Nach Planungspanne wollen Politiker auf Zeit spielen

Claudia Bredemann, Diplom-Ökologin und Diplom-Ingeneurin des von der Gemeinde beauftragten Planungsbüros, erläuterte am Montag noch einmal die Möglichkeiten zur Festlegung von Vorrangzonen für Windenergie. Foto: Griese

Nachrodt-Wiblingwerde - Geht es nach dem Willen des Planungs- und Bauausschusses, dann spielt die Gemeinde bei der Überarbeitung ihres Flächennutzungsplanes jetzt erst einmal auf Zeit. Die Politiker jedenfalls wollen es bei der Festlegung von Vorrangzonen für Windkraftanlagen nach der jüngsten Planungspanne ruhig angehen lassen.

Eigentlich hatten Fachausschuss und Rat mit dem Gutachten eines Essener Planungsbüros in der Hand geglaubt, die Lösung gefunden zu haben: Westlich von Veserde, an der Grenze zu Hohenlimburg, sollten Investoren in Zukunft bitteschön ihre Windmühlen aufstellen. Doch sie hatten die Rechnung ohne die Stadt Hagen gemacht. Die hatte nach Bürgerprotesten in Hohenlimburg festgestellt, dass die zu errichtenden Anlagen deutlich näher an der Wohnbebauung im Nahmertal stehen würden als an den Wohnhäusern von Veserde. „Uns stand der neueste Flächennutzungsplan von Hagen nicht zur Verfügung“, begründete Planerin Claudia Bredemann am Montag in der Sitzung des Planungs- und Bauausschusses, wie es dazu kommen konnte. Der Abstand, der zu den Häusern in Veserde eingehalten werde, gelte „natürlich auch für Hohenlimburg“, betonte sie. Also musste das Windkraftgutachten noch einmal überarbeitet werden. Was Bredemann dabei schon herausgefunden hat, ist wenig überraschend: Durch den größeren Abstand zu Hohenlimburg wird die zur Verfügung stehende Fläche kleiner. Die Folge sei, dass dadurch nur noch zwei Anlagen mit einer Höhe von 185 Metern aufgestellt werden könnten, teilte Bredemann mit.

Doch vielleicht wird auch gar keine weitere Anlage gebaut, nicht einmal eine deutlich kleinere auf der bereits jetzt ausgewiesenen Vorrangfläche, auf der schon zwei Windräder stehen. Denn ob die Gemeinde an der zunächst auserkorenen Vorrangzone tatsächlich festhält, ist keineswegs sicher. „Bevor es jetzt weitergeht, warten wir erst einmal den neuen Windenergieerlass ab, der im Sommer herauskommen soll“, skizzierte Bürgermeisterin Birgit Tupat die weitere Marschroute, auf der ihr die Fraktionen auch gerne folgen wollen. CDU-Sprecher Ulrich Gülicher sprach sich in Anbetracht sich ständig ändernder Rahmenbedingungen dafür aus, „alles erst einmal aufzuschieben“. Auch SPD-Fraktionschefin Susanne Jacoby sah keinen Grund zur Eile, ebenso wenig Holger Haßler (UWG). So fiel der Beschluss, das Gemeindegebiet aufgrund neuer Erkenntnisse und unter Berücksichtigung der aktuellen rechtlichen Lage noch einmal auf geeignete Standorte zu untersuchen, schließlich einstimmig.

Doch auch aus einem anderen Grund könnten weitere Windkraftanlagen an der westlichen Peripherie der Gemeinde vielleicht ein Investorentraum bleiben. Wie Bürgermeisterin Tupat mitteilte, will die Stadt Hagen den Tiefladern mit den schweren Bauteilen die Fahrt über die K24 verweigern. Und das gelte auch schon für die kleinere Anlage, für die bereits eine Baugenehmigung vorliege, erklärte Tupat am Montag. - Volker Griese

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