Tag des Waldes

Heftiger Kahlschlag auf riesigen Flächen

Am Sassenscheid in Nachrodt: Riesige Mengen Holz warten auf den Abtransport.
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Am Sassenscheid: Riesige Mengen Holz warten auf den Abtransport.

Motorsägen dröhnen überall, riesige Berge Holz warten auf den Abtransport. Wege sind gesperrt. Und so blickt man am „Tag des Waldes“ erschrocken auf eine sich veränderte Landschaft.

Nachrodt-Wiblingwerde – Die Natur genießen, Spazieren gehen, Tiere beobachten: Dass die Menschen ihre Zeit gern im Wald verbringen, ist nicht nur eine Vermutung, es belegt auch eine neue Studie. Nur: Im Moment ist aus Begeisterung eher Erschütterung geworden. Motorsägen dröhnen im ganzen Gemeindegebiet, riesige Berge Holz warten auf den Abtransport. Wege sind deshalb zum Teil gesperrt. Und so blickt man am „Tag des Waldes“, der am Sonntag ansteht, fast erschrocken auf eine sich veränderte Landschaft.

Als Trauerspiel bezeichnet Förster Christof Schäfer die Situation. Das Ausmaß der Schäden in den Wäldern scheint man kaum noch zu überblicken. Der Borkenkäfer, die extreme Trockenheit: Fichten, Fichten und nochmals Fichten müssen gefällt werden. „Und auch diejenigen, die jetzt noch grün sind, werden im Sommer befallen“, befürchtet Christof Schäfer.

Gefahr an den Steilhängen

Bis Ende April, Anfang Mai soll der Abtransport des Holzes, das sich an den Wegen türmt, erst einmal geschafft sein. Waldarbeiter, die aus dem Allgäu und der Schweiz kommen, müssen teilweise in sehr steilem Gelände tätig werden. Seilkräne kommen zum Einsatz. Wenn riesige Fichten umfallen und die Hänge ‘runterrutschen, könnten sie eine große Gefahr darstellen. Christof Schäfer rät allen Spaziergängern vorsichtig zu sein. Auch wenn ein Weg nicht gesperrt sein sollte und man keine Motorsägen hört, so könnten trotzdem angebrochenen Aste im Kronenbereich hängen.

Ein Blick von den Fischteichen in Nachrodt in den Wald – oder was von ihm übrig ist.

„Die riesigen Mengen Holz können von den heimischen Sägewerken gar nicht verarbeitet werden. Und so wird das Holz in Überseecontainern nach China verschifft“, sagt Christof Schäfer. Die Preise seien im vergangenen Jahr im Keller gewesen, hätten aber jetzt etwas angezogen. Dennoch sei der wirtschaftliche Verlust für die Waldbesitzer dramatisch.

Spätfrost als unkalkulierbares Risiko

Die Wiederaufforstung wird Jahre dauern. „Für die gigantischen Flächen gibt es gar nicht genug Pflanzmaterial“, sagt Christof Schäfer. Bei der Naturverjüngung würden Ebereschen und Birken als erstes kommen, aber auch Fichten.

Es sei eine schwierige Frage, welche Bäume gepflanzt werden sollten, „weil keiner in die Glaskugel schauen kann, wie sich das Klima verändert“, so der Förster. Man gehe davon aus, dass es 1,5 bis 2 Grad wärmer würde, „aber man kann auch nicht einfach Baumarten auswärmere Regionen nehmen, da wir hier das Phänomen der Spätfroste haben. Und dann würden diese Bäume kaputt frieren.“

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