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Es knirscht, ruckelt und kracht

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Zur technischen Hilfe gehört die Personenrettung aus Fahrzeugen
Zur technischen Hilfe gehört die Personenrettung aus Fahrzeugen © Fischer-Bolz, Susanne

Als er mit aller Kraft die Autotür knacken will, haut es einen Feuerwehrmann glatt selbst um. Er kommt aber schnell wieder auf die Beine. „Technische Hilfe“ hat so ihre Tücken. Am Samstag, 30. Oktober, ist Prüfung.

Nachrodt-Wiblingwerde – Es ist zum Glück eine Puppe, die Wehrleiter Mark Wille über den Hof schleppt und ins Auto verfrachtet. Sie soll nach einem schweren Unfall gerettet werden. Das Auto muss stabilisiert, die Tür aufgebrochen werden. Knochenarbeit, wie sich herausstellt, und mit einfachem Gerät nicht zu schaffen. Ein Spezialwerkzeug muss her. Die Puppe schweigt, wird trotzdem beruhigt. Denn ein Unfallopfer in einer dramatischen Situation muss einfühlsam begleitet werden, muss wissen, warum es ruckelt, kracht und knirscht.

Zwei Ausbilder, zehn Teilnehmer

Eine Woche trainierten Feuerwehrmänner und -frauen die „Technische Hilfe“ – am Samstag ist Prüfung. Kein Pappenstiel für die zehn Teilnehmer, die von Brandinspektor Patrick Nowak und Oberbrandmeister Ronny Herrmann ausgebildet wurden. Und möglich ist übrigens auch, dass dann keine Puppe gerettet wird, sondern vielleicht Wehrleiter Mark Wille höchstpersönlich. „Dann schauen wir uns das dann mal von innen an“, erzählt er schmunzelnd.

Alte Autos werden zur Verfügung gestellt

Dass das Trainings-Auto ohnehin die besten Zeiten lange hinter sich hat, ist in diesem Fall ein Segen: Die Autoverwertung Schneider aus Iserlohn stellt der Nachrodt-Wiblingwerder Feuerwehr immer Fahrzeuge für die wichtigen Übungen zur Verfügung. Bevor es ans Eingemachte geht, haben die Lehrgangs-Teilnehmer einen Bereitstellungsplatz vorbereitet. Es ist eine große Plane, auf der alles gelegt wird, was für den Einsatz benötigt wird. So gibt es dort beispielsweise auch einen hydraulischen Spreizer, der später bei der Autotür zum Einsatz kommt.

Person hinter Tür: keine Seltenheit

Doch „Technische Hilfe“ ist viel mehr als Personenrettung aus Fahrzeugen: Auch die Hilfe für Menschen, die in Aufzügen feststecken, oder die hinter ihrer verschlossenen Wohnungstür liegen, gehören dazu. Die Türen werden dann nicht eingetreten. Es gilt: minimaler Verlust. Die Schlösser werden geknackt. Etwa 20 Mal im Jahr rückt die Feuerwehr aus, weil der Hausnotruf gewählt wurde oder sich Nachbarn sorgen. Und obwohl in eher dörflicher Gemeinschaft das Miteinander recht gut funktioniert, lag vor wenigen Wochen ein Nachrodter schon länger tot in seiner Wohnung. Ein Anblick, den niemanden kalt lässt.

Teilnehmer in Stufe B5

Die „Technische Hilfe“ ist ein Modul der Stufe B-Ausbildung der Feuerwehr. Bei erfolgreichem Abschluss sind die Einsatzkräfte dann auch an „vorderster Front“ dabei. Die Ausbildung der Männer und Frauen ist sehr umfangreich und in Stufen gegliedert. So gibt es beispielsweise eine Stufe A, bei der grundsätzliche Dinge wie das Herstellen der Wasserentnahme erlernt wird. In der Stufe B geht es sukzessive weiter, natürlich auch mit dem Löschangriff. Die aktuellen Teilnehmer sind in Stufe B5. Sie sind seit zwei, drei Jahren dabei, drei sind aus der Jugendfeuerwehr gewechselt.

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