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Ukraine-Krieg: Unternehmen aus dem MK stellt Unterkünfte zur Verfügung

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Ein Teil des Arbeitskreises „Ukraine“ bei den Walzwerken: Tim Apelt, Dr. Bodo Reinke, Angelika Fuchs, Andreas Helmig, Artem Namenas und Florian Grebe (von links) mit den Hilfsgütern.
Ein Teil des Arbeitskreises „Ukraine“ bei den Walzwerken: Tim Apelt, Dr. Bodo Reinke, Angelika Fuchs, Andreas Helmig, Artem Namenas und Florian Grebe (von links) mit den Hilfsgütern. © Fischer-Bolz, Susanne

Hilfsbereitschaft kann man nicht verordnen, sie ist eine Herzenangelegenheit. Die Walzwerke schicken nicht nur am Mittwoch einen Hilfstransport für Ukrainer, die in ihrem Land eingekesselt sind, auf die Reise, sie haben auch zwei ukrainische Flüchtlingsfamilien in ihren Werkswohnungen in Nachrodt untergebracht.

Nachrodt-Wiblingwerde – Um die Wohnungen einzurichten, arbeiten die Walzwerke eng mit der Gemeindeverwaltung zusammen. Die Familien sind dankbar, in Sicherheit zu sein. Es ist das Nötigste da. Und ein bisschen mehr. Geschäftsführer Dr. Bodo Reinke hat ein Foto von einem kleinen Jungen bekommen, der sich riesig über die Kuscheltiere gefreut hat. Und natürlich geht das Schicksal der Menschen allen nahe.

„Wir müssen etwas tun“, so der Ansatz bei den Walzwerken, die direkt nach Ausbruchs des Krieges einen Arbeitskreis gründeten und ein Budget in Höhe eines mittleren fünfstelligen Betrages zur Verfügung stellten. „Die Kollegen sind ausgeschwärmt, haben Erste-Hilfe-Güter, Lebensmittel wie Konserven und haltbares Brot und beispielsweise Decken an verschiedenen Stellen in der Region gekauft“, sagt Dr. Bodo Reinke.

Ukraine-Krieg: Walzwerke aus dem MK stellt Unterkünfte zur Verfügung

Unzählige Kartons stehen jetzt für den Abtransport bereit – Tim Apelt, Angelika Fuchs, Artem Namenas, Florian Grewe, Andreas Helmig und viele weitere Walzwerke-Mitarbeiter haben sich mit großem Engagement auch an den Wochenenden für den guten Zweck eingesetzt.

Die Hilfsgüter bringt der Transportdienst Speralux nach Polen. „Eine tolle Unterstützung. Er hat sich bereiterklärt, die Güter kostenlos zu unserer Tochtergesellschaft ‘Einsal east’ zu bringen“, erzählt Dr. Bodo Reinke. Das Unternehmen ist in der Nähe von Kattowitz beheimatet und pflegt Kontakte zu Hilfsorganisationen, die die Nachrodter Hilfsgüter direkt in die Ukraine bringen. Bodo Reinke ist zuversichtlich, dass sie dort ankommen, wo sie dringend benötigt werden.

Ukraine-Krieg: Zahl der bisher angekommenen Flüchtlinge

Durchatmen, sich umschauen: Das steht jetzt bei den beiden Familien mit insgesamt zwölf Personen an, die seit wenigen Tagen in Nachrodt sind. Walzwerke-Mitarbeiter Artem Namenas, der ukrainische Wurzeln hat, konnte Freunde in der Doppelgemeinde in die Arme schließen. Dass wenig später die Sirenen heulten, war natürlich für die Menschen aus dem Kriegsgebiet ein heftiger Schreckmoment. Eine weitere Familie kam über Kontakte mit „Einsal east“ nach Nachrodt. Beide Familien traten mit eigenen Autos die Reise an, kämpften sich offenbar sechs Tage durch viele Kontrollen, an Streckenposten vorbei und durch lange Warteschlangen an der Grenze. Die Sorge, dass Deutschland immer mehr in den Krieg hineingezogen wird, teilt Dr. Bodo Reinke übrigens nicht. „Ich sehe das als Verteidigung der Demokratie“, sagt der Walzwerke-Geschäftsführer. Wenn Diktatoren mit der Mentalität, dass der Stärkere siegt, durchkommen, würde dies früher oder später in die Europäische Union hineinschwappen. Doch nicht alles müsse man machen, was sich die Ukraine jetzt wünsche. „Auch wir haben unsere eigenen Positionen und müssen unser Volk beschützen“, findet Dr. Bodo Reinke. Die Politik stehe vor ganz schwierigen Entscheidungen.

Und sonst? Stand Mittwoch sind insgesamt 17 geflüchteten Menschen aus der Ukraine in Nachrodt-Wiblingwerde. Sie alle müssen sich zunächst im Bürgeramt anmelden. Um Leistungen zu beziehen, ist ein Termin bei der Ausländerbehörde notwendig. „Wir setzen sie aber nicht in einen Bus nach Lüdenscheid, sondern helfen selbstverständlich“, sagt Bürgermeisterin Birgit Tupat. Dringend benötigt werden derzeit noch Handwerker, die beim Möbelaufbau in den Flüchtlingswohnungen helfen können. Wer sich angesprochen fühlt, kann sich bei der Flüchtlingsbeauftragten Sabrina Lippert melden, Telefon 0 23 52 / 93 83 28. Unterdessen „wächst“ das Spendenkonto, auf dem bis jetzt 4600 Euro eingegangen sind.

Die Bilder vom Ukraine-Krieg wecken vor allem bei den Älteren schlechte Erinnerungen.

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