Arbeit im Wald kaum zu stemmen

Waldsterben: Immer mehr Baum-Arten betroffen

Blick übers Wördener Bachtal. Bald stehen hier gar keine Bäume mehr
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Blick übers Wördener Bachtal. Bald stehen hier gar keine Bäume mehr

Dagegen war Kyrill ein Witz. Förster Christoph Schäfer arbeitet seit Wochen im absoluten Katastrophenmodus. Beim Abholzen kommen die Firmen im Wald kaum hinterher, nun kränkeln weitere Baum-Arten.

Nachrodt-Wiblingwerde – Sobald es morgens hell wird, ist er im Wald. Bis in die Dunkelheit. Und dann geht es noch an den Schreibtisch. Wie viele Überstunden er hat? Unendlich viele.

Aufgeben ist jedoch keine Option. Und endlich gibt es ein wenig Licht am Ende des Tunnels: Die ersten größeren Selbstwerber haben ihre Arbeit in der Gemeinde aufgenommen.

Wintereinbruch: Unternehmer haben mehr Kapazitäten

Selbstwerber sind Unternehmen, die ganze Waldbestände aufkaufen, mit eigenem schweren Gerät anrücken und die Arbeiten selbst durchführen. „Das ist für uns super, weil wir so an Harvester kommen“, erklärt Schäfer. Monatelang hatte er genau daran gearbeitet.

Nach dem Sturm Kyrill war das einfacher, damals waren nicht ganz Deutschland und das Ausland betroffen. „Es gibt für diese Selbstwerber natürlich attraktivere Regionen, wo sie schneller mehr Holz ernten können als an unseren Steilhängen. Aktuell sind aber viele flachere Bereiche fertig. Hinzu kommt der Schnee in den Alpen. Die Unternehmer, die sonst dort tätig sind, haben dadurch mehr Kapazitäten“, erklärt der Förster.

K 24: Gefahr beseitigen

Nun nehme beispielsweise ein Unternehmen aus Österreich seine Arbeit am Kreinberg auf. Mit welchem Druck derzeit gearbeitet wird, zeigt die Maßnahme am Wördener Bach. Dort sind ein Seilkran, ein Harvester und eine manuelle Truppe gleichzeitig am Werk.

„Wir arbeiten schon nach einem Prioritätenplan. Zuerst versuchen wir all die Bereiche fertigzustellen, die eine Gefahr für den Verkehr darstellen. Da sind wir auch ganz gut unterwegs“, berichtet Christoph Schäfer. Jüngst hatte es immer wieder Feuerwehreinsätze aufgrund umgestürzter Bäume gegeben.

Insbesondere im unteren Bereich der K 24 – das jedoch ist nicht mehr Schäfers Gebiet, sondern das des Fürsten von Bentheim-Tecklenburg. Er hat für seine Wälder eine eigene Forstverwaltung.

Nach Schnee und Nässe steigt Gefahr

„Die Gefahr ist aktuell besonders groß. Durch den Eisregen hatten die Bäume alle ein hohes Gewicht zu tragen und viele sind eh schon in der Statik gefährdet. Hinzu kommt der extrem nasse Boden, der schnell nachgibt“, erklärt der Förster. Insbesondere die Stabilität der Fichten ginge rapide in den Keller. Schon während des Wintereinbruchs fielen etliche Bäume um.

Geschwächt durch den Borkenkäfer, seien inzwischen viele mit einem Pilz befallen. Durch Schnee und Eis ist der Abtransport des aufgearbeiteten Holzes auch ein wenig ins Stocken geraten. Da das meiste Holz nach Asien geht, wird es in Überseecontainer verladen. „Diese Sattelschlepper sind nicht dafür gemacht, auf nassen und glatten Böden zu fahren, das geht einfach nicht. Ein paar Tage hat uns das wieder gekostet.“

Kranke Eschen, Buchen und Birken

Und es bleibt ein Kampf gegen Windmühlen. Erst war es nur der Borkenkäfer, der massive Probleme machte. Inzwischen ist das Ausmaß der Schäden im Wald kaum noch zu überblicken. „Die extreme Trockenheit der vergangenen Jahre lässt unsere Wälder leiden. Wir sehen immer mehr kaputte und kranke Eschen, Buchen und Birken“, erklärt Förster Christoph Schäfer.

Vertrocknete Birke mit Pilzen.

Zwischen Tunnel und Friedhof in Nachrodt müsse derzeit ein ganzer Birkenwald gefällt werden. „Birken vertragen die Trockenheit nicht gut. Sie trocknen aus und werden von Pilzen befallen. Hunderte Birken müssen gefällt werden – und es werden täglich mehr“, sagt Christoph Schäfer. Hinzu komme das Eschentriebsterben.

Pilz macht Bäumen zu schaffen

Der Pilz „Falsches Weißes Stengelbecherchen“ verursacht die Krankheit an den Eschen. 2007 wurde der Pilz erstmals in Deutschland nachgewiesen und verbreitet sich seither rasend schnell. „Vor allem an Bachläufen und auf den Höfen stehen viele Eschen. Immer mehr davon sind befallen“, sagt der Förster. Betroffen sind Eschen jeglichen Alters.

Und selbst die Buche, die eigentlich die heimischste Baumart ist, hat massive Probleme. Es falle auf, dass das Holz immer schneller stockig werde. „Wir kommen da kaum noch hinterher – und ein Ende ist wirklich noch lange nicht in Sicht“, sagt Christoph Schäfer. Der Förster hofft vor allem auf einen nicht ganz so trockenen Sommer, denn das würde bedeuten, dass weitere Wälder in der Gemeinde abgeholzt werden müssen. Und der Druck weiter wächst.

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