Walzwerke  setzen auf  Wasserkraft - Viele Hürden beim Klimaschutz

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Ins Wasserkraftwerk fließt die Lenne an den Walzwerken.

Nachrodt-Wiblingwerde – Bis zu 1300 Kilo Co2 sparen die Walzwerke Einsal im Jahr durch ihr Wasserkraftwerk. Doch es gibt etliche Hürden bei dieser Form des Klimaschutzes.

Die Lenne wird nicht nur zum Angeln und Paddeln genutzt, sondern auch für die Gewinnung von Strom – wie bei den Walzwerken. In Nachrodt ist die Wasserkraft allerdings schon seit 350 Jahren Thema – und nicht erst seit der Klimadebatte. 

Wo heute die Wasserkraftanlage des Unternehmens ist, gab es früher eine Art Mühlteich, aus dem gestautes Wasser zum Antrieb eines Schmiedehammers genutzt wurde. Heute wird die Anlage mit dem Ziel betrieben, den Strom aus der Wasserkraft zu nutzen. 

„Wenn die Anlage gut läuft, deckt sie etwa 25 Prozent unseres Strombedarfs“, sagt Dr. Bodo Reinke, Geschäftsführer der Walzwerke Einsal. Mehr ist nicht möglich, denn die Menge Wasser, die dort aus der Lenne abgezweigt und wieder eingeleitet wird, ist begrenzt. 

Das Herzstück des Kraftwerks zeigt Geschäftsführer Dr. Bodo Reinke.

Es ist, sagt Bodo Reinke, durchaus ein aufwändiges Unterfangen. Der Kanal, der das Wasser anstaut, muss regelmäßig kontrolliert werden. „Da fällt auch schon mal ein Baum rein, den man rausholen muss.“ Die Trennung zwischen dem Obergraben und dem Lenneflussbett muss regelmäßig instand gehalten und die Einlaufbauwerke müssen renoviert werden. 

Übrigens: Das Wasser fällt im Kraftwerk knapp fünf Meter herunter – auf zwei Turbinen. Später wird das Wasser unterirdisch unter dem Warmwalzwerk hergeleitet und fließt dann wieder in die Lenne. Jährlich werden durch die Wasserkraftanlage bis zu 1300 Tonnen CO2 eingespart. 

Zu wenig Wasser gab es in den heißen Monaten in diesem und im vergangenen Jahr zwar nicht, aber im Sommer gibt es weniger Strömungsgeschwindigkeit. Entsprechend ist die Wasser- und letztlich auch die Strommenge deutlich geringer. 

Unternehmen nutzt Strom komplett selbst

Dennoch lohnt sich eine solche Anlage für das Unternehmen, „wenn man langfristig rechnet. Aber es hängt natürlich ab vom jeweiligen Strompreis, Vergütungen und den Steuern, die man zahlen muss. Es ist nicht so, dass man riesig Geld verdienen kann“, sagt Dr. Bodo Reinke. Zurzeit wird der produzierte Strom im Unternehmen komplett selbst genutzt, man könnte ihn aber auch ins öffentliche Netz speisen. 

Und doch gibt es auch Hürden, die kaum zu nehmen sind. Im Einlauf-Wehr flussaufwärts war ein Loch. Dadurch kam weniger Wasser in den Obergraben. „Wir haben sehr lange gebraucht, um eine Genehmigung zu bekommen, das zu reparieren“, sagt Dr. Bodo Reinke. 

Wie kommt der Bagger, der mit Bioöl betrieben wird, dorthin? „Die Behörden haben eine sehr theoretische Vorstellung davon, wie man das machen kann. Sie hatten die Idee, dass wir die Bundesstraße sperren und mit einer Riesenkrananlage arbeiten. Später sind wir dann nach langen Diskussionen vom Gelände des Ruhrverbands ein paar Meter durch das Lennebett gefahren.“ 

Etliche Gutachten für Reparatur nötig

Jetzt gibt es ein neues Problem: ein kaputtes Schott. „Wir haben vor einem Jahr einen Antrag gestellt, dies zu reparieren, und haben jetzt die Nachricht bekommen, welche Gutachten wir erstellen müssen: fischbiologische Gutachten, landschaftspflegerische Begleitpläne zum Beispiel.“ 

Und dennoch: „Es ist ein gutes Gefühl, ein Beitrag zum Klimaschutz leisten zu können“, sagt Dr. Bodo Reinke. „Wir haben auch viele andere Ideen, aber praktisch, bürokratisch, gesellschaftlich und politisch ist es an vielen Stellen sehr kompliziert. Wir haben uns damit beschäftigt, wie wir noch mehr Strom grün machen können und eine Machbarkeitsstudie für Windkraft in Auftrag gegeben. Wir würden mehrere Windkrafträder brauchen, aber wir gehen davon aus, dass dies weder von der Bevölkerung noch von der Politik gewünscht wird. Und wir sehen uns nicht in der Lage, alle Hürden aus dem Weg zu räumen“, sagt Dr. Bodo Reinke und ergänzt:

„Jeder möchte Klimaschutz, jeder möchte grünen Strom, aber keiner möchte ein Windkraftrad in seiner Nähe.“ Auch mit Wasserkraft gebe es Konflikte. Persönlich fährt Dr. Bodo Reinke übrigens einen Diesel. „Ich kann manchmal die etwas naiven Vorstellungen von den E-Auto-Protagonisten nicht nachvollziehen. Elektroautos werden in dieser Region hauptsächlich mit Braunkohle betrieben. Wenn man die CO2-Immissionen dazu rechnet, die bei der Herstellung von Batterien oder Akkus anfallen, dann fahre ich mit meinem Auto sehr viel klimafreundlicher.“

"Placebo-Maßnahmen diskutieren nützt nichts"

 Nach Auffassung des Geschäftsführers der Walzwerke benötigt man ein komplett durchgehendes Energiekonzept. „Es nützt ja nichts, dass wir überall Placebo-Maßnahmen, wie zum Beispiel Elektro-Mobilität, diskutieren und darüber hinaus vergessen, dass bei der Herstellung eines Akkus oder einer Batterie in China Unmengen an CO2 emittiert werden.“ 

Es mache auch keinen Sinn, dass man deutsche Industrieunternehmen mit immer höheren Standards belege und gleichzeitig aus Asien mit niedrigen Standards produzierte Produkte in die Bundesrepublik importiere. Da sei die globale Klimabilanz für solche Politik oft negativ. „Beim Stahl weiß ich das ganz sicher, dass das so ist.

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