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Verschmelzung zur Trinitatis-Kirchengemeinde: Gemeindeglieder äußern Kritik

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Von: Lydia Schmitz-Machelett

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In Wiblingwerde informierte unter anderem Pfarrerin Anke Leuning die Gemeindeglieder.
In Wiblingwerde informierte unter anderem Pfarrerin Anke Leuning die Gemeindeglieder. © Machelett, Lydia

Es ist die einzige zukunftsfähige Lösung, da waren sich alle einig. Mit großer Freude blicken die Gemeindeglieder der evangelischen Kirchengemeinden Wiblingwerde, Nachrodt-Obstfeld und Altena dennoch nicht in die Zukunft. Jede Gemeinde hätte wohl lieber die Eigenständigkeit behalten.

Aber es ist nicht mehr die Zeit für Kirchturmdenken. Schwindende Gemeindegliederzahlen zwingen zum Umdenken. Um zukunftsfähig zu bleiben, sind neue, teils unbequeme Entscheidungen zu treffen und bereits getroffen worden. Wenn aus drei Gemeinden eine wird, tut das an einigen Stellen weh. Jeder muss Zugeständnisse machen, Kompromisse eingehen. Wie das Ganze genau funktioniert, erfuhren die Gemeindeglieder am Sonntag. Im Anschluss an die Gottesdienste fanden in allen drei Gemeinden Versammlungen statt.

In Wiblingwerde informierten Rainer Nowak und Pfarrerin Anke Leuning die Besucher. Knapp 30 hatten sich dazu im Saal des Gemeindehauses versammelt. Evangelische Trinitatis-Kirchengemeinde Mark wird die neue Gemeinde heißen. Ab dem 1. Januar 2023 wird das der Fall sein. Offiziell wird der Zusammenschluss Pfingsten 2023 gefeiert. Natürlich gab es auch Kritik. „Ihr habt uns versprochen, dass die Eigenständigkeit auf jeden Fall erhalten bleibt. Das ist jetzt nicht so. Auch habt Ihr versprochen, die Gemeinde mit einzubeziehen – jetzt werden wir vor vollendete Tatsachen gestellt“, beschwerte sich beispielsweise Erika Renfordt-Atar. „Es wurde alles im stillen Kämmerlein beschlossen. Wir wurden gar nicht mit ins Boot geholt. Viele Jahre durften wir hier machen und tun, um alles am Laufen zu halten – und jetzt?“, monierte Ralf Machelett, Vorsitzender des Wiblingwerder Fördervereins Dorfkirche Aktiv. Es gebe viel zu viele offene Fragen. Beispielsweise, was mit der Stiftung passiere, die laut Testament explizit für Wiblingwerde wäre.

Pfarrerin versucht Kommunikationsdefizite zu erklären

Pfarrerin Anke Leuning begründete die Kommunikationsdefizite: „Wir hatten Gemeindeversammlungen im vergangenen Jahr geplant, aber genau dann ging Pfarrer Sadrack Djiokou. Außerdem hatten wir Corona.“ Rainer Nowak entgegnete: „Wir haben seit Jahren einen sechsten Platz im Presbyterium unbesetzt. Wer mehr wissen wollte, hätte sich ja da einbringen können.“

Schwer fällt den Wiblingwerdern auch der Abschied vom reformierten. Der Bekenntnisstand der neuen Kirchengemeinde wird uniert sein. „Das unierte Bekenntnis bewahrt ausdrücklich sowohl das lutherische als auch das reformierte Erbe. Als Gottesdienstordnung soll auch nach der Fusion in Wiblingwerde die Form der reformierten Tradition erhalten bleiben“, heißt es im Beschluss.

Ängste und Sorgen auch in Nachrodt

Auch in Nachrodt gibt es natürlich Sorgen und Ängste. Presbyterin Gundula Schulze appellierte an die Anwesenden: „Die neue Kirchengemeinde wird so gut, wie wir sie gestalten. Es liegt an uns, sie mit Leben zu füllen.“ Auch dort hatten sich etwa 30 Interessierte nach dem Gottesdienst in der Kirche versammelt. „Wir wissen schon seit Jahren, dass wir gucken müssen, wie wir uns für die Zukunft stark aufstellen. Und dazu gehört eben, dass wir größer denken müssen“, sagte Pfarrer Wolfgang Kube. In Nachrodt dachten die Gäste sogar schon weiter und überlegten gemeinsam, wie das Zusammenwachsen möglich werden könnte. Ein Vorschlag war, eine Angebotsbörse zu erstellen, in der alle Veranstaltungen und Angebote aufgelistet werden.

In Nachrodt informierte Pfarrer Wolfgang Kube die Gemeindeglieder über die Verschmelzung zur Evangelischen Trinitatis-Kirchengemeinde Mark zum 1. Januar.
In Nachrodt informierte Pfarrer Wolfgang Kube die Gemeindeglieder über die Verschmelzung zur Evangelischen Trinitatis-Kirchengemeinde Mark zum 1. Januar. © Privat

Eine große Veränderung spüren die Nachrodter bereits. Denn der Konfirmandenunterricht wird komplett neu aufgestellt. Bisher wurde der Konfirmandenunterricht parallel zur dritten Klasse durchgeführt. Das ist nun nicht mehr so und man kehrt zum bekannten KU7 zurück – wie eben in Altena und Wiblingwerde. Sprich die Konfirmanden sind im Unterricht wieder deutlich älter. „Wir müssen einfach die Realität sehen. Natürlich wäre es schön, wenn alles so bleiben könnte. Aber die Zeiten ändern sich und mit sinkenden Bevölkerungszahlen werden es auch weniger Gemeindeglieder. Wir haben ja nicht das Problem, dass hier viele aus der Kirche austreten, bei uns gibt es einfach insgesamt weniger Menschen“, erklärte Kube.

Intensive Diskussion auch in Altena

Auch in Altena wurde intensiv diskutiert. Dort war auch Martina Espelöer, Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Iserlohn. In Altena spielten Dinge wie der Bekenntnisstand keine Rolle. „Das unierte wird hier schon länger gelebt. Wir hatten bereits Zusammenlegungen und man weiß, dass vieles funktionieren kann“, erklärte Presbyter Carsten Menzel. Auch in Altena wurde die Veranstaltungen genutzt, um Informationen zu sammeln und durchaus kritische Fragen zu äußern. Beispielsweise wurde nach der freien Kantorenstelle gefragt. „Die neue Kirchengemeinde wird natürlich auch einen Kantor bekommen“, sagte Carsten Menzel. Auch wurde deutlich, dass die Situation ohne Pfarrer belastend ist. Es fehlt ein Ansprechpartner. „Natürlich könnt Ihr uns als Presbyterium ansprechen. Aber wir müssen es derzeit als Gemeinde halt alleine schaffen“, erklärte Menzel. Er rief nochmals das Leitbild der neuen Trinitatis-Kirchengemeinde ins Bewusstsein. „Einheit in Vielfalt – gemeinsam sind wir stärker.“ Genau darauf werde man sich die kommenden Wochen und Monate fokussieren.

Außerdem wurde an die Gruppen und Kreise der Altenaer Gemeinde appelliert, für die neue Homepage ihre Arbeit vorzustellen und kurze Texte und Fotos zu erstellen.

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