Suspendierung und Abmahnungen

Feuerwehr-Spritztour mit Folgen

Gemeindebrandinspektor Michael Kling sieht sich persönlichen Angriffen ausgesetzt.

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Die nicht genehmigte Ausflugsfahrt mit einem Einsatzfahrzeug beschäftigt weiterhin Feuerwehr und Politik in der Doppelgemeinde. Fünf Mitglieder der Löschgruppe Veserde waren am Karnevalssonntag mit einem Mannschaftstransportwagen nach Köln gefahren – und hatten dabei auch noch einen Unfall verursacht.

Wäre es nicht zu dem Unfall gekommen, vielleicht hätten offizielle Stellen von der Spritztour gar nichts erfahren. Aber die Feuerwehrmänner auf Abwegen hatten in der Domstadt die Standheizung ihres Fahrzeugs laufen lassen. Danach war der Motor des Ford Transit nicht mehr angesprungen. Die Männer versuchten, ihn durch Anschieben wieder zum Laufen zu bringen – und dabei ist es dann passiert: Sie beschädigten nicht nur den eigenen Kleinbus – es blieb eine Beule in der Tür zurück –, auch ein anderes Fahrzeug wurde in Mitleidenschaft gezogen.

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Wieder zurück in Veserde, „beichteten“ die Männer Gemeindebrandinspektor Michael Kling, was passiert war. „Sie haben den Schaden unmittelbar nach ihrer Rückkehr gemeldet“, betonte Kling im Gespräch mit dem Altenaer Kreisblatt, dass niemand auch nur den Versuch unternommen habe, etwas unter den Teppich zu kehren. Das bestätigten am Montag auch Bürgermeisterin Birgit Tupat und der zuständige Fachbereichsleiter Axel Boshamer. Der Wehrleiter habe sie sofort nach diesem Vorfall informiert und intern sei sofort „die Marschroute festgelegt worden“, erklärte Boshamer, während Tupat versicherte, sofort die Politik informiert zu haben.

Die Marschroute, von der Boshamer sprach, sah so aus, dass der stellvertretende Leiter der Löschgruppe Veserde, der an dem nicht genehmigten Ausflug teilgenommen hatte, mit sofortiger Wirkung von seinen Führungsaufgaben entbunden wurde, während die anderen Teilnehmer abgemahnt wurden. Außerdem müssen sie nicht nur für den entstandenen Unfallschaden finanziell gerade stehen, sondern auch die Spritkosten für die 200-Kilometer-Fahrt aus eigener Tasche bezahlen. „Das ist alles völlig unstrittig. Es gibt eine einhellige Meinung über die Vorgänge“, versicherte Kling, dass die fünf Männer ihre Verfehlung auch längst eingesehen hätten.

Trotzdem ist die Verärgerung bei Wehrleitung und Verwaltung nach wie vor groß. Die nicht genehmigte Verwendung des Fahrzeugs hätte nach Darstellung von Kling und Boshamer im Ernstfall dazu führen können, dass die Löschgruppe Veserde nicht einsatzfähig gewesen wäre. Allein deswegen sei eine Genehmigung für die Fahrt nach Köln erforderlich gewesen.

Zur Suspendierung des stellvertretenden Löschgruppenführers gab es nach Einschätzung von Kling, Boshamer und Tupat keine Alternative. Der Posten soll jetzt kurzfristig neu besetzt werden. Kosten, etwa durch notwendige Lehrgänge, entstehen der Gemeinde dadurch nach Klings Angaben nicht. „Der Posten kann ohne weitere Ausbildung nachbesetzt werden“, sagte der Gemeindebrandinspektor, der sich seit dem Bekanntwerden der ganzen Angelegenheit auch persönlichen Angriffen ausgesetzt sieht. „Ich erhalte anonyme Drohungen“, erklärte er gestern im Gespräch mit dem Altenaer Kreisblatt. Vorgeworfen wird ihm unter anderem, ein persönliches Problem mit dem suspendierten Feuerwehrmann zu haben.

Kling weist das energisch zurück: „Wir haben zusammen die Grundausbildung gemacht, kennen uns seit 25 Jahren. Wir haben mit Sicherheit kein Problem miteinander.“ Von Bürgermeisterin Tupat erhält Kling volle Rückendeckung: „Ich finde es bedauerlich, dass insbesondere der Wehrleiter derart angegriffen wird. Das ist ein unmögliches Verhalten“, sagte sie und war gleichzeitig verärgert darüber, dass die Spritztour mitsamt ihren Folgen nun ein schlechtes Licht auf die gesamte Feuerwehr werfe. „Wir wollten ja eigentlich eine Werbeaktion für die Feuerwehr durchführen. Das ist aber jetzt wohl ein schlechter Zeitpunkt“, so die Bürgermeisterin.

Bleibt schließlich noch die Frage zu klären, warum die fünf Feuerwehrmänner ausgerechnet am Karnevalssonntag mit einem Feuerwehrfahrzeug nach Köln fahren mussten. Anlass soll nach Informationen des Altenaer Kreisblatts das 10-jährige Bestehen der Jugendfeuerwehr im Kölner Stadtteil Ensen gewesen sein. Tatsache ist, dass die Löschgruppe Veserde eine Freundschaft mit Freiwilligen Feuerwehr Ensen-Westhoven unterhält und dass die dortige Jugendfeuer anlässlich ihres kleinen Jubiläums am 10. Februar an einem Karnevalsumzug teilgenommen hat. Damit hätte die Ausflugsfahrt immerhin noch einen halboffiziellen Charakter gehabt, wenn sie wenigstens genehmigt gewesen wäre. Dass dies wirklich der Anlass für die Ausflugsfahrt gewesen ist, konnte Gemeindebrandinspektor Kling am Montag jedoch nicht bestätigen. „Davon ist mir nichts bekannt“, sagte er. ▪ Volker Griese

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