"Ich als Kriegskind kann das nicht mittragen"

+
Viele Entscheidungen fielen während der Sitzung des Rates in der Lennehalle.

Nachrodt-Wiblingwerde - Es war das Aufreger-Thema schlechthin im vergangenen Jahr, als erstmals am Volkstrauertag keine Gedenkfeier in Veserde stattfand. Jetzt hat der Rat beschlossen, eine zentrale Feier zu veranstalten, immer im Wechsel in Nachrodt, in Wiblingwerde und in Veserde. Allerdings gab es Widerstand.

 Fielen Ostern und Weihnachten zusammen? So viele wichtige Beschlüsse, wie sie am Montagabend im Rat getroffen wurden, gab es selten. Fakt ist: Die Rastatt wird abgerissen. Die Zukunft heißt Qbus. Für die Grundschule Wiblingwerde wurden die Weichen für die „große Umbau-Lösung“ gestellt. Und: In Zukunft findet am Volkstrauertag nur noch eine zentrale Gedenkfeier statt, die zwischen den drei Standorten Nachrodt, Wiblingwerde und Veserde wechselt – dafür gab es allerdings heftigen Widerstand.

 Die Akustik in der Lennehalle war miserabel. Während der April-Sitzung hatte man es mit Mikrofonen versucht – mit mäßigem Erfolg. Ohne Mikros waren die Beiträge der Kommunalpolitiker, die natürlich großen Abstand voneinander hatten, allerdings noch weniger zu verstehen. Nichtsdestotrotz gab es spannende Debatten. So versuchte SPD-Ratsfrau Rita Joergens den Beschluss zum Thema Volkstrauertag zu kippen.

„Größerer und würdiger Rahmen"

 „Die Würdigung aller drei Gedenkstätten wird ja wohl möglich sein“, meinte die Sozialdemokratin, die die Wichtigkeit des staatlichen Gedenktages gegen das Vergessen und zur Erinnerung an die Kriegstoten und Opfer der Gewaltherrschaft hervorhob. „Ich als Kriegskind kann das nicht mittragen“, sagte Rita Joergens und verwies darauf, dass es mit der Bürgermeisterin und zwei Stellvertretern die Möglichkeit gebe, an allen drei Ehrenmalen eine Feierstunde abzuhalten. Die UWG plädierte für zwei Veranstaltungen im oberen und unteren Gemeindegebiet, da „von unten nach oben oder von oben nach unten keine Gäste kommen werden“, wie Fraktionssprecherin Petra Triches argumentierte.

 Tatsache ist, dass nicht mehr sehr viele Menschen die Gedenkfeiern besuchen. Und ebenso Tatsache ist, dass es im vergangenen Jahr heftige Diskussionen und Unmut gab, als erstmals in Veserde keine Gedenkfeier stattfand. Bürgermeisterin Birgit Tupat machte deutlich, dass der neue Vorstoß, eine zentrale Gedenkfeier zu veranstalten, rein gar nichts mit Sparmaßnahmen zu tun habe. Es gehe nur darum, die Akteure, nämlich Gesangsvereine und Feuerwehr, zu unterstützen, für die es immer schwieriger werde, die Gedenkfeiern zu organisieren.

 Die CDU – Philipp Olschewski und Michael Schlieck – sprach von einem größeren und würdigeren Rahmen, der durch eine zentrale Veranstaltung ermöglicht wird und „vielleicht auch für mehr Zusammenhalt sorgt.“ Es war SPD-Ratsherr Christian Pohlmann, der mit seinem Kompromissvorschlag die Wogen glättete: „An den Standorten, an denen die zentrale Feier nicht stattfindet, sollen die Bürgermeisterin oder ihre Stellvertreter offiziell einen Kranz niederlegen.“ Mit den Gegenstimmen von UWG und einer Enthaltung von Rita Joergens wurde dies beschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare