1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Nachrodt-Wiblingwerde

Von Müllsündern und wucherndem Adlerfarn

Erstellt:

Von: Susanne Fischer-Bolz

Kommentare

Christof Schäfer Revierförster
Revierförster Christof Schäfer vor einem Stapel Borkenkäferholz. © Bender, Thomas

Wieder einmal ein Umweltfrevel im Nachrodter Forst: Unbekannte haben einen riesigen Haufen Kabelummantelungen im Wörder Bachtal entsorgt

.

Nachrodt-Wiblingwerde - „Das war eine ganze Lkw-Ladung. Ludwig Höllerhage hat den Müll mitten im Wald entdeckt“, erzählt Revierförster Christof Schäfer. Ort des Geschehens: An der Hessenkurve, dort, wo sich eine Doppelschranke befindet, sind die Täter 600 Meter in den Wald hineinfahren. Die Umweltsünder hatten mit ihrem Fahrzeug – mindestens einem 7,5 Tonner – fast leichtes Spiel, denn die Schranke ist wie andere – zurzeit geöffnet, da allerorts noch Holzabfuhren stattfinden. „Waldwege zu befahren, ist eine Ordnungswidrigkeit nach dem Landesforstgesetz“, sagt Schäfer. Entsorgt wird der Müllberg vom Bauhof. Die Kosten? Trägt die Allgemeinheit.

Ganze Wagenladungen Autoreifen

Es ist ein großer Kummer. Ganze Ladungen Autoreifen oder Sperrmüll werden immer wieder im Wald entsorgt. „Das passiert leider regelmäßig“, so der Förster, der im jüngsten Fall davon ausgeht, dass es professionelle Metallhändler oder Metalldiebe waren, die die Kupferkabel verkauft haben und die Reste irgendwo schnell abladen wollten. „Es ist eine Schande, aber leider wird man der Sache nicht Herr, denn wir können auch keine Wildkameras aufstellen, weil es öffentlicher Raum ist.“ Waldwege darf man also nicht überwachen.

Der Wald leidet

Der Wald leidet. Aber nicht nur wegen des Mülls. Fichten gibt es nach der Borkenkäfer-Plage so gut wie gar nicht mehr in der Gemeinde. Kahlflächen, wohin das Auge reicht – 350 Hektar insgesamt. Und jetzt die Trockenheit. „Die Bäche sind ausgetrocknet. Da fließt kein Wasser mehr, alles ist rappeltrocken. Der ganze Oberboden ebenfalls. Die Buchen und Birken haben ihr Laub schon im August verfärbt und haben auf den Kuppenlagen ihr Laub schon abgeworfen“, erzählt der Förster. „Es sieht alles ziemlich schlecht aus.“ Bei den Buchen wird man, so befürchtet Christof Schäfer, viele Verluste haben. Sie vertrocknen. „Die Buche ist eigentlich eine Baumart, die das atlantische Klima mit feuchten, nassen Sommern benötigt. Und die leidet unter der Trockenheit extrem“, erzählt er.

Umweltfrevel im Nachrodter Wald
Eine ganze Lkw-Ladung Kabelummantelungen kippt Unbekannte im Wördener Bachtal ab. © Privat

Oft ist es so, dass vorgelagerte Fichtenbestände abgeräumt wurden. Der Bestand dahinter steht nun frei, ist nicht mehr geschützt. Die Sonne knallt dort hinein. Und der Wind hat einen leichten Angriffspunkt. Trotzdem werden solche Bestände erst einmal stehen gelassen, damit sie selbst eine Naturverjüngung bewirken können.

Fichte tot, Buche in Gefahr

Übrigens: Mit der Wiederaufforstung wurde begonnen. „Wir haben 70 000 Pflanzen gesetzt“, erzählt Christof Schäfer. Bei den Laubhölzern wurden Esskastanie, Roteiche, Buche und Baumhasel gepflanzt. „Die Baumhasel ist ein Experiment“, sagt Christof Schäfer. In den Wäldern ist sie bislang eine Rarität. Das könnte sich ändern, da die Baumhasel eine derjenigen Baumarten sein könnte, die mit dem Klimawandel gut zurechtkommen. Gepflanzt wurde aber nicht querbeet überall in der Gemeinde.

„Ich habe mich, weil die Pflanzen nur bedingt verfügbar sind, erst einmal auf die Flächen beschränkt, die relativ stark zur Verkrautung neigen“, so der Waldexperte. Da, wo schnell Kleinvegetation, wie die Brombeere wächst, wurde mit der Wiederaufforstung begonnen. „Das sind eher Lagen, die etwas niedriger liegen, dort, wo relativ hohe Stickstoffeinträge sind.“

Wiederbewaldung läuft an

Die Wiederbewaldung ist ein Prozess, der den Förster die nächsten Jahre beschäftigen wird. Im Herbst und im nächsten Frühjahr geht es weiter. „Wir haben auch einiges an Nadelholz gepflanzt, Küstentanne, Weißtanne und Douglasie und auch ein bisschen Fichte, nämlich dort, wo die Gefahr besteht, dass Adlerfarn aufläuft. Der kann bis zu zwei Meter hoch werden, legt sich auf die frischen Setzlinge und drückt sie platt. Wenn sich das einmal etabliert, wird es schwierig mit der Bewaldung“, erklärt Christof Schäfer. Bis die jungen Bäume gesichert sind, brauchen sie fünf bis zehn Jahre und haben dann die Größe eines Weihnachtsbaums.

Auch interessant

Kommentare