1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Nachrodt-Wiblingwerde

Unwetter und seine Folgen: Der Tag 2 in Nachrodt

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Lydia Schmitz-Machelett

B236 in Einsal: Der Schutt ist mittlerweile zur Seite geräumt. Bis hier wieder Verkehr fließt, wird es aber noch dauern.
B236 in Einsal: Der Schutt ist mittlerweile zur Seite geräumt. Bis hier wieder Verkehr fließt, wird es aber noch dauern. © Robert Szkudlarek

Gesperrte Straßen, Wassermassen und ein gemeinsamer Kraftakt: So lief der Tag nach dem verheerenden Hochwasser.in Nachrodt-Wiblingwerde.

Nachrodt-Wiblingwerde - Aktionismus, Dankbarkeit, Verzweiflung und Hoffnung: Die Nachrodt-Wiblingwerder durchleben derzeit ein Wechselbad der Gefühle. Das Adrenalin der vergangenen Stunden ist verschwunden, das ganze Ausmaß der Katastrophe wird am Donnerstag (15. Juli) sichtbar – allerorts fließen Tränen.

„Wir sind so dankbar, dass die Feuerwehr uns so geholfen hat. Wir wären diese Nacht bestimmt abgesoffen – so sind die Schäden zwar groß, aber unser Haus ist gerettet“, freut sich ein Anwohner aus der Brenscheider Mühle.

Aufbruchstimmung mit Besen, Schaufel und Co.

Seit dem Nachmittag hatten die Feuerwehr und Bauunternehmer Thomas Bäcker alles gegeben, um einen Damm zu errichten, der verhindert, dass der kleine Bach den Ort und die Häuser komplett flutet. Ein Wettlauf mit der Zeit. „Klar, wir haben richtig hoch Wasser im Keller. Aber letztlich ist das sogar eine richtig gute Nachricht“, erzählt der Bewohner.

Allgemein herrscht in der Gemeinde Aufräumstimmung. Mit Besen, Schaufeln und Harken werden die gröbsten Spuren beseitigt. Vielen Anwohnern stehen die letzten Stunden jedoch ins Gesicht geschrieben. Manch einer ist seit mehr als 24 Stunden auf den Beinen. Die Kräfte lassen nach.

Weiterhin Chaos am Bahnübergang Helbecke

Auch Feuerwehrchef Mark Wille ist erschöpft: „Die Lage entspannt sich. Dennoch gibt es immer noch Stellen, in denen höchste Vorsicht geboten ist.“ An manchen Stellen könne man auch noch gar nicht richtig die Schäden abschätzen, da immer noch viel zu viel Wasser fließe. Die aktuellen Entwicklungen gibt‘s in unserem News-Ticker

Am Bahnübergang Helbecke sei es derzeit noch unmöglich zu arbeiten. Das Wasser habe immer noch viel zu viel Kraft. Die Bundesstraße wird vermutlich noch lange gesperrt sein. Mitarbeiter der Stadtwerke und der Feuerwehr waren vor Ort und behielten die Lage im Blick. Ebenso wie jede Menge Hochwasser-Touristen. Von den Bahnschienen ist auf einer Strecke von etwa 200 Metern gar nichts mehr zu sehen. Dicke Geröllschichten begraben das Gleisbett.

Schmalsgrotte hart getroffen

Am Eickhoff herrscht derweil Aufbruchstimmung. Mit langen Rohren versuchte man, das Wasser auf die Wiesen umzuleiten. Die Nachbarn helfen sich gegenseitig. Schwereres Gerät hat keine Chance die kleine Ortslage am Kreinberg zu erreichen. Ein ähnliches Bild im Wördener Bachtal.

„Wir haben aktuell wirklich keine Ahnung, wo die Straße noch überall unterspült ist. Es wäre viel zu gefährlich, schwere Maschinen darüber zu schicken. Überall gibt es schwere Schäden“, sagt Mark Wille. In der Schmalsgotte machen die Anwohner Pause. Sie können gerade nichts tun. Die Sandsackdämme scheinen zuhalten, aber das Wasser fließt noch zu stark. An Aufräumen ist dort derzeit noch nicht zu denken.

K24 bleibt gesperrt

Die Nordhelle bleibt weiterhin gesperrt. Auch dort haben Wasser und Schlamm große Schäden angerichtet. Gesperrt ist auch nach wie vor die K24 zwischen Veserde und Hohenlimburg. Die Straße gibt es auf einigen Abschnitten schlicht nicht mehr. Weggespült wurden auch Teile der Zufahrt zur Becke. Auch dort waren die Feuerwehr und Tiefbauer stundenlang im Einsatz um die schlimmsten Schäden am Haus zu verhinden.

Der Dümpel war ebenfalls von der Außenwelt abgeschlossen. Das Lennehochwasser versperrt den Weg. „Es ist absolut unfassbar. Die Schäden können wir noch gar nicht abschätzen“, sagt Bürgermeisterin Birgit Tupat, die ihren Urlaub vertagt hat. Es gebe so unfassbar viele menschliche Schicksale und das ganze Ausmaß werde wohl erst in den kommenden Wochen deutlich.

Auch interessant

Kommentare