Walzwerke: Verärgerung über die Gemeinde

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Walzwerke-Geschäftsführer Dr. Bodo Reinke am Lenne-Obergraben, wo das Einsaler Unternehmen seinen eigenen Strom produziert. Das ist einer der wenigen Lichtblicke in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Diesem Unternehmer sind Drohgebärden fremd: „Wir werden langfristig am Standort bleiben. Es ist kein Arbeitsplatzabbau geplant“, erklärt Walzwerke-Geschäftsführer Dr. Bodo Reinke und zeigt sich gleichwohl „frustriert und enttäuscht“, in welchem Ausmaß die Gemeinde ihren mit 300 Mitarbeitern größten Arbeitgeber 2012 zur Kasse gebeten hat.

Zum Beispiel über die Grundsteuer B: Wie jeder private Anlieger zahlen auch die Walzwerke diese kommunale Steuer auf bebaute Grundstücke. Der Hebesatz für diese Steuer stieg in diesem Jahr von 380 Prozent auf 720 Prozentpunkte – die fällige Summe verdoppelte sich damit nahezu. Die Erhöhung der Gewerbesteuer um 19 Prozentpunkte kostet die Walzwerke weitere 200 000 Euro. Und dann kam da noch die Geschichte mit den Kanalgebühren: „Für die Erweiterung unseres Gewerbegebietes haben wir eine eigene Straße, einen Deich, Retentionsflächen für die Lenne und einen eigenen Kanal gebaut – ohne irgendwelche Zuschüsse durch die Gemeinde, den Kreis oder das Land“, erläutert Reinke. Über den Kanal würden die Abwässer einer Toilette und einer Teeküche entsorgt, erklärt der Geschäftsführer – „weniger als in jedem Einfamilienhaus“. Dennoch habe die Gemeinde die Walzwerke mit zusätzlichen 200 000 Euro für diesen Kanalanschluss zur Kasse gebeten. Eine Regelung, derzufolge die Entwässerungsgebühren auf der Grundlage der Fläche des entsprechenden Gewerbegebietes berechnet werden können, war die Grundlage für dieses Vorgehen. „Das ärgert uns“, sagt Dr. Bodo Reinke. „Wir zahlen schon einen ordentlichen Teil über die Gewerbesteuer und beschäftigen 300 Mitarbeiter, die ihre Steuern bezahlen.“

Ein großer weiterer Posten – ausnahmsweise nicht von der Gemeinde auferlegt – sind die zusätzlichen Kosten für Energie. Jene Mehrkosten für den Ausbau erneuerbarer Energien, die ab 2013 auch jeden Haushalt spürbar mehr belasten werden, schlagen für die Walzwerke mit ebenfalls rund 200 000 Euro negativ zu Buche. Das Unternehmen ist wie viele andere zu klein für wirtschaftsfördernde Rabatte, die stromfressenden Großunternehmen gewährt werden.

Dieser Situation stehe eine „zunehmend schwierige Marktsituation“ gegenüber, erklärt der Geschäftsführer. Bedingt durch die internationale Konkurrenz seien „Preiserhöhungen unmöglich durchzusetzen“. 100 000 Euro Gewinn seien für die Walzwerke sehr hart erarbeitetes Geld. „Es ist immer schwerer, den gleichen Umsatz zu generieren“, sagt Reinke.

Die Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde mache es sich da erheblich leichter: „Die Gemeinde kann an bestimmten Stellschrauben drehen und mal eben eine Rechnung schreiben. Ich kann bei meinen Kunden an keinen Schrauben drehen“, vergleicht der Walzwerke-Geschäftsführer. Zu den finanziellen Belastungen kämen weitere Anforderungen, denen die Walzwerke in den vergangenen Jahren aber aus Überzeugung nachgekommen seien. So auch beim Umweltschutz, der für das Unternehmen direkt an der Lenne eine besondere Rolle spielt. Auch hinsichtlich notwendiger Innovationen gebe es keine Alternative zu den getätigten Investitionen: „Die Kunden treiben uns zu Verbesserungen, und wir lassen uns treiben und haben einen Ansporn uns weiterzuentwickeln“, so Reinke. Die Qualität der Produkte und der Produktionsverfahren stehe dabei fortwährend auf dem Prüfstand. Grundlage von Investitionen sei in den vergangenen Jahren der weitgehende Verzicht der Eigentümerfamilie Thomashoff auf Gewinnentnahmen gewesen. Grundsätzlich sei die Bereitschaft zu weiteren Investitionen da, doch die wirtschaftliche Situation zwischen steigenden öffentlichen Abgaben und einer schwierigen Marktsituation werde derzeit „nicht gerade leichter“.

Doch all diese Schwierigkeiten des Standorts sind vorübergehend vergessen, wenn Dr. Bodo Reinke auf die firmeneigene Wasserkraftanlage blickt, die dem Unternehmen gerade bei steigenden Energiepreisen bares Geld sparen hilft: Etwa 15 Prozent seines Strombedarfs erzeugt das Unternehmen durch eine Turbine, die das Wasser auf dem Weg vom höher gelegenen Obergraben zurück in die Lenne durchläuft. ▪ Thomas Krumm

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