Baumkauf ist ein Gemeinschaftserlebnis

Mit 18 Euro pro Meter sind die Preise für die Nordmanntanne stabil geblieben. Gefeilscht wird in diesem Jahr kaum. „Die Menschen schätzen gute Qualität“, hat Weihnachtsbaumverkäufer Jürgen Schroer festgestellt.  Foto: Hornemann

Nachrodt-Wiblingwerde - Adventliche Besinnlichkeit kehrt bei Familie Tacke erst am späten Heiligabend ein. Bis auf den letzten Drücker werden die Weihnachtsbäume an den Ständen und auf dem Hof am Hallenscheid verkauft. Und sogar am zweiten Weihnachtstag noch. Da ist vor ein paar Jahren mal ein Mann gekommen, der spontan noch eine Tanne brauchte, um die Schwiegermutter zu beeindrucken...

Karl-Heinz Tacke muss noch immer schmunzeln, wenn er an diese Begebenheit zurück denkt. „Viel Auswahl konnten wir ihm nicht mehr bieten. Aber er ist glücklich abgezogen...“

Die meisten Kunden des Tannenhof liegen allerdings gut in der Zeit. „Sonntag war es proppenvoll bei uns. Bei dem schönen Wetter hatten die Leute richtig Lust, sich bei uns aufzuhalten.“ Der Baumkauf ist nach wie vor ein Gemeinschaftserlebnis. Wie hoch, wie breit, wie dicht der Weihnachtsbaum sein soll, wird gern innerhalb der Familie entschieden. Die Nordmanntannen halten es gut aus, wenn das Team Tacke sie zur Ansicht aus dem Netz holt und wieder einpackt. „Edeltannen muss man dagegen sehr vorsichtig anfassen. Die werden immer empfindlicher und sind zunehmend schwieriger zu züchten“, so Karl-Heinz Tacke. Vielleicht müssten die Preise für die wenigen letzten duftenden Bäume im nächsten Jahr angehoben werden. Die bei 98 Prozent der Käufer beliebte Nordmanntanne sieht in diesem Jahr zwar aus, wie gemalt, verströmt aber eben einfach nicht den verführerischen Duft ihres Vorgängers auf der Beliebtheitsskala. „Wir empfehlen dann, einfach zwei, drei Zweige von der Edeltanne unter die Nordmanntanne zu legen. Da kommen wir schnell dran“, schildert der Seniorchef vom Tannenhof.

Für ihn und Sohn Heinz-Ulrich hat es sich ausgezahlt, das Saatgut aus dem Kaukasus genutzt zu haben. „Die Bäume treiben nicht so früh aus, wie die aus dem Saatgut, das aus der Türkei stammt“, erklärt Karl-Heinz Tacke. Bewusst lassen die Landwirte viel Platz zwischen den Pflanzen, damit die Sonne sie gleichmäßig bescheinen kann und von allen Seiten genug Luft dran kommt. Pro Hektar sind es 7000 Stück. Da bleibt genug Platz, um das dazwischen wachsende Gras zu mähen. Fünf Mal ist der Senior in diesem Jahr dafür ausgerückt. Unkraut gab es wenig und Spätfrost zum Glück auch nicht. „Das ist das Schlimmste, was einem Weihnachtsbaum passieren kann. Blaufichten sind dann gar nicht mehr zu retten“, weiß Tacke. Aber viele Fans haben diese Bäume ohnehin nicht mehr.

Geschmückt wird der Baum im Hause Tacke übrigens sehr klassisch und rustikal: Rote Kugeln, Strohsterne und vielleicht ein paar Äpfel wird Schwiegertochter Gisela wohl auswählen. „Da lassen wir Männer uns immer überraschen“, sagt Karl-Heinz Tacke. Denn sobald das Fest vorbei ist, beschäftigen sie sich wieder ganzjährig mit Weihnachtsbäumen. „Wenn sie was werden, macht es richtig Spaß!“ - Ina Hornemann

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