40 Trecker und Schlepper beim Bauern-TÜV

Bernd Tump bei der Arbeit.

NACHRODT-WIBLINGWERDE - Wenn im Dorf die Trecker auf Hochglanz poliert werden, kaputte Blinker ausgetauscht und sogar die Felgen eine Dampfstrahlerreinigung bekommen, dann ist das ein sicheres Indiz dafür, dass der „Trecker-TÜV“ kommt.

Zwei Mal im Jahr kommt Bernd Tump, vom TÜV Nord in das Höhendorf zur Abnahme von Schleppern und Anhängern. Was er dort zu sehen bekommt, lässt das Herz des Treckerfans höher schlagen. Von rüstigen und gut restaurierten Oldtimern ohne Verdeck bis zum riesigen Hightech-Gerät bekommt man beim TÜV alles zu sehen, was das Höhendorf zu bieten hat. 40 Trecker und einige Anhänger sind zur Hauptuntersuchung angemeldet.

Der mobile TÜV, liebevoll auch „Bauern-TÜV“ genannt, hat Tradition. „Ich komme bestimmt schon 20 Jahre lang jedes Jahr, manche haben schon sechs Stempel von mir“, erklärt Tump. Im Laufe der Jahre hat sich der Prüftag zu einem kleinen Landwirtschaftstreff entwickelt. Besonders dann, wenn das Wetter schlecht ist. „Bei gutem Wetter wollen sie alle schnell wieder aufs Feld. Wenn es so ist wie heute, zieht es keinen so schnell heim“, berichtet der Prüfer. So sammelt sich auf dem Hof der Familie Buttighofer eine gesprächige Runde, man tauscht den neusten Klatsch und Tratsch aus und fachsimpelt über die neue Saat, den neuen Stall oder die Viehzucht. Da kommt es auch schon mal vor, dass man auch nach der Untersuchung noch eine Weile bleibt, denn schließlich sieht man sich nicht alle Tage in einer solch entspannten Runde.

Entspannt geht es aber nicht überall zu. Manch ein Fahrzeugbesitzer ist sichtlich angespannt, als er seinen Trecker vorstellt. „Jetzt mal Fernlicht“, lautet die Anweisung von Bernd Tump, leichter gesagt als getan, denn das 50-jährige Schätzchen, wird eigentlich nur zum Holzholen benutzt. Gut, wenn es dann Kollegen gibt, die mit der Technik vertraut sind und zur Hilfe eilen. „Das benutze ich nie“, fügt der Fahrer ein wenig verlegen hinzu. „Die Fahrzeuge sind meistens alle in Ordnung. Kleinere Mängel, wie kaputte Birnen oder ähnliches kommen schon mal vor“, berichtet Tump. Größere Mängel habe er fast noch nie erlebt.

Überprüft werden Lampen, Hupe, Bremsen und Lenkung. „Ich schau jetzt, ob die Achsen und die Lenkung nicht ausschlagen“, erklärt der TÜV-Experte. Bei der Bereifung gibt es schon eher mal Probleme, denn wie beim Auto muss das Profil 1,6 Millimeter vorweisen. „Wer einen Treckerreifen kennt, der weiß, wie alt ein Reifen ist, der nur noch so wenig Profil hat. 20 Jahre sind da nichts.“ Anders als Autos müssen Trecker nicht auf den Bremsenprüfstand. Eine Fahrprobe ist für Trecker und Anhänger ausreichend. „Beim Auto sieht man die Reifen nicht alle, hier schon. Wir überprüfen, ob beide Hinterreifen gleichzeitig bremsen“, erklärt er weiter. Einmal Vollbremsung mit Fußbremse, einmal mit Handbremse und schon ist es geschafft. Und dann kommt noch ein wirklich seltenes Exemplar auf den Prüfstand. Ein Deutz Baujahr 1957, da schaut nicht nur der TÜV ganz genau hin, sondern auch die Kollegen, denn so eine Rarität sieht man nicht alle Tage. Die alte Technik begeistert, so kommt es dann, dass man in ein kleines Männergespräch versinkt und ein wenig die Zeit vergisst.

„Eigentlich findet der Frühjahrstermin immer am Feuerwehrgerätehaus statt. Auf Grund des Regens, sind wir spontan hierhin ausgewichen“, erklärt Tump. Aber Buttighoffers Scheune mit Kälberstall bietet genau das richtige Ambiente. Vorne fahren die Trecker, dazwischen tratschen die Landwirte und im Hintergrund muhen die Kühe, genauso stellt sich wahrscheinlich jeder Städter den „Bauern-TÜV“ vor. Bei dem Regen sei das ideal, denn die Oldtimerfahrer haben meist kein Verdeck und seien froh, wenn sie nicht nach Lüdenscheid, oder in noch weiter entfernte Gefilde müssen - gerade bei schlechtem Wetter.

Im November kommt Tump wieder. „Ich mache das so lange es meine Gesundheit zulässt. Es macht immer wieder Spaß die Leute zu sehen und vor allem die Maschinen“, erklärt Tump.

- Lydia Machelett

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