Das Ehrenmal, eine Note und die Geschichte

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Das Ehrenmal ist eingerüstet. Die Untersuchungen der Bausubstanz finden in dieser Woche statt.

Nachrodt-Wiblingwerde - Nein, es ist nicht das nächste marode Bauwerk der Gemeinde. Das Ehrenmal ist eingerüstet, da in dieser Woche eine „ganz normale“ Untersuchung der Bausubstanz stattfindet. Alle drei Jahre wird das Ehrenmal unter die Lupe genommen.

 Das großes Denkmal mit Vorplatz und einem Aufstieg zu einer Kanzel wird vom Ingenieurbüro Warns und Partner „auf Herz und Nieren“ geprüft. Dabei gibt es – ähnlich wie bei Brückenuntersuchungen – en Beurteilungssystem mit den Noten 1 bis 4. Mit der Note 2,8 hatte das Ehrenmal beim letzten Mal ein knappes Ausreichend bekommen. Ein augenscheinlich permanentes Problem sind die Fugen, aus denen der Mörtel herausfällt, der Wildwuchs in den Fugen und geschädigte Abdeckplatten.

Vor genau 20 Jahren gab es eine Kostenschätzung für eine Komplettsanierung in Höhe von umgerechnet 125000 Euro. Damals entschied man sich aber für das „Allernötigste“. Eine laufende Unterhaltung ist deshalb ständig im Blick. Das Ehrenmal ist ein wahrlich geschichtsträchtiges Bauwerk, das am 19. Juni 1932 im Beisein von 1500 Bürgern der Gemeinde eingeweiht wurde.

 Sechs Jahre hatte der Ehrenmalverein damals für die Gedenkstätte gekämpft – sollte sie doch an die 112 im Ersten Weltkrieg gefallenen Bürger aus Nachrodt und Iserlohn-Stenglingsen erinnern.

So einfach war es nicht

Einen spannenden Bericht veröffentlichte Friedrich Petrasch im „Märker“ 1992 – und stellte diesen dem AK zur Verfügung. Darin berichtet Petrasch von den Schwierigkeiten der Grundstücksfrage ebenso wie über die unterschiedlichen Entwürfe für das Ehrenmal.

Das Preisgericht entschied sich 1931 für das Modell von Dipl.-Ing. Hans Strobel aus Dortmund, dessen Entwurf „wie kein anderer in geschickter und klarer Weise der Landschaft angepasst ist und auch dessen Fernwirkung von der steil aufragenden Felskuppe aus sehr günstig sein wird.“

Das Ehrenmal, weitgehend frei von damals verbreitetem nationalem, oft auch militärischen Pathos, kann auch heute noch durch seine Schlichtheit beeindrucken: Mit zwei elf Meter hohen Säulen, deren untere Säulen 4,50 Meter auseinanderstehen. In zwei Meter Höhe ist eine Rednerkanzel eingebaut.

Der Krieg wurde damals ganz offensichtlich in unkritischer Distanz betrachtet. „Wir erleben hier keinen Nationalismus und keinen Militarismus, aber eine national-konservative Einstellung, die zwar nicht alle, aber viele Deutsche kritiklos machte gegenüber in diesen Jahren heranstürmenden Nationalsozialismus“, sagt Friedhelm Petrasch in Betrachtung der Einweihungsfeier und der Festansprachen für das Ehrenmal. Schulkinder sangen im Chor „Kein schöner Tod auf dieser Welt, als wer vom Feind erschlagen“.

Hakenkreuze waren übrigens nicht zu sehen auf den Fotos von damals. „Vermutlich war Nachrodts NSDAP-Ortsgruppe gar nicht eingeladen, aber es ist sicherlich kein Zufall, dass diese Ortsgruppe am selben Nachmittag zu einer Großkundgebung auf dem Sportplatz im Brauck einlud.“

 

Adolf-Hitler-Eiche vertrocknete

Nicht lange nach der Einweihung gab es am Ehrenmal Veränderungen. Die prächtige Esche im Eingangsbereich musste gefällt werden. Sie war durch die Bauarbeiten im Wurzelbereich stark beschädigt worden. Am 20. April 1935 pflanzte die Schule Obstfeld eine „Adolf-Hitler-Eiche“, die aber bald vertrocknete. Die Straße vor dem Ehrenmal war bereits 1933 umbenannt worden: Bei drei Gegenstimmen beschloss der Rat, sie Adolf-Hitler-Straße zu nennen.

 Einige Jahre später wurde sie in „Straße der SA“ umgetauft und die heutige Hagener Straße wurde Adolf Hitler-Straße. Im Januar 1943 wurde die bronzene Tafel mit den Namen der Gefallenen abgenommen und eingeschmolzen. Heute ist es still um das Ehrenmal geworden.

Nur noch einmal jährlich, am Volkstrauertag, versammeln sich einige Bürger, um Kränze niederzulegen und eine kleine Feier zu halten. „Die Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde gedenkt der Gefallenen der großen Kriege 1914 bis 1918, 1939 bis 1945“ steht heute auf einer großen Tafel geschrieben. „Wir können mit diesem Spruch und mit dem gesamten Bauwerk der Vergangenheit auch heute noch gut leben, wenn auch die damalige Sinngebung nicht mehr unreflektiert übernommen werden kann. Es ist für unser Verständnis keine Ehre mehr, sein Leben im Ersten Weltkrieg oder in Hitlers verbrecherischem Raubkrieg mit Völkermord gelassen zu haben“, sagt Friedrich Petrasch.

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