Gemeinde will Zutritt zum Stadion kontrollieren

Die Gemeinde will das Wilhelm-Mestekämper-Stadion wieder für die Allgemeinheit öffnen, gleichzeitig aber kontrollieren, wer wann das Stadiontor passiert.  Foto: Griese

Nachrodt-Wiblingwerde - Die Gemeinde trägt sich mit dem Gedanken, das Wilhelm-Mestekämper-Stadion wieder für jedermann zugänglich zu machen. Allerdings soll der Zutritt über ein Chip-System kontrolliert werden. Davon sind nicht alle begeistert.

Seit der Einführung der Benutzungsgebühren für Sportstätten vor rund zwei Jahren haben Hobbysportler, die nicht im Verein trainieren, ein Problem: Das Stadion in Nachrodt steht ihnen nur noch sehr eingeschränkt zur Verfügung. In aller Regel ist es verschlossen, wenn nicht gerade Vereinstraining stattfindet. Und selbst dann ist es offenbar nicht selbstverständlich, dass zum Beispiel Läufer ihre Runden drehen können,während Fußballer trainieren. So soll es vorgekommen sein, dass Vereinssportler die alleinige Nutzung des Stadions für sich beansprucht haben. Ihr Argument: Der Verein bezahlt Benutzungsgebühr, die anderen Hobbysportler nicht.

Das will die Gemeinde jetzt ändern. Auf Antrag der SPD-Fraktion hat sich der Gemeinderat bereits im Juni mit dem Thema befasst und beschlossen, ein System einzuführen, mit dem der Zutritt zum Stadion kontrolliert werden kann. Damit solle dann auch all denen ein Zugang zu der Sportstätte ermöglicht werden, mit deren Steuergeld der Bau überhaupt erst ermöglicht worden sei, hieß es. Mittlerweile hat die Gemeindeverwaltung verschiedene Möglichkeiten einer Zutrittskontrolle untersucht. Dazu gehören unter anderem eine Videoüberwachung und ein Fingerabdrucksensor. Der Favorit von Sportausschuss und Gemeinderat, die sich kürzlich mit dem Thema befasst haben, ist jedoch eine Zutrittskontrolle durch ein Chipsystem. Dazu müssten die mechanischen Schließzylinder im vorhandenen Stadiontor durch elektrische Schließzylinder ersetzt werden, die sich mit einem Chip öffnen lassen. Die Chips wären gegen eine Kaution von 60 bis 70 Euro imAmtshaus erhältlich und könnten individuell programmier werden. So könnte jederzeit nachvollzogen werden, wer genau wann und wie lange dasStadion benutzt hat. Auf Basis dieser Daten könnte die Gemeinde dann auch von Individualsportlern Benutzungsgebühren von 3,50 pro Stunde erheben.

Ganz billig wäre die Einführung des Chipsystems allerdings nicht. Die Verwaltung rechnet mit Kosten in Höhe von gut 8000 Euro, um das Tor und die Türen der Umkleidekabinen umzurüsten, etwa 60 Chips und die erforderliche Programmiersoftware anzuschaffen. Immerhin könnte die Software, die alleine rund 3500 Euro kosten soll, auch benutzt werden, um noch andere öffentliche Gebäude auf das Chipsystem umzurüsten. Der Märkische Kreis, diverse Feuerwehren, Städte und Gemeinden und auch die Walzwerke Einsal hätten mit diesem System gute Erfahrungen gemacht, hat die Verwaltung herausgefunden.

Während sich SPD und CDU mit einer Zutrittskontrolle durch das Chipsystem durchaus anfreunden könnten, sind der UWG die dadurch entstehenden Kosten schlicht zu hoch. „Das ist den Bürgern nicht zu vermitteln. Mit dieser Summe können die Vereine das Stadion fast drei Jahre lang kostenlos nutzen“, rechnete UWG-Fraktionschef Johannes Illerhaus in der Ratssitzung vor. Eine sehr überschlägige Rechnung, denn derzeit nimmt die Gemeinde jährlich rund 3500 Euro Nutzungsgebühren ein. UWG-Ratsfrau Sonja Hammerschmidt sah in dem Chip und der relativ hohen Kautionsgebühr eine Hemmschwelle, ihr Fraktionskollege Walter Voß appellierte an das Gewissen der Ratsmitglieder, wenn sie einen so hohen Betrag „zum Fenster hinaus werfen“.

Ihn plage kein schlechtes Gewissen, wenn er sich um eine pflegliche Behandlung der öffentlichen Sportstätten bemühe, konterte CDU-Fraktionschef Peter Herbel. Es gehe hier darum, das Stadion der Bevölkerung der Gemeinde zugänglich zu machen, gleichzeitig aber Benutzer aus umliegenden Orten auszusperren. Der SPD-Fraktionsvorsitzenden Susanne Jakoby ging es auch um Gleichberechtigung von Vereins-und Individualsportlern. „Wer einen Chip besitzt, hat dann das gleiche Nutzungsrecht wie die Vereine“, argumentierte sie.

Eine endgültige Entscheidung traf der Gemeinderat am Montag noch nicht.Allerdings sprach er sich mit den Stimmen von SPD und CDU dafür aus, das Chipsystem weiter zu verfolgen. - Volker Griese

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