Umstellung von L- auf H-Gas

„Alle Gas-Geräte werden umgestellt“

Umstellung von L- auf H-Gas. Kosten sparen kann man durch das H-Gas nicht.
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Umstellung von L- auf H-Gas. Kosten sparen kann man durch das H-Gas nicht.

Nachrodt-Wiblingwerde – Es wird eine Mammutaufgabe. Eine logistische Herausforderung. 1800 Gasgeräte müssen allein in Nachrodt-Wiblingwerde umgestellt werden. Mit Blick auf ganz Deutschland ist das allerdings ein Klacks. 5,2 Millionen Gas-Geräte sind betroffen. Notwendig wird es aufgrund der Umstellung von L- auf H-Gas. Und niemand kann sich drücken. Ein Interview mit Thomas Armoneit, technischer Leiter bei den Stadtwerken Iserlohn.

Wie viele Geräte müssen Sie in Nachrodt-Wiblingwerde umstellen?
1800 Gasgeräte müssen in der Gemeinde umgestellt werden. Gaskunden gibt es weniger. Ein Kunde kann natürlich auch zwei oder mehrere Gasgeräte haben, wenn er beispielsweise zum Kochen auch einen Gasherd hat.
Die Umstellung gilt für alle Geräte?
Ja. Für alle. 100 Prozent alle Geräte, die mit Erdgas L betrieben werden, werden später mit Erdgas H betrieben. Jedes Gerät muss umgestellt werden.
In ganz Deutschland?
Nein. Es sind Teile von Deutschland. Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen beispielsweise, die von den Niederlanden mit Gas versorgt werden. Da die Niederlande die Gasversorgung einstellt, da die Gasförderung im Norden Erdbeben auslöst, muss auf anderes Gas umgestellt werden. Das andere Gas kommt aus Norwegen oder Russland. Und das ist H-Gas.
Was ist der Unterschied zwischen L- und H-Gas?
Der Unterschied ist, dass der Brennwert bei H-Gas (High calorific gas) höher ist als L-Gas (Low calorific gas).
Es ist also qualitativ besser?
Es hat einen höheren Energieinhalt, qualitativ besser kann man so nicht sagen.
Merkt der Endverbraucher etwas davon?
Auf der Rechnung merkt er das nicht. Gemessen werden ja Kubikmeter, die werden über die sogenannten thermische Abrechnung in Kilowattstunden umgerechnet. Für den Endkunden ist es egal, ob L- oder H-Gas, der Energieverbrauch ist der gleiche.
Ich habe gelesen, dass man Heizkosten sparen kann?
Das kann ich so nicht bestätigen. Es gibt mehr Methan im H-Gas als im L-Gas. Dann gehen weniger Kubikmeter über den Zähler, aber in der Umrechnung ist es das Gleiche.
Sie sprechen von 1800 Gasgeräten in Nachrodt-Wiblingwerde. Jedes Einzelne wird jetzt überprüft?
Ja. Jedes Einzelne. Mit Iserlohn kommen wir auf 25000 Gasgeräte. In Kooperation mit den Stadtwerken Menden, Hemer, Schwerte und ein ganz kleiner Teil von Dortmund, haben wir zusammen die Leistungen ausgeschrieben. Da gibt es mehrere Dinge, die zu tun sind: Es gibt ein technisches Projektmanagement, das das Ganze steuert und koordiniert. Dann gibt es diejenigen, die die Düsen tauschen und eine Qualitätskontrolle. In der Hochzeit werden wir in Iserlohn 50 Leute gleichzeitig für sechs Wochen haben, die die Geräte umstellen.
Ausgetauscht werden die Gas-Düsen?
Ja. Es gibt einen kleinen Teil neuerer Geräte, die selbst adaptierend sich auf das veränderte Gas einstellen können.
Was bedeutet das für den Kunden? Die Anlage läuft einen Tag nicht, oder länger?
Am Tage der Anpassung geht das Gerät außer Betrieb. Das dauert vielleicht eine Stunde.
Und die Kosten?
Die Kunden haben keine direkten Kosten. Wir bezahlen das Ganze. Am Ende werden die Kosten aber deutschlandweit über alle Kunden gewälzt.
Letztendlich also doch?
Aber nur einen kleinen Teil, denn diejenigen, die gar nicht betroffen sind, in Ostdeutschland oder Bayern beispielsweise, zahlen das alle mit. Jeder Gaskunde in Deutschland zahlt einen kleinen Anteil.
Von welchen Summen reden wir?
Es wird geschätzt, dass das Projektvolumen deutschlandweit drei Milliarden Euro kostet. Es sind 5,2 Millionen Gas-Geräte bei 4,3 Millionen Kunden umzustellen.
In welcher Zeitspanne soll das zu schaffen sein?
Es hat 2015 begonnen und soll 2030 abgeschlossen sein.
Die Umstellung in Nachrodt-Wiblingwerde liegt gut in der Mitte. Wann genau?
Am 25. April 2023 ist der Umstelltermin für Nachrodt-Wiblingwerde.
Was muss der Kunde wissen?
Wir werden im Juli 2021 in Nachrodt anfangen, die Gasgeräte zu erheben und die Kunden zu informieren.
Bei einigen sehr alten Heizgeräten wird der Austausch der Gas-Düsen nicht ausreichen: Sie müssen komplett ersetzt werden. Da muss der Eigentümer in eine neue Heizanlage investieren.
Wenn man tatsächlich einen so alten Gaskessel hat, der nicht umgestellt werden kann, muss man einen neuen haben. Und wenn man eine neue Heizung einbaut, verbraucht die natürlich weniger als die alte.
Gibt es Zuschüsse?
Die Beträge sind eher eine homöopathische Dosis. Da reden wir von 100 bis maximal 500 Euro einmaligem Zuschuss. Die Investition wird ja durchaus größer, kann 5000 Euro kosten. Da kann es passieren, dass Sie nur 100 Euro dazu bekommen.
Gibt es denn eine Alternative?
Nein, es gibt keine Alternative.
Aber man könnte sich von Gas verabschieden und Erdwärme beispielsweise bevorzugen. Rechnen Sie damit?
Nein, wir rechnen mit einem reibungslosen Ablauf.- Der Wechsel zur Erdwärme wäre mit deutlich höheren Kosten verbunden und häufig zieht das eine Komplett-Sanierung des Hauses nach sich.
In Rennerde, Eilerde, Höchsten gibt es neue Gaskunden der Stadtwerke. Wissen die Bürger, was sie erwartet?
Wir werden die Installateure Anfang des Jahres in einer Schulung informieren, dass sie nach Möglichkeit darauf achten, dass selbstadaptierende Geräte gekauft werden.
Weiß man jetzt eigentlich bereits, ob das Gas für die Gemeinde aus Norwegen oder aus Russland kommen wird?
Nachrodt wird vermutlich norwegisches Gas bekommen.

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