Vom Unternehmer zum Straftäter: Absturz auf Raten

(Symbolfoto)

Nachrodt-Wiblingwerde - Was veranlasst einen unbescholtenen Mann, das ihm entgegengebrachte Vertrauen zu missbrauchen und massiv in ihm anvertraute Kassen zu greifen? Der angeklagte Hausverwalter hat dazu vor Gericht ausführlich Stellung genommen.

Vom Unternehmer zum Straftäter: Absturz auf Raten

Von Thomas Krumm

Die Geschichte seines Unternehmens begann mit dem Umzug nach Iserlohn. Dort drohte einem Bauträger die Insolvenz, und der Angeklagte bekam die Chance, vier Hausobjekte als Immobilienverwalter zu betreuen. In den Folgejahren wuchs das kleine Unternehmen – „ein schwieriges Geschäft mit vielen juristischen Detailkenntnissen“. 1999 übernahm der Angeklagte die Betreuung einer großen Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG) mit etwa 400 Einheiten, organisierte die Buchhaltung und die – auch für eine Hausverwaltung – arbeitsintensive Instandsetzung der teilweise maroden Bausubstanz. Als die Probleme abgearbeitet waren, habe die WEG den Verwalter gewechselt – „aus persönlichen, nicht sachlichen Gründen“, wie der Angeklagte betonte. Das war umso ärgerlicher, als er für die Übernahme der Betreuung „Abstand“ an seinen Vorgänger gezahlt hatte. „Verwaltungen werden verkauft“, erklärte er. Nach dem Verlust eines großen Objektes wurde es nun eng in den Kassen seiner Hausverwaltung: „Ende 2001, Anfang 2002 habe ich zum ersten Mal in Fremdgelder gelangt.“ Der 70-Jährige nannte auch die Alternative zu diesem Vorgehen: „Ich hatte Personal, das ich hätte entlassen müssen.“ Wenn der Bautechniker und ein weiterer Sachbearbeiter gegangen wären, hätte dies wohl den Anfang vom Ende der Firma bedeutet. „Da dachte ich mir: Es gibt auch einen anderen Weg, die Hoffnung, mit dem nächsten Objekt entstandene Lücken schließen zu können“.

So begann das verhängnisvolle Hin- und Herschieben der Instandhaltungsrücklagen von WEGs und deren Umleitung auf das Konto der Hausverwaltung. Doch die Rückzahlung dieser Gelder wurde nach und nach immer unwahrscheinlicher. Eine neue große Wohnanlage stellte sich als „Schrottimmobilie“ heraus, die 70 Prozent der Arbeitszeit des angestellten Bautechnikers verschlang. Es folgte das nächste „Schrott-Objekt“ und endgültig die Einsicht, dass man mit derart problematischer Bausubstanz kein Geld verdienen kann. Die Chance, die Defizite durch Erträge aus neuen Betreuungen ausgleichen zu können, schwand rapide. „Ich habe das Ende nicht gefunden“, bekannte der Angeklagte.

Allerdings wurde dem Verwalter sein verhängnisvolles Treiben wohl auch viel zu leicht gemacht: Aufgrund des bestehenden Vertrauensverhältnisses zu den Verwaltungsbeiräten der WEGs unterblieb eine wirksame Kontrolle: „Keiner von denen hat mir so etwas zugetraut.“ Erst drängende Fragen des Finanzamtes und eine Steuerprüfung beendeten die völlig aus dem Ruder gelaufenen „Anleihen“ bei den Instandhaltungskonten und brachten das Strafverfahren ins Rollen.

Die in Urteilsbegründungen übliche Formel eines „von Reue und Einsicht getragenen Geständnisses“ – bei diesem Angeklagten trifft sie sicherlich zu. „Schäbig“ fühle er sich gegenüber den Beiratsvorsitzenden der WEGs, die er „schlicht belogen“ habe, sagte der Angeklagte vor Gericht. Dem Bankrott seines Unternehmens folgte der soziale, wirtschaftliche und schließlich auch persönliche Abstieg nach dem Verlust der Ehefrau: „Diese Straftaten passten nicht in die Vorstellungen meiner Frau. Kurz zuvor hätten sie auch nicht in meine Vorstellungen gepasst“, sagte der Angeklagte vor Gericht.

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