SPD-Politiker sahen sich um

Der Wald stand im Fokus

Walddialog SPD
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Forstfachleute und SPD-Politiker unterhielten sich über den Zustand der Wälder im Märkischen Kreis.

Förster Christof Schäfer wollte die Gäste nicht durch den tiefsten Schlamm führen, sie nicht kilometerlang durch unwegsames Gelände stapfen lassen. Deshalb hatte er das Wördener Bachtal und nicht zum Beispiel das Lasbeck Tal ausgesucht, um dort den Gästen des Walddialog-Tages die Schäden nach der Unwetter-Katastrophe zu zeigen.

Nachrodt-Wiblingwerde – Erschreckend sind die schweren Wegeschäden im Wald, die schnell repariert werden müssen. Genau dieses Problem und natürlich die Fichte, die nun Geschichte ist, standen im Mittelpunkt eines informativen Tages, der grundsätzlich ein SPD-Termin mit den Landtagsabgeordneten Inge Blask und Annette Watermann-Krass, der Bundestagskandidatin Bettina Lugk und SPD-Ratsherr Ronny Sachse war.

Wahlkampf-Flair blieb bei den sachorientierten Diskussionen aber eher außen vor, was an den Fachleuten lag, die die Gruppe begleiteten. Dabei waren neben Christof Schäfer auch Jörn Hevendehl, Forstamtsleiter des Regionalforstamtes Märkisches Sauerland als Gastgeber, seine Stellvertreterin Julia Böning, Katharina Esser für die Forstwirtschaftliche Vereinigung (FWV) Mark-Ruhr, Dr. Ulrich Cimolino, Branddirektor bei der Feuerwehr Düsseldorf, und Christian Hülle für die Forstbetriebsgemeinschaft Nachrodt-Wiblingwerde. Er vertritt 110 Waldeigentümer in der Gemeinde mit einer Waldfläche von 1350 Hektar.

Tagestour durch den Märkischen Kreis

Der Walddialog-Tag, der die Politiker direkt zum Ort des Geschehens führte, begann in Wiblingwerde und sollte eine umfangreiche und abwechslungsreiche Tagestour durch den Märkischen Kreis werden.

Das Unwetter hat Verwüstungen angerichtet. Allerorts. Und auch im Wald. Geschätzt werden Wegeschäden in Höhe von zehn Millionen Euro im Märkischen Sauerland. „Wilder Aktionismus nützt jetzt nichts. Nicht einfach einen Bagger holen und es so herrichten, wie es vorher war. Was passiert genau beim Unwetter? Wo kommt wie viel Liter Wasser an? Sind die Durchlässe, die wir jetzt haben, noch akzeptabel? Nicht, dass wir in zwei Jahren wieder dieselbe Situation haben“, legt Jörn Hevendehl Wert auf eine eher besonnene Marschrichtung.

80 Prozent gehört privaten Besitzern

Der Wald in der Region – und das ist eine Besonderheit – gehört zu 80 Prozent privaten Eigentümern. Und es sind viele. Sehr viele. Manche haben nur ein, zwei Hektar. „Der Waldbesitzer ist nicht der Großgrundbesitzer stolz hoch zu Ross. Das sind ganz normale Menschen mit ganz normalen Berufen, die sich natürlich im großen Maße nicht um ihren Wald kümmern können. Deshalb helfen wir, den Wald nachhaltig zu bewirtschaften“, erzählt Katharina Esser von der Arbeit der FWV Mark-Ruhr als Dachorganisation nahezu aller Forstbetriebsgemeinschaften des Märkischen Kreises und vieler im südlichen Ruhrgebiet mit 4000 Waldbesitzern und 40000 Hektar Waldfläche.

„Wenn wir von Wäldern sprechen, sprechen wir nicht nur von Bäumen, sondern auch von Menschen, denen die Wälder gehören und die mit all den Schwierigkeiten leben müssen, und wir sprechen vom Waldwegestruktursystem“

Jörn Hevendehl, Förster

Das Unwetter, der Borkenkäfer, die Dürre der vergangenen Jahre: Es gab und gibt extreme Situationen für den Wald. Eine Frage, die sich nach den großflächigen Abholzungen stellt, ist die Wiederaufforstung. Der Wald-Bereich Menden steht hierfür an vorderster Front, wütete dort doch als erstes die Borkenkäfer-Plage. Nachdem die Holzernte abgeschlossen ist, geht es um die Wiederbewaldung, die Förster Ingo Haurand den Walddialog-Gästen vorstellte. Doch: „Es gibt kein Patentrezept, die grobe Richtung ist der Mischwald. Wir machen das immer am Standort fest. Wie viel Niederschlag fällt, welche Durchschnittstemperaturen gibt es, welche Höhenlagen“, sagt Julia Böning.

Verschiedene Waldentwicklungstypen

Dann unterstützt das NRW-Waldbaukonzept mit 23 verschiedene Waldentwicklungstypen bei der Entscheidung für eine Wiederaufforstung, in dem es die zum Standort passenden Vorschläge bietet. Die Naturverjüngungen wird mitgenommen. Gepflanzt wird dort, wo nichts kommt, zum Beispiel die Douglasie oder die Tanne. Von den 23 Waldentwicklungstypen sind 14 Typen von Laubbäumen geprägt und neun von Nadelbäumen. Für alle Waldentwicklungstypen werden Beimischungen von Laubbaumarten empfohlen. Der Schwerpunkt in NRW liegt auf etablierten Baumarten.

Seit 2018 werden im Rahmen eines Walddialog-Tages die brennenden Themen mit der Politik in den Blick genommen. In Nordrhein-Westfalen gibt es eine Million Hektar Wald, im Märkischen Sauerland ist die Hälfte des Gebietes Wald.

„Wenn wir von Wäldern sprechen, sprechen wir nicht nur von Bäumen, sondern auch von Menschen, denen die Wälder gehören und die mit all den Schwierigkeiten leben müssen, und wir sprechen vom Waldwegestruktursystem“, so Jörn Hevendehl, der die Arbeit des Försters in der heutigen Zeit so beschreibt: Wegesanierung, Flutschädenbeseitiger und Klimaschützer.

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