Vergilbte Erinnerungsstücke von der Konfirmation

+
„Das Foto hat mein Vater in unserem Garten gemacht“, konnte sich Margarethe Hülle noch an den Tag ihrer Konfirmation 1944 in Hohenlimburg erinnern. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Es bot Anlass zu Erinnerungen, das Frühlingsfest der Senioren, zu dem die Evangelisch-reformierte Kirchengemeinde am Mittwoch rund 90 betagte Gemeindeglieder begrüßte. Im Gemeindehaus suchten die Teilnehmer nach Parallelen und Unterschieden zwischen der Konfirmation einst und heute.

Nachdem das Presbyterium und einige Helfer aus der Gemeinde den Senioren Kaffee, Schnittchen und Kuchen serviert und Pfarrer Thorsten Jacobi auf dem Akkordeon zur Unterhaltung Volkslieder gespielt hatte, widmeten sich die Besucher dem eigentlichen Thema des Nachmittags. Pfarrer Jacobi half dem Erinnerungsvermögen der älteren Generation auf die Sprünge, als er aufzeichnete, wie Konfirmandenzeit und Konfirmation vor einigen Jahrzehnten ausgesehen hatten. Viele der heute mehr als 70-Jährigen hätten sicherlich noch strenge Pastoren erlebt, die ungehorsamen Kindern die Ohren lang gezogen hätten, meinte er. Ganz sicher war er, dass die Konfirmanden der 40er und 50er Jahre ihre Prüfung noch vor der versammelten Gemeinde hatten ablegen müssen. Und in dem einen oder anderen Fall sei die Feier sicherlich auch durch Fliegeralarm unterbrochen worden. Hier und da zustimmendes Nicken oder versonnenes Lächeln in den Reihen der Senioren.

Doch die Besucher des Frühlingsfestes hatten auch ihre ganz eigenen, persönlichen Erinnerungen an ihren Übertritt ins kirchliche Erwachsenenalter mitgebracht. Wie zum Beispiel Gisela Malms, die 1954 in der Lüdenscheider Erlöserkirche zur Konfirmation gegangen ist. Am Kaffeetisch zog sie am Mittwoch ein etwas vergilbtes Schwarz-Weiß-Foto aus einer Papphülle und reichte es in die Runde. Ein ganz besonderes Erinnerungsstück hatte Marie Elisabeth Börner mitgebracht. Sie war 1941 in einem kleinen Dorf in Hessen konfirmiert worden. „Da war es üblich, dass die Paten den Konfirmanden ein solche Kombination aus Bibel und Gesangbuch schenkten“, erklärte sie mit Hinweis auf das dicke, in Leder gebundene Buch, dass sie in der Hand hielt.

Noch älter war das Gesangbuch, das Ruda Schröder mitgebracht hatte. Es stammt aus dem Jahr 1925 und hatte ursprünglich ihrer Mutter gehört. Zusammen mit einem Foto von ihrer Konfirmation im Jahr 1948 ist es für sie eine schöne Erinnerung an ihre Kinder- und Jugendzeit auf Norderney.

Ihren Konfirmationsspruch und ein Foto vom Konfirmationstag, das ihr Vater 1944 im elterlichen Garten in Hohenlimburg aufgenommen hatte, ließ Margarethe Hülle am Mittwoch Nachmittag von Hand zu Hand gehen. Etwas jünger waren das Konfirmationsfoto und das Gesangbuch von Edith Ide, die 1956 in Wiblingwerde konfirmiert worden ist. Das waren jedoch nur einige Erinnerungsstücke, die Pfarrer Thorsten Jacobi in die Hand nahm, um mit den Senioren über vergangene Zeiten zu reden, die gewiss nicht immer schön gewesen sind. Aber im Rückblick legte sich darüber ein Schleier wie über die vergilbten Fotos, und man konnte darüber lächeln. ▪ vg

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare