Trauerspiel am Trauerort: Etliche Probleme am Friedhof

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Trocken: Die Wasserleitung im oberen Friedhof-Teil ist defekt.

Nachrodt-Wiblingwerde – Defekte Wasserleitung, gesperrte Kapelle, geschlossene Toilette: Probleme gibt es viele auf dem Friedhof an der Wiblingwerder Straße. Nur an Lösungen mangelt es.

Trauerspiel am Trauerort: Hat die evangelische Kirchengemeinde Nachrodt-Obstfeld den Friedhof an der Wiblingwerder Straße abgeschrieben? Und zwar lange bevor die eigentliche Endzeit gekommen ist?

Die soll – beschlossen und verkündet – erst 2063 sein. Heute, 44 Jahre zuvor, geht schon einiges drunter und drüber.

Die Zustände machen den Menschen zu schaffen, die dort ein Grab pflegen oder einen Angehörigen beisetzen möchten. Die Kapelle ist gesperrt. Das bedeutet auch, dass dort kein Sarg stehen darf. Das dreitägige Abschiednehmen, für das die Angehörigen bisher einen Schlüssel für die Kapelle bekamen, kann nicht stattfinden. Die Toilettenanlage ist schon seit einer kleinen Ewigkeit gesperrt. 

Wasserkannen den steilen Berg hochgeschleppen

Zudem ist die Wasserleitung im oberen Teil des Friedhofes defekt, sodass alle, die Blumen auf den Gräbern gießen möchten, Wasser-Kannen den extrem steilen Berg hinauf schleppen müssen. Besonders für ältere Menschen ein Desaster. 

Unterdessen gibt es – erneut – keine Stellungnahme von Pastor Kube. Vom Presbyterium ist nur Markus Windgassen zur Auskunft bereit. „Alle anderen befinden sich im Urlaub“, sagt der Presbyter, der eigentlich nicht für die Friedhofsverwaltung oder Gebäude-Instandhaltung zuständig ist. 

Gesperrt: die Kapelle. Dort muss ein morscher Balken ausgetauscht werden.

„Wir haben im Eingangsbereich einen Balken, der ausgetauscht werden muss. Der marode Balken stellt für die Besucher ein Sicherheitsrisiko dar“, erklärt Markus Windgassen mit Blick auf die gesperrte Kapelle. Der Austausch werde sich wahrscheinlich bis Anfang Oktober ziehen. Mit anderen Worten: Die Trauerfeiern können nicht in der Kapelle, sondern müssen in der Kirche stattfinden. 

Trauerfeiern notfalls im Gemeindehaus

Dort allerdings gibt es auch Reparaturen. Im Notfall sollen Trauerfeiern ins Gemeindehaus verlegt werden. „Das muss im Einzelfall entschieden werden“, sagt Markus Windgassen und ergänzt: „Wir sind froh, dass die Reparaturen teilweise in Eigenleistung und unter persönlicher Mitwirkung der Presbyter möglich gemacht wird und müssen diese erst einmal abschließen.“

Repariert werden müsste aber auch dringend die Wasserleitung im oberen Teil des Friedhofes. „Das ist ein spezielles und finanziell sehr aufwendiges Thema“, erklärt der Presbyter. Auch die Überlegung, einen verlängerten Wasserschlauch zu installieren, hätte man leider verwerfen müssen, „da wir eine mehrfach erneute Anschaffung befürchten, wenn dieser entwendet wird“. 

Reparatur zu teuer

Bisher habe man keine Lösung gefunden. „Ein langfristiges Ergebnis, das auch für den Winter einen Frostschutz verspräche, ist zu kostenintensiv und kann derzeit nicht finanziert werden“, sagt Markus Windgassen. Und angesichts der Schließung des Friedhofes und der angespannten finanziellen Situation sei im Moment eine Reparatur der Leitung nicht möglich. „Wir vertrauen auf unser Hände Arbeit und hoffen, dass uns auch dafür eine Lösung einfallen wird.“ 

Am 31. Dezember 2033 soll offiziell die letzte Beerdigung stattfinden. Doch schon heute gibt es Probleme. „Wenn ich einen Anruf bekomme, dass die Oma gestorben ist, dann muss ich erst einmal ausbremsen“, sagt Bestatter Helmut Kruse und bemängelt fehlende Informationen. „Wir können offiziell ein Urnengemeinschaftsgrab anbieten, bei dem der Name an die Säule kommt. Aber bei Familiengrabstellen wird es schon waghalsig. Das rechte Feld soll geschlossen werden“, sagt der Nachrodter Bestatter, für den die Sperrung der Kapelle, die 1981 eingeweiht wurde, ebenso eine Katastrophe ist wie für die Trauergäste. 

„Die katholische Kirchengemeinde hilft uns, sodass wir in die St.-Michaelskapelle ausweichen können. Aber einige Kunden gehen auch nach Wiblingwerde und wollen mit Nachrodt nichts mehr zu tun haben“, weiß Helmut Kruse. 

Angehörige sollen Friedhof bis 2063 nutzen können

Die Hilfeschreie werden immer lauter, aber auch immer resignierter. Noch im November 2017 hatte die Kirchengemeinde eine Stellungnahme für die Friedhofpflege abgegeben. Damals hieß es: „Die Kirchengemeinde sieht es als ihre Aufgabe an, bis zum Ablauf des letzten Nutzungsrechts voraussichtlich 2063 den Friedhof so zu führen, dass die Angehörigen ihre Verstorbenen, für die noch ein Nutzungsrecht besteht, dort zur Ruhe betten und ihrer am Grab in würdevoller Weise gedenken können.

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