„Volkskirche bricht weg“

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Regens Jürgen Schmidt. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ „Regens sein empfinde ich als besonderes Privileg, weil ich ganz nahe an die Lebensweise und Glaubensgeschichten junger Menschen herankomme“, sagte Jürgen Schmidt - Regens im Bistum Essen - am Montagabend im katholischen Vereinshaus in Nachrodt. Der Gastredner bereicherte die ökumenische Gesprächsreihe mit Informationen zur Priesterausbildung.

Der gebürtige Bochumer, der im Jahr 1983 zum Priester geweiht wurde, ist seit sieben Jahren – mit der Amtsbezeichnung Regens – für die Ausbildung der Priester-Kandidaten im Bistum zuständig. Ein Priesterseminar erstrecke sich über sieben Jahre, informierte Schmidt. „Ob ein junger Mann zum Priester berufen ist, kann ich letztendlich aber nicht sagen. Ich kann dem Bischof nur eine Empfehlung aussprechen wer geeignet wäre“, räumte der Regens ein. Die Frage der Berufung sei eine stets persönliche, die jeder Priester-Kandidat für sich selbst zu beantworten habe.

Doch auch wenn die Zahlen der Priester-Kandidaten in den vergangenen Jahren rückläufig waren „nehmen wir nicht alle, die kommen, und lassen uns von diesem Druck nicht drängen“, betonte Schmidt.

Die Priesterausbildung biete den Teilnehmern auch die Möglichkeit zu erfahren, ob sie sich für diese Aufgabe gewappnet fühlen. Wer feststellt, den falschen Weg eingeschlagen zu haben, könne „mit Anstand wieder gehen“, stellte der Regens klar. Für die Priester-Anwärter komme die Schwierigkeit hinzu, in den verschiedenen Theorien, wie der priesterliche Dienst der Zukunft aussieht, einen Weg zu finden. Aus den Aspekten „Der Priester als Hirte der Gemeinde“, dem „Wunsch nach Seelsorge“, der „bürokratischen Gemeindeleitung“ und dem „Verständnis als Sozialarbeiter“ eine klare Linie zu finden sei schwer.

„Wir haben in der katholischen Kirchen kein klares Motiv, das Priester-Amt zu gestalten“, sagte Schmidt und benannte zugleich ein zweites Problem: Die Zukunftsperspektive der Kirche. „Die Volkskirche bricht weg und eine neue Gestalt von Kirche ist noch nicht erkennbar. Wir können die Situation in zehn Jahren nur ungenau und unpräzise beschreiben. Wer heute eine Priesterausbildung startet, muss sich auf veränderte Situationen einstellen. Die Kandidaten beginnen einen Beruf, wissen aber nicht, wie er aussehen wird“, verdeutlichte der Regens.

Vor diesem Hintergrund ist er überzeugt, dass die Aufhebung des Zölibats das Nachwuchsproblem nicht lösen werde. „Die Herausforderungen an einen Priester haben sich über die Jahre verändert.“ Heutige Gemeinden bräuchten Priester, die in das Dickicht im Sinne des Vorausgehens eine Schneise schlagen und für das Verlässliche in der Welt stehen.

In der Annahme „es gibt noch das Heilige in der unheiligen Welt und Menschen, die dafür stehen“, stecke ein menschliches Ur-Vertrauen, das erfüllt werden müsse, wünscht sich Schmidt. ▪ sr

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