Areal in Nachrodt

Vom Urwald zum Paradies: Flut verschont Lenne-Idyll

Das Gartengrundstück an der Lenne von Thorsten Fitz direkt an der Lenne in Nachrodt.
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Das Gartengrundstück an der Lenne von Thorsten Fitz direkt an der Lenne in Nachrodt.

Vom Urwald zum Paradies: Das hat Thorsten Fitz in einem Jahr in Nachrodt direkt an der Lenne geschaffen. Sein Grundstück blieb vom Hochwasser verschont - und offenbart eine scheinbar spannende Vergangenheit.

Nachrodt-Wiblingwerde – „Das sah hier aus wie ein Urwald“, sagt Thorsten Fitz und lacht. Vor einem Jahr hat er ein Grundstück direkt an der Lenne gepachtet und ist jetzt stolzer Besitzer eines romantischen Fleckchens Erde. Direkt in Nachrodt. Direkt an der Lenne.

Die Gänse watscheln unbekümmert hinter dem Holzzaun. Die Bäume ranken majestätisch in den Himmel. Die Lenne plätschert gemütlich vorbei. Niemand kann sich vorstellen, dass hier vor wenigen Wochen ein Unwetter wütete. „Wir hatten großes Glück. Es ist alles noch da und unversehrt“, sagt Thorsten Fitz.

Von Ende August bis Anfang Oktober 2020 hat der Vorsitzende des Angelfischervereins aus einem völlig zugewachsenen Grundstück eine Oase gezaubert. Geradezu in Windeseile. Mit Herzblut. Ab und zu hatte er Hilfe, lieh sich auch schweres Gerät, um der Lage Herr zu werden.

Betonplatte gefunden: Hinweis auf früheren Marktplatz?

„Irgendwas“, so erzählt er, „muss hier mal draufgestanden haben.“ Eine große Betonplatte gibt es mitten auf dem Grundstück. „Ich habe über das Gemeindearchiv versucht, etwas herauszufinden. Es ist mir aber nicht gelungen.“ Angeblich, so hat er gehört, muss ein kleiner Marktplatz an Ort und Stelle gewesen sein. Auch ein Kirmesplatz.

Das Grundstück war zugewachsen und musste erst einmal komplett freigeräumt werden.

„Nach Erzählungen von älteren Herren muss man hier Obst und Gemüse gekauft haben. Aber ich habe nie Fotos gefunden“, sagt Thorsten Fitz, der 70 Lkw mit Erde angefahren hat, um eine gerade Fläche zu errichten. Dann wurde alles eingesät. Rosen sollen noch gepflanzt werden. Mittlerweile sind auch eine Gartenhütte, zwei Grills und ein Trampolin aufgebaut.

Genuss-Grundstück fürs Wochenende

Thorsten Fitz Motto „Planlos geht der Plan los“ passt aber nicht so wirklich ins Bild. Vielmehr hat er mit Elan einiges geschafft. Und dass er mit einer zwölf Meter hohen Leiter in einen Baum gestiegen ist, erzählt er nebenbei. Unten stand niemand zur Absicherung.

Thorsten Fitz verbrachte seine frühe Kindheit in Nachrodt. Als er sieben Jahre alt war, zog die Familie nach Iserlohn. Jetzt kehrt er zurück – wenn auch „nur“ mit dem Wochenendgrundstück an der Lenne. Lange hat er gesucht, bis er die Idylle gefunden hatte, die man sich auch vorstellen können muss, wenn alles zugewachsen ist. Bilder und kleine Videos hat er gemacht, um den Fortschritt zu dokumentieren.

Lenne macht Bogen: Hochwasser verschont Areal

„Du hast einen Knall“, hat seine Frau gesagt, als sie zum ersten Mal das Grundstück sah. Und heute? Unzählige Kirschlorbeerpflanzen umrahmen jetzt das Grundstück, die gerade mal 20 Zentimeter hoch waren, als sie angeliefert wurden, und sich mit einer Wachstumsgeschwindigkeit von 40 bis 60 Zentimeter pro Jahr nun auf den Weg machen, den Garten von Thorsten Fitz etwas blickdichter zu gestalten. Ein Bauwagen dient übrigens als Rückzugsort bei Regenwetter. Und das steht ja im Moment an der Tagesordnung.

Thorsten Fitz strahlt. Direkt an der Lenne hat er eine romantische Oase gepachtet.

Dass das Grundstück nicht überschwemmt wurde, liegt wahrscheinlich an seiner Lage. Der Fluss macht einen langen Bogen in dem Bereich und „das Hauptströmungswasser läuft über die Böschung“, erzählt der Angler mit Blick auf die andere Uferseite. „Ich habe noch nie erlebt, dass hier oben Wasser stand“, sagt der 36-Jährige, der noch aus rustikalen Bohlen eine vier, fünf Meter lange Sitzgarnitur fertigen will.

Gassigeher hinterlassen Unschönes

Die anderen Gärten nebenan, einer schöner als der andere, hat sich Thorsten Fitz natürlich auch schon angeguckt. „Man kennt sich und viele sind auch Mitglieder im Angelverein.“ Nur die B 236 ist ein Ärgernis. „Der Verkehr stört natürlich, aber auch die Leute, die mit ihren Hunden hierher gehen und so einiges hinterlassen“, sagt Thorsten Fitz, der den Müll einsammelt und zum nächsten Mülleimer bringt. „Da macht man nichts. Da kann man nur ein Auge zudrücken, einsammeln und wegräumen.“

Mit knapp 600 Quadratmetern hat Thorsten Fitz, der bei der Stadt Iserlohn arbeitet, das größte Garten-Grundstück an der Lenne in Nachrodt gepachtet. 5000 Euro hat er schon investiert, um es schön zu machen. Ein Hingucker ist der Zaun mit Törchen zur Lenne. Es ist ein Robinienzaun, der nicht gestrichen werden muss.

Besuch von bis zu 80 Wildgänsen

„Wenn man hier abends sitzt, kommen 70, 80 Wildgänse durch“, freut sich der Vereinsvorsitzende der Angler über die Natur, die Ruhe. Das schätzt er. Und so ist der Nachrodter Rückzugsort nicht der einzige, den er hat. Auch eine Teichanlage am Franzberg hat er gepachtet. „Da sind keine Fische drin. Aber es gibt eine Rotwangen-Schmuckschildkröte, die muss da mal jemand ‘reingesetzt haben.“

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