Versöhnungsschritte auf der Friedenstreppe

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Mit Manfred Prass (hinten links) und Andrea Henze (Mitte) vom Kreisjugendamt lernte die Klasse 2 b von Lehrer Florian Rosenthal (hinten rechts), wie man Konflikte gewaltfrei lösen kann. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Wo viele unterschiedliche Charaktere aufeinander treffen, funktioniert das Zusammenleben nicht immer reibungslos. Das ist in der Familie oder am Arbeitsplatz so, aber auch in einer Schulklasse. Wie man Konflikte lösen und ein friedliches Miteinander wieder herstellen kann, das hat jetzt die Klasse 2b der Grundschule Nachrodt gelernt.

In vier Unterrichtseinheiten zu je 90 Minuten haben die 20 Mädchen und Jungen an dem Projekt „Komm, wir finden eine Lösung“ teilgenommen. Die Trainer Manfred Prass und Andrea Henze vom Erzieherischen Kinder- und Jugendschutz des Kreisjugendamtes haben den Sieben- und Achtjährigen die Regeln für ein friedliches Miteinander vermittelt. Eine der wichtigsten dabei: dem anderen aktiv und gut zuhören. Denn nur wer richtig zuhört, kann verstehen, was den anderen bedrückt. Genau so wichtig ist aber auch, seine Sichtweise der Dinge verständlich zu machen, denn nur dann kann die Botschaft beim Gegenüber auch richtig ankommen.

Doch oftmals ist es gar nicht so leicht, die richtigen Worte zu finden. Deshalb lernten die Zweitklässler auch, welche geeignet sind, um gewaltfrei miteinander zu kommunizieren, den anderen also nicht mit Worten zu verletzen. Und wenn man dann erst einmal über ein Problem reden kann, kommt die Lösung oftmals von ganz alleine, war die Erfahrung, die die Kinder im Laufe des Projektes machten. Eine Hilfestellung war die Friedenstreppe, die die Kinder Stufe für Stufe erklommen, bis schließlich ganz oben zwei ehemalige Kontrahenten als gemeinsame Gewinner standen. Zum Abschluss des Projektes erhielten alle Schüler am Freitag eine Urkunde.

„Kinder haben heute zunehmend Probleme, ihre Gefühle auszudrücken“, weiß Manfred Prass aus langjähriger Erfahrung. Dabei sei es das A und O, seine Gefühle in Worte zu fassen, anstatt andere durch Forderungen unter Druck zu setzen. Und noch eine Beobachtung hat Manfred Prass gemacht: „Es werden wieder Regeln eingefordert“ – zum Vorteil der Kinder, wie er glaubt. „Denn Regeln geben Klarheit und Orientierung für das Zusammenleben in einer Gemeinschaft“, so der Sozialpädagoge.

Die Verleihung der Urkunden zum Abschluss am Freitagmorgen war übrigens nur das vorläufige Ende des Projektes. Eine dicke Überraschung folgt noch. Die hängt mit dem Wunschbaum zusammen, den die Kinder während des vierteiligen Seminars mit ihren Wünschen bestückt haben. Dort sollen sie nun ein paar Wochen reifen, bis in der Schule ein Wundertag ansteht, an dem der eine oder andere Wunsch in Erfüllung gehen könnte.

Die Klasse von Lehrer Florian Rosenthal war übrigens die erste in der Doppelgemeinde, die in den Genuss dieses Trainings gekommen ist. „Um das flächendeckend anzubieten, fehlen uns einfach die Ressourcen“, erklärte Andrea Henze. Deshalb würden auch solche Schulen bevorzugt bedient, die an den „Mut-tut-gut“-Seminaren für Viertklässler teilnehmen und „Mut-tut-gut“-Moderatoren stellen. ▪ vg

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