Zwei Bauernfamilien legen ihre Höfe zusammen

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Die Familie Hohage plant die Zukunft ihres Hofes: Hans-Jürgen Hohage (links) hat den Hof an seinen Sohn Martin (hinten Mitte) abgegeben. Irgendwann soll dessen Sohn Mike (hinten rechts) den Familienbetrieb übernehmen.

Nachrodt-Wiblingwerde -   Mike Hohage ist 16 Jahre alt. Andere Jugendliche in seinem Alter träumen von Karriere, Reisen und wilden Partys. Nicht so der Realschüler. Er träumt von einem Leben als Landwirt – auf seinem eigenen Hof am Hahn bei Wiblingwerde.

Damit dieser Traum überhaupt in Erfüllung gehen kann, wird auf dem Hof Hohage kräftig expandiert. Seine Eltern Martin und Anja Hohage sind stolz auf ihren Sohn und freuen sich, dass sie einen Nachfolger haben. Denn das ist längst nicht selbstverständlich.

Die Landwirtschaft in Wiblingwerde ist im Wandel. Die Landwirte expandieren – wie beispielsweise auf den Höfen Buttighofer, Breddermann oder auch Dresel – in neue moderne Ställe. Die kleineren Höfe hingegen können dem Markt kaum noch Stand halten. Vor allem der Kampf um Flächen ist hart. Am Hahn wurde daher eine eher ungewöhnliche Lösung gewählt: Familie Hohage legt ihren Hof zusammen mit dem der Familie Peter Holzrichter. Die Fusion mit dem Nachbarn bietet beiden Familien Vorteile. Hohages können ihren Hof erweitern und Holzrichters haben einen Nachfolger, der den Hof weiter betreiben wird. Derzeit arbeiten alle noch gemeinsam mit Hochdruck an der Umsetzung. Mittelfristig sollen Hohages den Hof Holzrichter jedoch komplett übernehmen. Ein Anbau an den gerade einmal zehn Jahre alten Holzrichter-Stall ist, wie bereits berichtet, in Planung und auch schon genehmigt. Bis der Anbau steht, helfen Holzrichters noch auf dem Betrieb mit. Danach gehen sie in Rente. Dann wird Mike Hohage wohl gerade seine Ausbildung zum Landwirt beginnen.

„Derzeit bewirtschaften wir den Hof mit drei Generationen. Durch die neue Technik werden mein Mann und ich das alleine schaffen“, erklärt Anja Hohage. Für fünf Jahre wird ihr Sohn Mike den heimischen Hof verlassen, seine Ausbildung und ein Gesellenjahr absolvieren und dann, wenn möglich, auch noch die Meisterprüfung ablegen. „Mir ist es wichtig, erst einmal etwas anderes zu sehen. Neue Ideen zu sammeln“, sagt der 16-Jährige über seine Pläne für die nahe Zukunft.

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Insgesamt sollen, wenn der Anbau fertig ist, etwa 130 Milchkühe auf dem jetzigen Hof Holzrichter leben. Für sie wird ein Stall mit moderner Einrichtung und jeder Menge Kuh-Komfort errichtet. In dem neuen Melkstand können dann bis zu 20 Tiere gleichzeitig gemolken werden. In den Stall der Familie Hohage finden derweil 70 bis 80 Jungtiere Platz. Damit sei eine Betriebsgröße erreicht, die die Existenz langfristig sichere. „Ich träume schon davon, dass ich vielleicht in 20 Jahren auch noch einmal einen Stall baue“, sagt Mike. Wie viel Arbeit das bedeutet, weiß der Landwirt in spe genau. Seit er denken kann, hilft er auf dem Hof mit. „Die Arbeit mit den Tieren macht mir einfach Spaß. Ein Berufsleben im Büro kann ich mir nicht vorstellen.“

Wenn er aus der Lehre zurückkehrt, soll eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) gegründet werden. Gemeinsam mit seinen Eltern will Mike Hohage er dann den Hof in dieser Rechtsform führen. Wenn Anja und Martin Hohage in 20 Jahren in Rente gehen, soll ihr Sohn den Betrieb komplett übernehmen. „Natürlich wird es dann immer mal wieder Diskussionen geben, wie man was macht. Das ist ja jetzt schon so. Aber davor habe ich keine Angst. Die bessere Idee gewinnt“, sagt Mike. - Lydia Machelett 

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