Von einer geklauten Gartenschüppe und übler Nachrede

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Bürgermeisterin Birgit Tupat bedankte sich beim langjährigen Schiedsmann Volker Padberg.

Nachrodt-Wiblingwerde - Besser einander beschimpfen als einander beschießen“ soll Winston Churchill einmal gesagt haben. Doch auch Worte als Giftpfeile, verbale Hass-Attacken können Menschen fast vernichten. Manchmal geht es nur um Kleinigkeiten. Um den viel zitierten Gartenzaun zum Beispiel. 15 Jahre war Volker Padberg in solchen Fällen Vermittler. Jetzt wurde der stellvertretende Schiedsmann verabschiedet.

 Mit Büchern unterm Arm kam Volker Padberg ins Amtshaus – Gesetzestexte für Schiedsmänner und -frauen. „Ich habe natürlich mal ‘reingeguckt“, schmunzelt Volker Padberg, der von Bürgermeisterin Birgit Tupat und Ordnungsamtsleiter Sebastian Putz verabschiedet wurde. „Aber ich bin eher ein pragmatischer Mensch und habe fast immer versucht, die Dinge auf dem kleinen Dienstweg zu regeln.“

Nachrodt ist keine Streithochburg, aber auch keine Insel der Glückseligen. Dass der 63-Jährige jetzt aufhört, hat nichts damit zu tun, dass er von den vielen zwischenmenschlichen Problemen die Nase voll hat, sondern dass „nach 15 Jahren auch mal gut ist.“ Ihn stören immer Politiker, wenn sie von ihren Ämtern nicht lassen können. Daran kleben sozusagen. Das möchte er nicht.

 Fronten sind verhärtet

Der Bankfachwirt, der übrigens auch seit zehn Jahren Jugendschöffe beim Amtsgericht ist, wohnt seit mehr als drei Jahrzehnten in Nachrodt. Viele kennen ihn. „Es haben deshalb auch immer mal wieder Leute angerufen, die gar nicht versucht haben, einen anderen Schiedsmann zu erreichen. Ich kann aber nicht sagen, dass ich über Gebühr belastet war“, erzählt Volker Padberg, der sich in erster Linie um Nachbarschaftsstreitigkeiten gekümmert hat. „Man könnte all diese Dinge in einem persönlichen Gespräch lösen, aber da haben sich im Laufe der Jahrzehnte die Fronten so verhärtet, dass nichts mehr geht.“

Und so kommt es, dass sich Nachbarn mit „dem Hintern nicht mehr angucken“. Das Fass läuft dann bereits bei überhängenden Ästen oder Hecken über, die nicht oder zu viel geschnitten werden. „Es ist schwer, die Leute dann an einen Tisch zu bekommen.“ I

m vergangenen Jahr hatte Volker Padberg einen Fall, bei dem es um eine Gartenschüppe ging. Einem Nachrodter gefiel das Beet seiner Nachbarin nicht. Und weil diese das Beet nicht verändern wollte, nahm er ihr die Gartenschüppe weg. „Die Nachbarin hat mich angerufen. Ich dachte erst, dass es sich vielleicht um eine versteckte Kamera handeln könnte. Sollte ich vielleicht klingeln und die Herausgabe der Gartenschüppe fordern?“

Kinkerlitzchen?

Was viele Menschen vielleicht als Kindergarten oder Kinkerlitzchen bezeichnen würden, ist für andere plötzlich bitterer Ernst. Und manchmal eskalieren Streitigkeiten. Handgreiflich ist es bei den Vermittlungsaktionen von Volker Padberg aber nie geworden. „Nur durchaus schon mal laut.“ Bevor die genervten Bürger einen Schiedsmann anrufen, wenden sie sich meist an ihren Anwalt. Und der Rechtsanwalt ist es oft, der dann erst einmal an den Schiedsmann zurückverweist.

„Eher es soweit kommt, dass überhaupt jemand eingeschaltet wird, ist schon viel passiert. Es gibt keiner gerne zu, dass er mit seinen Nachbarn große Probleme hat.“ Doch natürlich geht es nicht immer nur um Nachbarn. Volker Padberg hatte einen Fall, bei dem es um Streitigkeiten zwischen entfernten Verwandten ging. „Da hat der eine dem anderen wirklich das Übelste unterstellt.“ Die Zankäpfel haben aus ihrer Sicht immer recht. Und so ist mindestens eine Partei immer enttäuscht, wenn sie nicht ihr Recht bekommt, das sie gerne hätte.

 Derjenige, der die Schiedsleute anruft, muss heute einen Vorschuss von 50 Euro bezahlen. „Als das eingeführt wurde, nahm das Interesse rapide ab“, sagt Volker Padberg. Von den 50 Euro bekommt die Gemeinde den größten Anteil, „und der Schiedsmann eine Aufwandsentschädigung.“ Bei Volker Padberg ist es so lange her, dass er überhaupt etwas abgerechnet hat, dass er genaue Zahlen gar nicht nennen kann.

„Die Aufwandsentschädigung steht in keinem Verhältnis zum Aufwand“, sagt Ordnungsamtsleiter Sebastian Putz. Das Prozedere: Der Schiedsmann versucht die Streithähne an einen Tisch zu bekommen, um eine gemeinsame Lösung des Problems zu finden. „Das klappt zu 50 Prozent.“ Aber selbst wenn es klappt, ist das Dilemma nicht immer aus der Welt. „Bei der nächsten Kleinigkeit knallt es wieder.“ Wenn man keine Einigkeit erzielt hat, kann man mit der Negativ-Bescheinigung des Schiedsmannes zum Gericht gehen. Padbergs Nachfolgerin ist Cora Grund. Erste Schiedsfrau in Nachrodt ist Heidemarie Langmesser.

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