böse, warum auch? Er hat das ja nicht mit Absicht gemacht“, sagt der Bauamtsleiter der Gemeinde, der im kommenden Jahr in den Ruhestand gehen möchte. Zwei Tage nach der Sitzung war er noch frohen Mutes gewesen. Er fühlte sich topfit. „Aber dann ging es abends los. Mir ging es immer schlechter. Der Selbsttest war dann auch positiv.“ Vor der Tür der Hausarztpraxis ging es am nächsten Morgen zum PCR-Test. „Nasen und Rachen. Die Mitarbeiterin hat das Stäbchen so tief ‘reingesteckt, da muss man schon hart gesotten sein“, witzelt Dirk Röding, der den Test dann selbst zum Labor brachte. Das positive Ergebnis auf seinem Handy überraschte ihn nicht mehr wirklich.

Der Pragmatiker

„1000 Geschichten sind mir durch den Kopf gegangen. Seit fast zwei Jahren hört man nur Coronazahlen. Und auf einmal bin ich selbst eine dieser Zahlen. Doch dann kam schnell der Pragmatiker in mir durch. Wenn sechs Prozent einen schweren Verlauf haben, dann gehöre ich natürlich zu den 94 Prozent, die es überstehen.“ Er behält Recht. Die Corona-Erkrankung wirft ihn zwar mit Grippesymptomen aus der Bahn, aber er hatte und hat kein Fieber, kann riechen und schmecken. „Und es geht jeden Tag besser“, sagt Dirk Röding, der zwei Mal geimpft, aber noch nicht geboostert ist.

„Fernsehprogramm erschreckend“

In Quarantäne zu sein: Das ist ohnehin schlimm. An Weihnachten braucht das aber erst recht kein Mensch, oder? „Natürlich ist das nicht schön, so gar nicht, aber für mich bricht keine Welt zusammen. Und ich warte auch nicht darauf, dass es an der Tür klopft und mir jemand etwas davor gestellt hat.“ Tatsächlich wird Dirk Röding aber liebevoll von den vier Töchtern umsorgt. Mit Kati wohnt er in einem Haus. „Wir telefonieren viel von oben nach unten“, erzählt der 65-Jährige, der sich nicht einsam fühlt. Ein Care-Paket von Tochter Julia kam auch schon an – mit Zeitungen und Zeitschriften, Snacks, drei Tafeln Schokolade und natürlich mit Nudeln. So kann man es aushalten. Nur das Fernsehprogramm findet Dirk Röding erschreckend. „So was Beklopptes wie die Geissens kann man sich doch nicht angucken“, findet er.

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