Quartett gibt Diebstahl von Edelstahlschrott zu

Die Polizei stellte in einem Schrebergarten fünf Tonnen Stahlschrott sicher (Symbolfoto).

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ So viel Kopfschütteln war selten im Amtsgericht Altena: Wegen fortgesetzten Diebstahls von Edelstahlschrott müssen sich seit Dienstag vier ehemalige Mitarbeiter der Walzwerke Einsal verantworten. Die Männer räumten die Tatvorwürfe im Wesentlichen ein.

Im Zeitraum zwischen Mai 2010 und März 2012 schleppten die Mitarbeiter in Rucksäcken und in der Kleidung jeweils 15 bis 20 Kilogramm Stahlschrott vom Werksgelände der Walzwerke Einsal – mehr passte nicht auf die Motorroller, mit denen sie nach der Schicht nach Hause, in eine Garage oder einen Schrebergarten fuhren. Dort stapelten sich die Vorräte: Fünf Tonnen stellte die Polizei in einem Schrebergarten sicher. Die Ware erwies sich jedoch als Ladenhüter. „Wir haben kein einziges Kilogramm verkauft“, jammerte einer der 38-Jährigen. „Wie haben Sie sich denn vorgestellt, dass Sie das Zeug an den Mann bringen?“, fragte Richter Dirk Reckschmidt.

„Einmal haben wir für 300 Euro verkauft“, wusste ein 51-jähriger Angeklagter jedoch kaum Besseres zu berichten als sein 38-jähriger Kollege. Dem Ältesten in dem Quartett, das ein bandenmäßiges Handeln bestritt, wurden stattliche 222 Diebstähle vorgeworfen. Wie die anderen Angeklagten im Alter von 32 und zweimal 38 Jahren, die zwischen 86 und 131 Mal zugelangt haben sollen, verlor er deshalb seine Arbeit bei den Walzwerken. Und so fragte ein immer wieder den Kopf schüttelnder Richter Dirk Reckschmidt: „17 Jahre beschäftigt, eine feste Arbeitsstelle – wie kann man so doof sein?“ Der 51-Jährige schimpfte über seine Dummheit mit drastischen Worten, in die alle Angeklagten nach und nach miteinstimmten: „Das war so eine richtige Scheiße, die wir in Deutschland gemacht haben.“

Auf die Frage nach den Gründen für die Diebstähle gab es Antworten der Angeklagten, die diese aber nicht als ernsthafte Rechtfertigung vortrugen: 2010 habe es Kurzarbeit im Unternehmen gegeben. Um den Einkommensausfällen zu begegnen, sei man auf die Idee mit den Schrottdiebstählen gekommen. Der Wert der gestohlenen Ware war aber nicht unbeträchtlich: Schrotthändler zahlen unter durchsichtigeren Bedingungen mindestens 1,50 Euro pro Kilogramm. Die sichergestellten fünf Tonnen hatten also einen Wert von rund 7500 Euro.

Über die Schrottdiebstähle hinaus hatten die Angeklagten noch eine weitere Geschäftsidee: Regelmäßig zapften sie Dieselkraftstoff aus den Firmengabelstaplern ab, um ihre eigenen Fahrzeuge damit zu füttern. „Was soll so ein Sch… mit Dieselzapfen?“, fragte ein erneut konsternierter Richter. Um die Angeklagten möglicherweise besser zu verstehen, setzte Dirk Reckschmidt die Verhandlung schließlich aus. Am 31. Januar soll ein Dolmetscher für die russische Sprache auch die Feinheiten bei der Planung dieses Coups herausarbeiten helfen. ▪ Thomas Krumm

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