Fusion mit anderen Banken unerwünscht

Einzelkämpfer in der Volksbank-Zweigstelle: „Ich halte hier die Stellung“

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Guter Dinge: Bernd Kesser, Verena Holzrichter und Klaus-Martin Kesper.

Nachrodt-Wiblingwerde – „Ich halte hier die Stellung“, schmunzelt Bernd Kessner. Seit mehr als 30 Jahren. Genauer: Seit dem 1. Oktober 1985. „Und 40 Jahre vor Ort schaffe ich auf jeden Fall“, sagt der Zweigstellenleiter der Volksbank Hohenlimburg.

Ein sehr deutliches Bekenntnis für den Standort im Höhendorf gibt es auch aus der Chefetage. Die Volksbank ist und bleibt vor Ort. Vorstand Klaus-Martin Kesper und Verena Holzrichter, Leiterin des Privatkundengeschäftes, hatten gleich mehrere gute Nachrichten beim Pressegespräch parat. Das Jahr 2018 ist für die Volksbank Hohenlimburg traumhaft gelaufen. Die Bilanzsummer ist um 4,8 Prozent auf 522,8 Millionen Euro gestiegen. 

Das beste Ergebnis seit Beginn. Doch zurück zur Ein-Mann-Filiale: Das Einzelkämpferdasein hat Bernd Kessner sehr lieb gewonnen – und freut sich über die vielen persönlichen Kontakte im Dorf. Dass ihn niemand so gern vertritt, wenn er mal nicht da ist, ist verständlich. Der Überfall im Dezember 2016 wirkt nach, ist immer noch nicht aufgeklärt. Damals wurde ein junger Mitarbeiter der Volksbank, der nur vertretungsweise für Bernd Kessner vor Ort war, mit einer Waffe bedroht. Das hinterlässt Spuren. 

Das möchte niemand erleben. Die Volksbank setzt in Wiblingwerde auf Kontinuität. Nachdem sich die Sparkasse aus dem Dorf zurückgezogen hat, ist die Volksbank der Fels in der Brandung. „Und so hat es einige Wechsel zu uns gegeben. Das Geschäft läuft“, sagt Bernd Kessner. Keine reine Goldgrube, aber Vorstand Klaus-Martin Kesper ist mit der „Außenposition von Hohenlimburg“ im MK-Land sehr zufrieden. „Die ganze Bauernschaft ist unsere bevorzugte Kundschaft. Und Bauern sind sehr treu“, freut sich Klaus-Martin Kesper. 

Das erste Sparbuch war immer die Verbindung fürs Leben – allerdings verschenkt man heute kaum noch ein solches. Womit man beim Thema Geld ist. Ringsherum fusionieren Banken. Ein augenscheinlich unaufhaltbarer Trend. Ein Thema, das die Volksbank Hohenlimburg aktuell nicht umtreibt. „So lange wir es uns leisten können, werden wir nicht mit einer anderen Nachbarbank fusionieren“, sagt Klaus-Martin Kesper. Erklärtes Ziel: „Wir bleiben selbstständig.“

Und diese Entscheidung habe große Vorteile. „Versuchen Sie mal bei den Großen einen Termin beim Vorstand zu bekommen oder eine pragmatische, schnelle Entscheidung. Wenn mich Herr Kessner anruft, weil einem Bauern der Güllecontainer abgebrannt ist und er ganz schnell 100000 Euro benötigt, dann wird das in dem Moment entschieden. Bei einer anderen Bank muss ein Kreditantrag geschrieben werden, dann wird eine Analyse der wirtschaftlichen Verhältnisse gemacht. Bis dahin sind die Kühe verhungert.“ 

Kurze Wege. Der Kontakt zu den Kunden. Das sei das A und O, davon würden die 3000 Firmenkunden und 10000 Privatkunden profitieren. Während Bernd Kessner der Repräsentant der Klassik-Filiale ist – und bleibt, gibt es gleichermaßen auch eine Internet-Filiale. „Der Kunde sucht sich seinen Kommunikationsweg mit der Bank. Der eine möchte persönlich betreut werden, der andere ist vielleicht froh, wenn er die elektronische Überweisung losschicken kann. Aber jeder Kunde der Volksbank Hohenlimburg hat einen persönlichen Berater. Auch der Internet-Kunde“, sagt Verena Holzrichter. 

WhatsApp wird viel genutzt. „Wir schreiben keine Bankdaten über WhatsApp. Aber unsere jungen Kunden schicken uns alles über WhatsApp, auch wenn wir sagen, dass es kein sicherer Kanal ist. Die Kunden sind da tiefenentspannt“, erzählt Verena Holzrichter. Viel geht natürlich auch per Mail. Online-Banking ist übrigens nicht unbedingt eine Frage des Alters. Manche jungen Leute „trauen dem Braten“ nicht – und ältere Kunden, auch über 80 Jahren, sind durchaus online-neugierig. Und andersherum. 

Dabei ist es interessant, dass es laut Klaus-Martin Kesper eigentlich keine Betrugsversuche übers Internet gibt, wohl aber über das traditionelle Verfahren. „Wir kennen mittlerweile schon die Briefumschläge. Einen Betrugsversuch gibt es mindestens einmal im Monat“, sagt Klaus-Martin Kesper. Aber in diesem Fällen zieht wieder das Prinzip des persönlichen Miteinanders. Es fällt bei der Volksbank Hohenlimburg auf, wenn Oma xy plötzlich eine hohe Summe nach Polen überweist. 

„Bei einer Großbank gibt es sogenannte Dispositionsfreigrenzen. Alles, was unter diesem Betrag ist, wird durchgebucht. Und nicht angeguckt“, hebt der Volksbank-Vorstand gern die Vorteile einer kleinen Bank hervor. Die Vertreterversammlung der Volksbank Hohenlimburg findet am 9. Mai im Schlosshotel Holzrichter statt. Und: Aufgrund einer Umstellung auf eine neue Banksoftware stehen am 23. und 24. März der Geldautomat und Kontoauszugsdrucker nicht zur Verfügung. Auch Bargeldabhebungen an anderen Automaten sind nur bis 500 Euro möglich.

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