Drohne im Einsatz

Tödliche Gefahr beim Mähen: Rettung für Rehkitze kommt aus der Luft

Heiko Cordt und Leonard Dornbracht.
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Heiko Cordt und Leonard Dornbracht.

Der Nebel liegt im Tal, einzelne Sonnenstrahlen bahnen sich ihren Weg durch die Wolken und lassen die Regentropfen auf den Grashalmen wie Kristalle funkeln. Ein malerisches Bild. Es ist Freitagmorgen 6 Uhr in Hinterveserde. Doch der friedliche Schein trügt. Auf den Höfen machen sich die Landwirte bereits startklar. Der erste Schnitt steht an. Das Gras muss dringend ab.

Nachrodt-Wiblingwerde – Durch die Schlechtwetterperiode hängen die Landwirte etwa zwei Wochen mit der Grasernte hinterher. Sobald das Gras halbwegs trocken ist, soll es losgehen. Dann rollen die Trecker mit den großen Mähwerken an – und dann wird es vor allem für die Rehe gefährlich.

„Dadurch, dass wir etwas später als normal sind, liegen schon überall Kitze im Gras. Die müssen wir vorher unbedingt finden, sonst geraten sie ins Mähwerk und sterben auf grausame Art und Weise“, erklärt Jäger Heiko Cordt. Für ihn, seinen Sohn Max, Thomas Holzrichter und Leonard Dornbracht war die Nacht daher um 5 Uhr vorbei. Unzählige Hektar Wiese wollen die Jäger absuchen, um die Kitze zu retten.

Dies geschieht seit diesem Jahr mit moderner Technik. Mit einer Drohne werden die Felder abgeflogen. Sie ist mit einer Wärmebildkamera ausgestattet, die die Kitze so lokalisiert. „Mein Sohn und ich haben zwei Drohnen bestellt. Durch ein spezielles Förderprogramm wird die Anschaffung vom Land unterstützt. Da die Nachfrage so groß ist, sind die Lieferzeiten sehr lang. Deswegen hilft uns heute Leonard“, erklärt Heiko Cordt. So früh aufstehen müssen die Jäger nicht nur, um die riesigen Flächen überhaupt zu schaffen, sondern auch, damit der Temperaturunterschied zwischen Gras und Kitz noch besonders groß ist. „Ein Problem ist heute Morgen der Nebel. Wir müssen immer gucken, wo gerade klare Sicht ist“, erklärt Donbracht.

Enorme Erleichterung

Etwa 40 Meter hoch fliegt die Drohne über die Wiese in Hinterveserde. Ein geübter Pilot schafft es, 20 bis 30 Hektar in der Stunde abzusuchen. Eine enorme Erleichterung. Früher sind die Jäger zu Fuß die Flächen abgelaufen. Das soll sich nun ändern. Die Drohne ist nicht nur zeitlich effektiver, sondern vor allem auch noch sicherer. „Die ersten Lebenstage bleiben Kitze ganz still liegen. Sie flüchten nicht. Je nachdem, wie unübersichtlich die Fläche ist, hat man unter normalen Bedingungen kaum eine Chance, sie zu finden“, erklärt Heiko Cordt die Problematik. Der Landwirt auf seinem hohen Trecker kann die kleinen Tiere gar nicht sehen. Bei einem Fund werden die Tiere mit einem Korb gesichert und gekennzeichnet. So besteht keine Gefahr für die kleinen Kitze. „Die Nachfrage ist riesig. Die Suche nach Kitzen obliegt den Jagdpächtern. Sie müssen den Einsatz auch zahlen. Dem Landwirt entstehen keine Kosten“, erklärt Heiko Cordt. Die Jäger durchsuchten am Wochenende nahezu alle großen Weideflächen in Veserde, Wiblingwerde, Eilerde, Rennerde, Haste und Oevenscheid.

Es dauert nicht lange, bis die Jäger das erste Tierkind im Gras gefunden haben. Direkt auf der ersten abgesuchten Wiese in Hinterveserde. „Besonders gefährlich sind natürlich Bereiche in Waldnähe, so wie diese hier. Da muss man dann schon genau gucken“, sagt Heiko Cordt. 33 Drohnen hat das Land NRW in diesem Frühjahr für die Rehkitz-Rettung bei der Wiesen-Mahd gefördert.

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