Tipps für Eltern im Umgang mit Medien

Gerhard Engmann bestärkte Eltern in einem verantwortungsvollen Medienkonsum. - Foto:Krumm

Nachrodt-Wiblingwerde - Der Blick auf die Kindheit in Zeiten neuer Medien zeigt, dass Computer und Internet, Fernseher und Smartphone immer mehr zur Lebenswelt von Kindern gehören. Das ist nicht schlimm, solange damit verantwortungsbewusst umgegangen wird. Das war das Thema bei einem Informationsabend am Dienstag in der Nachrodter Grundschule.

Ein kleines Kind streift mit zwei sich immer weiter öffnenden Fingern immer wieder über ein Foto in einem Hochglanzmagazin. „Pinch-to-zoom“ heißt diese Bewegung, mit der auf einem Touchscreen, einem intelligent agierenden Bildschirm, die Dimensionen der Darstellung verändert werden. Zu den Bildern lieferte Referent Gerhard Engmann von der Landesanstalt für Medien NRW den passenden Satz einer Mutter: „Für meine einjährige Tochter ist ein Magazin ein iPad, das nicht funktioniert.“

Ein anderes Bild: „BODY“ steht in großen Lettern in der Zeitschrift und ein kleines Kind drückt immer wieder auf das große runde O, das aussieht wie ein An-/Aus-Knopf. Nichts tut sich. Was folgt, ist „ein Systemcheck für den Finger“, wie Gerhard Engmann scherzte: Das Kind nimmt den erfolglosen Zeigefinger und piekst sich in den Oberschenkel. Das funktioniert. Der Fehler muss also in der Zeitschrift liegen. Kinder sind von Natur aus neugierig, sie wollen Dinge entdecken, ausprobieren und ihre Funktion verstehen.

Wichtig ist es für Kinder, dass sie sich früh Basiskenntnisse im Umgang mit diesen Medien aneignen – mögen die Eltern das billigen oder nicht. Gerhard Engmann bestärkte die Eltern in einem verantwortungsvollen Umgang mit Medien, rief jedoch auch zu Gelassenheit auf. Eine grobe Orientierung leistet das Modell des Psychologen Serge Tisseron: Kein Bildschirmmedium unter drei Jahren, keine eigene Spielkonsole unter sechs Jahren, kein Internetzugang unter neun Jahren und kein unbeaufsichtigter Internetzugang unter zwölf Jahren. Die Eltern fanden sofort ein Problem: Viele Grundschulkinder könnten ohne Internetzugang nicht mit den lesefördernden Seiten „Antolin“ arbeiten.

Gerhard Engmann plädierte nachdrücklich für eine Erziehung, die das Sinnliche des prallen Lebens im Blick behält: das Belutschen, das Fühlen, das Riechen, das Nagen und vieles mehr. „All das kann kein Film vermitteln.“ Gleichwohl bietet der Medienkonsum auch Chancen, die allerdings möglichst sorgfältig gewählt werden sollten: Programme zur Beschränkung des Medienkonsums und der im Internet aufrufbaren Seiten nahmen deshalb breiten Raum im Vortrag ein. Und grundsätzlich gilt: „Fernseher und ein internetfähiger Rechner gehören nicht ins Kinderzimmer.“ Doch ganz ohne Medien können Eltern auch nicht zum verantwortungsvollen Umgang mit Medien erziehen: Spätestens, wenn Vater wissen will, was das „Rumgedaddel“ der Kinder mit seinem Fußballabend vor dem Bildschirm zu tun habe, hat er etwas fundamental nicht verstanden.

Die neuen digitalen Medien bieten neben Anlass für Familienkonferenzen auch „Faszination, Fortschritt und Freude“. Sie erlauben, unmittelbar offene Fragen zu klären, Kontakte zu beschleunigen, Wissen zu erwerben und in vielen Dingen des Lebens Beratung und Möglichkeiten zur Selbsthilfe zu finden. Gerhard Engmann gab den Eltern, die selbst einiges zum Thema beizutragen hatten, abschließend einige klare Empfehlungen mit auf den Weg: „Interessieren Sie sich für die Interessen Ihres Kindes, surfen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind, treffen Sie Zeitvereinbarungen und setzen Sie die Computernutzung nie als Belohnung oder Strafe ein!“ Auf ein sehr positives Echo traf nach einem sehr unterhaltsamen Vortragsabend auch eine Auskunft mitten aus dem Leben: „Kinder, die Grenzen überschreiten wollen, sind gesund!“ - Thomas Krumm

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare