Bewährungsstrafen für dumme Edelstahldiebe

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Zwei Jahre auf Bewährung kassierten drei der vier Angeklagten am Donnerstag im Amtsgericht Altena für den gewerbsmäßigen Diebstahl von Edelstahlschrott bei den Walzwerken Einsal.

Die drei hatten gestanden, in jeweils 86 Fällen hochwertigen Stahlschrott in der Kleidung, in Aktentaschen und unter der Sitzbank eines Mopeds aus dem Unternehmen geschmuggelt zu haben. Zwei der drei abgeurteilten Diebe hatten zudem regelmäßig Dieseltreibstoff aus einem firmeneigenen Gabelstapler für ihre Privatfahrzeuge abgezapft. Die Männer, die bisher völlig unbescholten gelebt hatten, müssen als Bewährungsauflage 500 beziehungsweise 750 Euro bezahlen. Einer von ihnen, der weiterhin arbeitslos ist, muss 100 Sozialstunden ableisten.

„Es ist uns unverständlich, wie man sich so aus einer gesicherten Existenz schießen kann. Dass man den Stahlschrott hinterher nicht mal absetzen kann – das ist noch ein besonderes Schmankerl“, wunderte sich Richter Dirk Reckschmidt.

Einer der Verteidiger stimmte ihm zu. „Das ist ein dolles Ding, wie man sich in einer gesicherten Anstellung so blöd anstellen kann.“ Sein Kollege unternahm einen zaghaften Versuch zu einer Verteidigung der Angeklagten. „Die Brocken sind allewieder beim Arbeitgeber. Der Schaden ist also gleich Null.“ Das stimmte so nicht. Die Kosten für das Detektivbüro, das die Walzwerke Einsal mit der Ermittlung der Täter beauftragt hatten, überstiegen den Wert des vorübergehend abhanden gekommenen Schrotts um ein Vielfaches.

Einer der privaten Ermittler, der als Zeuge aussagen sollte, entschuldigte sich am zweiten Verhandlungstag mit einer Erkrankung. Der Prozess gegen den vierten Angeklagten, dem stattliche 222 Stahldiebstähle vorgeworfen werden, musste deshalb vertagt werden. Der langjährige Mitarbeiter der Walzwerke bestritt aber lediglich die ihm vorgeworfene hohe Anzahl von Diebstählen. Deshalb mussten der Geschäftsführer und der Betriebsleiter der Walzwerke erläutern, wie es zu den Ermittlungen im Unternehmen gekommen war. Von Stahlknüppeln wird vor der Weiterverarbeitung ein bis zu zehn Zentimeter dickes Endstück abgeschnitten. Eine solche Scheibe wiegt etwa fünf Kilogramm und bringt auf dem Schrottmarkt zwischen fünf und zehn Euro. Anfang 2011 wurde festgestellt, dass der Schrott zwar vorschriftsmäßig getrennt wurde, in der Schrottbox für diese Endstücke aber nichts ankam. Mit dieser Beobachtung begannen die Ermittlungen, in deren Verlauf sehr bald festgestellt wurde, „dass es unsere Mitarbeiter waren, die sich da bedienten.“ Zwar konnten die Zeugen relativ genau sagen, wieviel Metall in den Schrottboxen hätte landen müssen. Die Ermittlungen aber waren weit davon entfernt, präzise Auskünfte darüber machen zu können, wann der Angeklagte wieviel Schrott mit nach Hause genommen hatte. Die Zahl von über 200 Diebstählen hatte er allerdings gegenüber dem beauftragten Detektivbüro geäußert. Dieser Frage soll mit Hilfe des Detektivs am 20. Februar erneut nachgegangen werden. Der Polizist, der am Donnerstag als Zeuge im Amtsgericht erschien, konnte zu den vorangegangenen Ermittlungen kaum etwas sagen. „Es war alles schon gelaufen.“ Er berichtete allerdings von der Sicherstellung von rund acht Tonnen Edelstahlschrott in den Gartenlauben von zwei der Beschuldigten. ▪ Thomas Krumm

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