Moschee: Gebetsteppich exakt nach Mekka

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Türkis ist der neue Gebetsteppich in der Moschee.

Nachrodt-Wiblingwerde  - Er ist der ganze Stolz der Gemeinde: türkisfarben, 100 Prozent Baumwolle und tatsächlich kuschelig: 10000 Euro hat der neue Gebetsteppich gekostet, der am vergangenen Wochenende in der Nachrodter Moschee verlegt wurde. Und er ist anders als der alte Teppich, der um 20 Grad nicht genau war, exakt nach Mekka ausgerichtet. Spätestens beim „Fest der Nachrodter“ können alle das neue Schmuckstück bestaunen.

 Die Himmelsrichtung spielt eine wichtige Rolle, denn im Islam wird nach Mekka, dem heiligen Ort der Muslime gebetet. Unabhängig davon, wo sich der Gläubige befindet. Dass es in der Vergangenheit richtungsmäßig eine kleine Abweichung in der Moschee gab, war augenscheinlich zwar nicht sehr tragisch, aber für den neuen Gebetsteppich wollte man auf Nummer sicher gehen. Er ist sechs Meter lang und vier Meter breit – und wurde aus der Türkei in neun Teilen geliefert. Das Verlegen dauerte zwei Tage.

Veysel Gümüs ist zweiter Vorsitzender der Nachrodter Ditib-Gemeinde.

„Wir haben das Geld durch Sponsoren aus Lüdenscheid, Letmathe und den Bürgern hier, die viele Spenden gegeben haben, zusammenbekommen“, sagt Veysel Gümüs, zweiter Vorsitzender der Nachrodter Ditib-Gemeinde. Den Vorsitz des sehr jungen Teams mit neun Personen hat Ali Atasever. Die Gemeinde hat 150 Mitglieder, die sich allesamt über den neuen Teppich freuen. „Denn sie sehen, dass etwas gemacht wird“, sagt Veysel Gümüs.

Der alte Teppich war in die Jahre gekommen und nicht in einem Stück. Ebenfalls neu: Im Gebetsraum für die Frauen wurde nicht nur ein neuer Teppich, sondern auch eine Fußbodenheizung eingebaut. Übrigens: Die Wichtigkeit der genauen Ausrichtung nach Mekka, für die eigens ein Architekt aus Köln nach Nachrodt kam, erklärt Veysel Gümüs so: „Wenn ich in der Kirche bin und der Papst vorne steht, möchte ich auch nicht nach hinten gucken.“

 Am 27. und 28. April gibt es ein „Fest der Nachrodter“ mit einem Tag der offenen Tür, Spielen für Kinder und natürlich mit türkischen Spezialitäten. Alle Nachrodter Vereine, alle Bürger sind eingeladen. Ein Fest, das die Gemeinschaft fördern soll, bei dem das Miteinander im Vordergrund steht. „Wir sind ja auch immer beim Weihnachtsmarkt dabei und möchten jetzt noch aktiver werden“, verspricht Veysel Gümüs, der sich darauf freut, dass es auch „deutsche Stände“ geben wird.

Und es gibt noch weitere Neuigkeiten: Das Integrationszentrum des Kreises spendet einen Beamer, der schon bald in der Moschee aufgebaut werden kann. Dort sollen dann Übersetzungen angezeigt werden. Denn wenn der Imam eine Predigt auf Türkisch hält, dann sollen die arabisch sprechenden Gäste dies in ihrer Sprache verstehen können. Jeden Freitag kommen mehr als 20 Flüchtlinge in die Moschee, die sich als Moslems mit der Gemeinde verbunden fühlen. Bei deutschem Besuch kann die Rede natürlich auch auf Deutsch übersetzt werden. „Unser Imam Recep Capri, der eigentlich kein Deutsch spricht, hat jetzt die Freitagspredigt auf Türkisch gehalten, und dann zehn Minuten auf Deutsch gelesen“, sagt Veysel Gümüs.

In Nachrodt spürt man nichts von der Kritik am größten deutschen Moscheeverband Ditib und der Frage: Wie politisch ist die Organisation und wie abhängig ist sie von der türkischen Regierung? Das ist für die Mitglieder und die deutschen Bürger in Nachrodt-Wiblingwerde augenscheinlich kein Thema. „Wir sind hier eine kleine Gemeinde, offen für alle und wir beantworten immer gern alle Fragen“, so Veysel Gümüs. Jeder sei willkommen. Auch nach Außen möchte die Gemeinde ein deutliches Zeichen der Gemeinschaft setzen: So werden bald an neuen Masten eine türkische, eine deutsche und eine Ditib-Fahne wehen. Alle drei flattern dann neben einem neuen Pavillon, der bei schönem Wetter ein kleiner Treffpunkt werden soll. „Unser Ziel ist es nun auch, die Umgebung zu verschönern, Blumen zu pflanzen, Hecken zu schneiden.“ Die Moschee selbst soll auch gestrichen werden. „Wenn man vorbei fährt, soll es 1a aussehen“, meint der zweite Vorsitzende.

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