Viertes Urteil im Prozess um Einsaler Schrottdiebstähle

NACHRODT-WIBLINGWERDE - Im Prozess um Schrottdiebstähle bei den Walzwerken Einsal hat das Amtsgericht Altena ein viertes Urteil gefällt. Diesmal saß ein 52-jähriger ehemaliger Mitarbeiter des Unternehmens auf der Anklagebank.

Das Geständnis gestaltete sich mühsamer als bei den anderen drei Angeklagten. Am Ende blieben mindestens 120 Schrottdiebstähle übrig, die der 52-jährige Angeklagte im Zeitraum von September 2010 bis zum 6. März 2012 bei den Walzwerken Einsal, seinem ehemaligen Arbeitgeber, begangen hatte. Zwei Jahre auf Bewährung kassierte er dafür, 1000 Euro kassiert die Justizkasse in den kommenden sechs Monaten. Wegen der Anzahl der Taten, die deutlich höher war als bei den drei bereits zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilten Dieben, war die Geldauflage höher.

So ganz hatte der Angeklagte noch nicht verstanden, dass ein klares Geständnis angesichts der umfangreichen Ermittlungsergebnisse weiteres Ungemach würde abwenden können. So wurde gestern noch um Mengen, Zeiträume, Stückzahlen und die Anzahl der Begegnungen mit dem Hehler gerungen. „Manchmal war der Roller auch kaputt, oder das Wetter war schlecht“, begründete der 52-Jährige, warum er zuweilen keine Edelstahlblöcke mitgenommen hatte, die als Endstücke für den Produktionsprozess nicht mehr gebraucht wurden. Bis zu 20 Kilo schleppte der Roller unter der Sitzbank und im Topcase, dem Rollerköfferchen. Am Wochenende waren es auch schon mal 40 bis 50 Kilogramm, weil ein Anhänger zum Einsatz kam. Unten lagerten die begehrten Edelmetallblöcke, oben verbarg Holz die wenig einträgliche Beute: Bis zu 10 Euro war die 20-Kilogramm-Ladung des Rollers ohne Anhänger wert.

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Gelagert wurde die Ware in einem Gartenhaus und in einer Garage. 1100 Kilogramm Edelstahlschrott waren dort im März 2012 sichergestellt worden. Mithilfe eines Detektivbüros waren die Walzwerke den Tätern Anfang 2012 auf die Schliche gekommen. Sie hatten jeder für sich und nicht als Bande gearbeitet – angeblich, um die Streichung von Sonderleistungen des Unternehmens auszugleichen.

Wegen des nur zögerlichen Geständnisses des vierten Angeklagten war ein Detektiv als Zeuge geladen worden, dessen Aussage sich aber als verzichtbar herausstellte. „Gelinde gesagt: ‚blöd’“, fand Richter Dirk Reckschmidt ein letztes Mal deutliche Worte zu dem „Vertrauensbruch“ gegenüber dem Unternehmen. „Um da rauszufliegen, muss man sich schon richtig Mühe geben.“ Alle Beteiligten stimmten dem Urteil noch im Gerichtsaal zu, so dass die Entscheidung des Schöffengerichts sofort rechtskräftig wurde. - Thomas Krumm

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