Wie Wehrmänner für den Dienst durchs Feuer gehen

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Frisch von der Übung zurück: Michael Kling. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Die Anforderungen an Feuerwehrmänner und Feuerwehrfrauen werden immer größer. Auch der Einsatz entsprechenden Löschgerätes erfordert zunehmend Spezialkenntnisse. Voraussetzung dafür, dass man Technik und eigenen, körperlichen Einsatz miteinander verbinden kann, ist ständige Schulung und Übung.

Zu einer solchen Übung rückten nun 17 Wehrmänner der Freiwilligen Feuerwehr Nachrodt-Wiblingwerde aus. Sie fand in der Zentralen Ausbildungsstätte der Feuerwehren des Landkreises Lippe-Schaumburg in Lemgo statt. Über eine solche Anlage verfügen nur wenigen Feuerwehreinheiten bundesweit.

Auf dem Übungsgelände befindet sich ein ganz normales Haus, errichtet in konventioneller Bauweise. „Wenn man daran vorbeigeht“, erklärte Gemeindebrandinspektor Michael Kling, der ebenfalls an der Übung teilnahm, „hält man es für ein ganz normales Wohnhaus.“ Das aber hat es in sich. Ausgerüstet mit hochmodernster Technik können hier Hausbrände aller Art simuliert werden. Vom Kellergeschoß bis zum Dach. Die Anlage ist ferngesteuert. Der Bediener kann daher bestimmen, wann und wo ein Brand ausbrechen soll. Auch das Innere des Hauses ist sehenswert. Sämtliche Möbel und Einrichtungsgegenstände bestehen aus Edelstahl und sind darüber hinaus mit empfindlichen Sensoren bestückt, die auf jeden Löschvorgang reagieren.

Den Einsatzkräften ist lediglich bekannt, dass es in dem Haus brennt. Wo genau, ist unbekannt. Die Blauröcke betreten das Gebäude. Im Abstand von fünf Metern folgen die Ausbilder mit einer Wärmebildkamera, um das Verhalten der Wehrmänner beobachten und aufzeichnen zu können. Der Rauch, der erzeugt wird, wird mit einem speziellen Öl durchsetzt. Der Rauch wird dadurch dunkler und wirkt realistischer.

Der Übungseinsatz bringt die Einsatzkräfte an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit. „Man muss bedenken, dass am Übungstag eine Außentemperatur von rund 30 Grad herrschte“, erklärte Kling. Hinzu käme das Tragen der Wärmeschutzkleidung. Die sei auch nötig, denn in einem brennenden Raum herrsche eine Temperatur zwischen 300 und 400 Grad.

Das für die Übungen verwendete Löschwasser versickert in unterirdischen Tanks, wird dort wieder aufbereitet und erneut genutzt. Doch dabei handelt es sich nicht um die einzige Flüssigkeit, die während der Übung verbraucht wird – für die Wehrmänner standen jede Menge Getränke bereit. „Die wurden auch benötigt“, sagt Michael Kling. „Denn jeder unserer Leute hat am Samstag mehr als fünf Liter Wasser getrunken.“ Die Nachrodt-Wiblingwerder haben nun schon zum zweiten Mal an einem solchen Training teilgenommen. Schon jetzt ist es beschlossene Sache, dass wenn möglich auch im nächsten Jahr eine Truppe dabei sein soll.

„Wir haben von unseren Übungsleitern übrigens ein dickes Lob erhalten“, erklärt der Gemeindebrandinspektor. Nach der Beurteilung ihres Einsatzes, der so genannten „Manöverkritik“, sei erklärt worden, dass die Durchführung eindeutig habe erkennen lassen, auf welch hohem Niveau der Ausbildungsstand der Wehrmänner aus Nachrodt-Wiblingwerde steht. „Bei unseren Männern bedanke ich mich noch für ihren Einsatz“, so Kling. „Aber erst später.“ Denn die Blauröcke waren kurz nach der Übung noch „platt“, erklärte er, „so richtig platt.“ ▪ hb

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