Neue Männer braucht das Rathaus

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Viele Frauen, wenige Männer arbeiten im Amtshaus.

Nachrodt-Wiblingwerde – Nachrodt benötigt keine Gleichstellungsbeauftragte, sondern einen Mann, der sich für die Interessen seines Geschlechts einsetzt. So könnte man amüsiert schlussfolgern, nachdem die Verwaltung den Gleichstellungsplan 2019 bis 2024 aufgestellt hat. Zum Stichtag 30. Juni 2018 waren bei der Gemeindeverwaltung insgesamt 54 Personen beschäftigt, davon 35 Frauen und 19 Männer. Der Chef ist eine Chefin – und es gibt viele Teilzeitkräfte, sodass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf unterstützt wird.

Männer sind allerdings Mangelware, was so schnell wahrscheinlich nicht zu ändern sein wird. Denn: Gleichstellungsplan hin und her – es bewerben sich hauptsächlich Frauen, sei es auf Ausbildungsplätze oder auch auf frei werdende Stellen. „Natürlich sind wir auch immer froh, wenn sich Männer bewerben. Aber in der Wirtschaft sind die Verdienstmöglichkeiten besser – und der Blick geht dahin“, so Bürgermeisterin Birgit Tupat. Dass die Verwaltung mit überproportional vielen Frauen schlechter laufe als früher mit vielen Männern, kann sie so gar nicht bestätigen. „Man hört ja oft, dass Frauen untereinander Probleme haben, aber das kann ich für unsere Verwaltung überhaupt nicht sagen. Im Gegenteil.“ Also: Frauen hacken sich nicht die Augen aus.

Keine Wohlfühl-Angebote

Und Frauen sind ohnehin die besseren Chefs? „Da sage ich mal Ja“, lacht Birgit Tupat. An ihrem Führungsstil hat sie in den letzten Jahren durchaus das eine oder andere geändert: „Man bezieht die Mitarbeiter in vielen Bereichen viel stärker mit ein als früher. Aber irgendwann ist die Diskussion auch zu Ende und es müssen Entscheidungen her. Und dafür trage ich die Verantwortung. Das ist mir sehr bewusst.“ Die Mitarbeiter, weiblich oder männlich, sollen gern in der Verwaltung arbeiten. Das ist für die Bürgermeisterin wichtig.

Bürgermeisterin Birgit Tupat

Was es allerdings nicht gibt, sind Wohlfühl-Angebote oder Physiotherapeuten, die ins Amtshaus kommen und die Mitarbeiter ein- oder zweimal pro Woche massieren. Das Thema „Work Life Balance“, aktuell in aller Munde, ist in Nachrodt noch nicht in dieser Form angekommen. Gemeint ist der Versuch, private und berufliche Interessen in Einklang zu bringen. Mit anderen Worten: Nicht nur malochen. „So abwegig ist der Gedanke ja gar nicht“, sagt Bürgermeisterin Birgit Tupat. „Heute kümmert man sich mehr um die Mitarbeiter. Und das ist auch gut so“, sagt sie. Der Druck auf die Mitarbeiter wachse stetig und da sei es auch gut, mal eine kleine Auszeit zu bekommen. Entscheidend sei, dass sich die Mitarbeiter im Haus wohlfühlen und zufrieden seien. Als Anerkennung gibt es von der Bürgermeisterin immer mal wieder Kleinigkeiten zu Weihnachten, Ostern oder beispielsweise St. Martin. „Das ist aber eine persönliche Sache von mir, das läuft nicht über irgendeine Kasse der Kommune“, sagt Birgit Tupat.

Heute kümmert man sich intensiver

 Dass wie in einigen IT-Unternehmen die Mitarbeiter kommen, wann sie wollen, oder Homeoffice machen, ist bei der Gemeindeverwaltung nicht möglich. Es gibt Gleitzeit. Im Amtshaus kann von zwischen 6.30 und 8 Uhr seinen Job beginnen. Irgendwann zwischen 12 und 14 Uhr – da ist das Amtshaus geschlossen – sollte die Mittagspause anstehen. Montags ist die Verwaltung immer bis 16 Uhr geöffnet, dienstags und donnerstags bis 17 Uhr, freitags bis 12 Uhr, mittwochs bis 12.30 Uhr. „Wir haben das so geregelt, dass auch die Teilzeitkräfte einen Nachmittag arbeiten. Die sind also nicht nur vormittags da“, sagt Birgit Tupat. Die Zeiten der Männerdomänen sind vorbei – in den technischen Bereichen beispielsweise. Während früher Frauen eher als Schreibkräfte im Bauamt waren, übernehmen sie heute genauso Verantwortung. Und auch die Ausbildung sieht anders aus: „Als ich in der Ausbildung war, bin ich so mitgelaufen. Heute kümmert man sich viel intensiver“, sagt Birgit Tupat. Gut ausbilden und dann übernehmen, denn „wenn man nur Zeitverträge anbietet, kommen die anderen Städte zum Zug. Die suchen auch händeringend.“ Der Gleichstellungsplan, der heute (7. Mai) während der Sitzung des Hauptausschusses (öffentlich, 17 Uhr Sekundarschule) vorgestellt wird, hat zum Ziel, die Forderungen des Grundgesetzes und des Landesgleichstellungsgesetzes nach Gleichbehandlung von Frauen und Männern in den Aufgabenbereichen der Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde zu verwirklichen.

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