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Volkstrauertag: Gedenkveranstaltung außergewöhnlich gut besucht

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Von: Lydia Schmitz-Machelett

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In diesem Jahr kamen noch einmal mehr Teilnehmer zur Gedenkveranstaltung als im vergangenen Jahr.
In diesem Jahr kamen noch einmal mehr Teilnehmer zur Gedenkveranstaltung als im vergangenen Jahr. © LYDIA SCHMITZ-MACHELETT

Irgendwie war dieser Volkstrauertag anders. Das Gefühl war ein anderes. Der Krieg in der Ukraine hat diesem Tag eine neue Aktualität gegeben.

Nachrodt-Wiblingwerde – Schon im vergangenen Jahr war die zentrale Gedenkveranstaltung in Veserde außergewöhnlich gut besucht. Aber in diesem Jahr waren es in Wiblingwerde noch einmal mehr Teilnehmer. Es gab Jahre, da waren fast nur die da, die aus Funktionsgründen kamen oder, weil sie als Feuerwehr, Sänger oder Bläser mitwirkten. Am Sonntag war das anders.

„Der Krieg in der Ukraine hinterlässt uns in einem Gefühl der Ohnmacht“, erklärte Pfarrerin Anke Leuning. Was für die meisten Menschen bisher unvorstellbar war, erlebe man nun in der medialen Welt mit. „Die Bilder bringen auf den Punkt, was Krieg bedeutet. Krieg fordert Menschenleben. Unsäglich viel Leid müssen Angehörige und Hinterbliebene ihr ganzes Leben lang tragen“, sagte die Pfarrerin.

Krieg sei eben mehr als materielle Zerstörung. Leuning: „Häuser lassen sich wieder aufbauen, Trümmer beiseite räumen. Aber die Toten, die bleiben. Hinter jedem Einzelschicksal steht ein Name. Ein Mensch, dessen Würde bleibt.“ Die Pfarrerin appellierte an die Anwesenden, dass Krieg und Tod nie das letzte Wort haben dürfen. Vielmehr ginge es in Tagen wie diesen darum, die Versöhnung wieder mehr in den Fokus zu nehmen. „Versöhnung heißt aber nicht vergessen. Versöhnung geschieht auch nicht automatisch. Versöhnung geht nur, wenn Unrecht ausgesprochen und anerkannt wird“, mahnte Anke Leuning.

Nach dem Zweiten Weltkrieg sei dies ein langer, aber durchaus bewundernswerter Prozess gewesen. Und er habe funktioniert. „Versöhnung heißt nicht, dass das Unheil von damals ungeschehen gemacht werden kann und auch nicht, dass wir es jemals vergessen“, betonte die Rednerin.

Mit Blick auf die Ukraine sei diese Versöhnung noch in weiter Ferne. „Unsere vermeintlich sichere Welt ist durch Putin ins Wanken geraten“, sagte Anke Leuning. Aber auch, wenn man sich aktuell bereits über eine Waffenruhe freue, müsse man schon jetzt die Versöhnung im Blick behalten. „Aber, der Weg der Versöhnung braucht Engagement und unseren unaufhörlichen Einsatz“, appellierte Leuning an die Anwesenden.

Begleitet wurde die Gedenkveranstaltung vom Wiblingwerder Posaunenchor, dem MGV Wiblingwerde, der sogar ein Keyboard dabei hatte, sowie Schülerinnen der Sekundarschule, die ein Gedicht vortrugen.

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