"Trio Hausmusik" ersetzt ein ganzes Sinfonieorchester

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Karl-Heinz Heiermann wollte das Ensemble nicht mit Profimusikern verglichen wissen, doch musste er sein Licht ebenso wenig unter den Scheffel stellen wie seine musikalischen Mitstreiter.

NACHRODT-WIBLINGWERDE - Ein Hauch von Klassik schwebte am Sonntagnachmittag über den ehemaligen Wirtschaftsgebäuden des Bauernhofes von Karl-Heinz Heiermann, allerdings ein nicht zu überhörender. Denn das „Trio Hausmusik“, schon seit 14 Jahren aktiv, gab sein so genanntes „Scheunenkonzert“.

Das Trio, bestehend aus Dieter Danz (Klavier), Karl-Heinz Heiermann (Geige) und Ralf Lengelsen (Cello), unterhält sein Publikum in der Regel mit einer bunten Mischung aus Volksmusik und leichten klassischen Werken. Dazu gehörten diesmal Kompositionen von Franz von Suppé, Robert Stolz, Franz Lehár und Johann Strauß. Die drei Musiker schafften es, die zum Teil nicht einfachen Stücke eingängig vorzutragen.

Schon in seinen Begrüßungsworten warnte Karl-Heinz Heiermann das Publikum davor, das Trio mit Profimusikern zu vergleichen. Danz ergänzte: „Wir spielen eigentlich nur für uns selbst und nur manchmal für Euch“. Das war nun allerdings untertrieben, denn das Laien-Trio, verstand es augenscheinlich, sein Publikum bestens zu unterhalten.

Zu den Vorträgen zählte auch das bekannte Volkslied „Vor meinem Vaterhaus steht eine Linde“ aus der Feder von Robert Stolz. Einige der Zuhörerinnen sangen oder summten – wenn auch leise – mit. Vorgetragen wurde auch der Walzertraum. Er stammt jedoch nicht von Johann Strauß, dem Walzerkönig. Komponiert hatte dieses Werk der weniger bekannte österreichische Operettenkomponist Oscar Straus, aber ein viel beachteter Walzer war es trotzdem. Das „Trio Hausmusik“ trug die Komposition leicht und locker vor.

Schwere Kost dagegen war Giuseppe Verdis Gefangenenchor aus Nabucco. Dieses Werk ist natürlich für ein ganzes Sinfonieorchester sowie einen Opernchor konzipiert. Sich mit nur drei Instrumenten an dieses berühmtesten aller Verdi-Chorwerke zu wagen, ist schon mutig. Aber das Trio zelebrierte das Stück derart, dass das Publikum die in Babylonien gefangenen Hebräer förmlich vor sich stehen sah. Keine Frage, die drei Musiker sind und bleiben Laien. Aber dies war eine ganz große Nummer.

Doch der Sonntag war wohl auch ein ganz besonderer Tag für die drei Protagonisten. Denn nicht nur die Vorträge, auch die Zusammensetzung des Programmes trafen den Geschmack des Publikums. Zumindest war das am Applaus auszumachen. Und ein kleines „Sahnehäubchen“ konnte Dieter Danz auch noch präsentieren, und zwar in Gestalt seiner Enkelin Sabrina Schwarz. „Die jungen Leute von heute spielen ja ganz andere Stücke als wir“, schmunzelte Danz in seiner Anmoderation. „Aber das ist trotzdem genauso gut. Ich muss mich nur erst mal dran gewöhnen.“ Die junge Musikerin trug die Titelmusik aus dem Film „A requiem for a dream“ vor.

Das waren in der Tat schon ganz andere Töne und Rhythmen wie man sie vom „Trio Hausmusik“ kennt. Hart und fordernd –aber großartig dargeboten. Fazit: Ein voller Erfolg für Danz, Heiermann und Lengelsen und letztlich auch für Sabrina Schwarz. Eigentlich wird das nächste Konzert erst wieder in zwei Jahren stattfinden. Aber vielleicht überdenken die Vortragskünstler diesen Entschluss ja noch einmal. Nicht wenige aus dem Publikum würden das begrüßen. - Hartwig Bröer

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