Unglaublicher Orientierungssinn fasziniert

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Joachim Skroch ist einer von zwei noch verbliebenen Brieftaubenzüchtern in Nachrodt-Wiblingwerde. Wie sein Züchterkollege Martin Blach liebt er das Hobby über alles. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Joachim Skroch und Martin Blach sind erheblich belastet, und zwar erblich. Das zumindest behaupten die beiden Männer, wenn man sie auf ihr Hobby anspricht. Sie züchten Brieftauben. Damit gehören sie zu einer in der Doppelgemeinde aussterbenden Spezies.

„Früher hat es in Nachrodt und Wiblingwerde viele Züchter gegeben“, erinnert sich Skroch. „Wir beide sind noch übrig geblieben“, schmunzelt er. Sowohl Skroch als auch Blach sind schon im Kindesalter mit Brieftauben in Berührung gekommen. Denn in ihren Familien gab es jeweils einen bis mehrere Züchter, die sich mit den „Rennpferden des kleinen Mannes„ beschäftigten. „Und wenn man schon als Kind infiziert wird, kommt man davon nicht mehr los“, erklärt Blach.

Beide verfügen derzeit insgesamt über rund 140 Tiere, mit denen sie regelmäßig an Wettbewerben teilnehmen. Die Teilnahme an den deutschen Meisterschaften ist schon fast Pflicht. An den einzelnen Wettbewerben nehmen allerdings nicht alle Tiere teil, die beiden Züchter treffen vielmehr eine Auswahl. Diese Brieftauben werden dann gemeinsam mit Tieren anderer Züchter in Spezialfahrzeugen an den Abflugort gebracht. Die Züchter selbst sind beim Abflug nicht zugegen, sondern warten vielmehr zuhause auf die Rückkehr ihrer Tiere. Je nach Entfernung kann das allerdings schon einmal ein paar Stunden dauern. Denn die Vögel legen Entfernungen von 600 Kilometern, zum Teil sogar mehr zurück.

„Das Faszinierende daran ist, dass sie immer wieder zurückfinden. Die Tiere haben einen unglaublichen Orientierungssinn“, sagt Blach. Dies liege zum Teil sicherlich daran, dass sich die Tauben bei ihrem Flug an Magnetfeldern orientieren, mutmaßt der Züchter. Darüber hinaus spiele wahrscheinlich auch die Sonne und damit die Helligkeit eine Rolle. Und letztlich sei auch noch der hohe Geruchssinn der Tiere fester Bestandteil ihres Orientierungsvermögens. Die heutigen Brieftauben, so die Züchter, stammten ursprünglich von den so genannten Felstauben ab. Die wiederum hätten, um Futter zu suchen, den Felsen verlassen müssen und seien dann darauf angewiesen gewesen, ihr Nest auch wieder zu finden. Diese Fähigkeit der Orientierung sei bei den Brieftauben erheblich erweitert worden.

Mein Hobby

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Doch auch das muss trainiert werden. Schon in den ersten Lebenswochen verlassen die Tauben den Schlag und erkunden die Umgebung. Die Kreise, die sie dabei ziehen, werden immer größer. Diese Flüge stärken auch die Kondition, über die die Tiere während der Wettkämpfe verfügen müssen. In der Zeit von Anfang Oktober bis Anfang April werden die Brieftauben allerdings in den Schlägen gehalten. Denn in diesem Zeitraum sind Greifvögel wie Bussard, Habicht oder Sperber vermehrt zu beobachten. Und zu deren Lieblingsspeise zählen – sehr zum Leidwesen der Züchter – eben auch Brieftauben. Da diese weder über scharfe Krallen noch über einen großen und starken Schnabel verfügen, haben sie gegen die darüber hinaus auch noch schnelleren Raubvögel in der Regel keine Chance.

Die Fütterung der Brieftauben folgt einem strengen Muster. So steht beispielsweise auch Diätfutter auf dem Speiseplan. Dies wird insbesondere nach Wettkämpfen verabreicht. Vor solchen Veranstaltungen wird dagegen fettreiches Futter verabreicht, um die Kondition der Tiere zu stärken. Sowohl Blach als auch Skroch lieben ihr Hobby, könnten sich auch kein anderes vorstellen. Es sei ein tolles Gefühl, wenn die Tauben nach einem über mehrere hundert Kilometer führenden Flug plötzlich angeflogen kämen und punktgenau in ihrem Schlag landeten, sagen beide übereinstimmend. ▪ hb

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