Nachrodter gesteht den Überfall auf die Sparkasse

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Nachrodt-Wiblingwerde - Mit einem umfassenden Geständnis hat am Mittwoch im Landgericht Hagen der Prozess gegen einen 35-jährigen Mann aus Nachrodt begonnen, der am 25. Februar die Filiale der Sparkasse an der Hagener Straße überfallen hat.

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Der Angeklagte schilderte die Tat: „Ich hatte Angst und wollte wieder nach Hause. Ich war schon fast vorbeigegangen – dann hat es ‚Peng’ gemacht, und ich habe mir die Maske übergezogen, bin reingegangen und habe die Waffe gezogen.“ So begann an einem Dienstagmorgen der Überfall auf die Sparkasse, der mehreren Menschen schwere Seelenschmerzen zufügte und den Täter wohl für einige Jahre ins Gefängnis bringen wird. Die Schreckschusspistole hatte sich der 35-Jährige von einem Cousin geliehen. „Wenn er davon gewusst hätte, hätte er mir die Waffe nicht gegeben“, versicherte der Angeklagte. Die Nacht vor dem Überfall verbrachte er schlaflos und mit Drogen und Alkohol abgefüllt in der Wohnung eines Freundes. Dorthin kehrte er nach dem Überfall auch zurück und tat so, als wäre er nie weggewesen. „Ich hatte schon seit längerem komische Gedanken“, erinnerte sich der Angeklagte. Allerdings habe er zunächst eine Spielhalle oder Döner-Bude als Ziel für den Überfall im Auge gehabt. „Dass ich zur Sparkasse gehe, kam mir erst an dem Morgen in den Kopf.“ Gut 14 000 Euro erbeutete der Räuber.

In einer umfangreichen Lebensbeichte erzählte der 35-Jährige, wie sich sein Leben seit fünf Jahren in einem rapiden Sinkflug befinde. Wie Frau und Freundin ihn betrogen und wie er seine Arbeitsstelle verlor: „Man geht nicht mehr arbeiten, wenn man solchen Liebeskummer hat.“ Die tiefen Stimmungslöcher bekämpfte er mit Alkohol und Drogen, die immer härter wurden: Täglich konsumiertes Marihuana, Aufputschmittel und Alkohol ergänzte der Angeklagte durch gelegentlichen Konsum von Kokain und Heroin. Das beschleunigte den rapiden Niedergang. Und dieser Lebensstil war sehr teuer. Statt sein Essen, seine Miete und seine Stromrechnung zu bezahlen, kaufte der Angeklagte Drogen. Am Tag des Überfalls drohte ihm die Kündigung seiner Wohnung. Der Strom war schon zuvor abgeschaltet worden. „Dann denkt man: Wie komme ich an Geld?“

Nach der Tat spielte die akute finanzielle Notlage allerdings nur noch eine Nebenrolle. Zwar bezahlte der Räuber noch 820 Euro Mietschulden und 1100 Euro an Freunde, die ihm Geld geliehen hatten. Doch dann ließ er es krachen: Gut 700 Euro für ein Handy, neue Klamotten für 1500 Euro, ein Fernseher für 2000 Euro, Haschisch und Heroin für 250 Euro. Mit einer Freundin verbrachte er eine 300 bis 400 Euro teure Nacht in einem Hotel in Iserlohn, verprasste Geld in Spielotheken und Bars.

Kein Wunder, dass die Vorsitzende Richterin Heike Hartmann-Garschagen dem Angeklagten angesichts dieses Verhaltens entgegenhielt: „Der Strom war abgeschaltet, aber Sie machten Einkäufe ohne Ende! Was Sie mit dem Geld gemacht haben, passt überhaupt nicht zu Ihrem Motiv für die Tat!“

Der Prozess wird am 12. Juni ab 9.30 Uhr im Landgericht Hagen fortgesetzt. - Thomas Krumm

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