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Vollsperrung der B 236: 70 Prozent weniger Umsatz

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Von: Ines Engelmann

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Machen sich Sorgen: Kai Winkelmann und Mandy Illingworth, Mitarbeiter der Aral-Tankstelle hoffen auf ein Wunder.
Machen sich Sorgen: Kai Winkelmann und Mandy Illingworth, Mitarbeiter der Aral-Tankstelle hoffen auf ein Wunder. © Engelmann, Ines

Die Sperrung der B 236 sorgte anfangs noch für mächtig Chaos im Berufsverkehr. Seit dem 26. März ist die Straße dicht. Die meisten Autofahrer haben sich inzwischen andere Wege gesucht. Das hat Folgen, denn die Einzelhändler und Ladenbesitzer an der Straße sind auf den Durchgangsverkehr angewiesen und wünschen ihn sich dringend zurück. Sie verzeichnen schon jetzt massive Umsatzeinbußen.

Nachrodt-Wiblingwerde - „Das ist eine absolute Katastrophe. Wenn das so weiter geht, habe ich keine Lust mehr, den Laden aufzumachen“, sagt Danny Gelaudie, Besitzer des Gartencenters „Mein Garten macht deinen Garten“. Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet das Center laut Gelaudie bereits jetzt 70 Prozent weniger Umsatz.

Besonders erschüttert ist er über die nicht vorhandene Anteilnahme und Unterstützung seitens der Politiker: „Es ist einfach traurig, dass wir keinerlei Unterstützung bekommen“, schildert Gelaudie die Stimmung. Ob das Geschäft bis nach dem Abbau der Baustelle noch existieren wird, konnte Gelaudie nicht bejahen. „Wir kriegen keine Hilfe von der Bank und haben auch keine Reserven mehr. Ich weiß nicht, wie das weiter gehen wird.“

Deshalb hat der Gartencenter-Besitzer bereits viele schlaflose Nächte gehabt. Besonders besorgt ist Gelaudie um seine treuen Mitarbeiter. Auch mit Blick auf die nun beginnende Saison sieht er schwarz: „Ich mache mir große Sorgen, denn jetzt im April beginnt für uns eigentlich die wichtigste Zeit und wir haben viel Geld in das Geschäft gesteckt“, erklärt Gelaudie die schwierige Situation.

Auch die Mitarbeiter Mandy Illingworth und Kai Winkelmann von der benachbarten Aral-Tankstelle bekommen die Auswirkungen der Vollsperrung zu spüren. „Es ist wirklich beängstigend, wie wenig hier los ist. Wenn wir nun knapp ein Viertel der Kunden haben, wie vor der Sperrung, dann ist das viel“, erklärt Illingworth, die sich eigentlich um das gut besuchte Bistro in der Tankstelle kümmert.

„Die Kunden standen schon oft vor den eigentlichen Öffnungszeiten vor der Tür und wollten sich Frühstück holen. Nun freue ich mich über einzelne Kunden, die mal etwas über den Tag verteilt davon kaufen“, so Illingworth. Dass das Bistro jedoch eine wichtige Einnahmequelle ist, betont die Mitarbeiterin, „denn durch den verkauften Sprit und Zigaretten machen wir kein Gewinn.“

Das Geschäft lebe laut Winkelmann auch von den Shop- und Waschanlagen-Einnahmen. Doch aufgrund des fehlenden Durchgangsverkehrs an der Hauptstraße bleibt die Waschstraße häufig den ganzen Tag aus. Der Durchgangsverkehr macht 80 Prozent der Kundschaft an der Aral-Tankstelle aus. „Es macht auch einfach keinen Sinn, die Anlage laufen zu lassen, wenn keiner kommt. Wir versuchen die Kosten so gering wie möglich zu halten und entscheiden jeden Tag neu, ob es sich lohnt, die Anlage anzuschmeißen“, sagte Winkelmann.

Aufgrund der fehlenden Kundschaft denkt Betreiber Peter Meier derzeit über verkürzte Öffnungszeiten nach. Aktuell hat die Tankstelle noch von 5 Uhr bis 21 Uhr geöffnet. Endgültig entschieden werde die Änderung laut Winkelmann aber erst in den kommenden Tagen. Kurzarbeit hatte Peter Meier bereits vor der Vollsperrung der Bundesstraße angemeldet. Ohne die Unterstützung der Mineralölgesellschaft, könnte sich die Aral-Tankstelle an der B 236-Vollsperrung nicht mehr finanziell über Wasser halten.

Nicht ganz so hart trifft es die Lenne-Apotheke, direkt gegenüber. „Bei uns läuft es erstaunlich gut, wenn man die Vollsperrung bedenkt“, sagt Apothekerin Jacqueline Daly auf Nachfrage. „Wir sind wirklich froh, dass es nicht so schlecht läuft, wie befürchtet.“ Die Ankündigung der Vollsperrung hatte hatte auch Apothekerin Daly viele schlaflose Nächte bereitet. Dass die Lenne-Apotheke wiedererwartend weniger hart von der Vollsperrung betroffen ist, führt Daly auf die nicht ganz so mobilen Anwohner und den in der Nähe gelegenen Allgemeinmediziner zurück: „Die Leute müssen trotz Vollsperrung zum Arzt und kommen dann auch zu uns“, so Daly. Kurzarbeit habe die Apothekerin bisher nicht anmelden müssen „und ich hoffe, dass das auch so bleibt.“

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